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Winter- und Weihnachtsäpfel

Alljährlich wird am zweiten Freitag im November der Tag des Apfels gefeiert. Der Zeitpunkt ist gut gewählt, sollte doch jetzt die Apfelernte abgeschlossen und der kostbare Vitalsnack gut eingelagert oder verwertet sein.

Tipps zur richtigen Ernte und Lagerung samt Aufzählung einiger weniger Sommer- und Herbstsorten gab es übrigens bereits letztes Jahr zu lesen unter https://blog.naturimgarten.at/detailseite/aepfel-mit-birnen-vergleichen.html.

60% der Obstbäume im Privatgarten sollten ja aufgrund der vielseitigen Verwendung und meist guten Lagerfähigkeit Apfelbäume sein und 75-80% davon die sogenannten Winteräpfel. Viele dieser edlen Früchte (Königinnen, Kronprinzen, Geheimräte und Co.) werden erst durch Lagerung – also im Winter – genussreif und halten sich bis zur nächsten Saison. Ein paar davon möchte ich in diesem Blog vor den Vorhang holen: `Kronprinz Rudolf´, `Boskoop´ und `Kanada-Renette´ – zugegeben eine sehr subjektive kleine Auswahl angesichts tausender weiterer Sorten. Alle drei stammen aus dem goldenen Zeitalter der Pomologie (Apfelsortenkunde) und des Obstbaus, das von etwa 1770 bis 1890 eine Vielzahl von auch heute noch bekannten und beliebten Sorten hervorbrachte.

Aber auch Neuzüchtungen können sich bewähren in Bezug auf guten Geschmack und Pflanzengesundheit. Beginnt der Sortenname mit Re- (wie etwa bei `REBELLA´®, `Resi´® oder `REWENA´®) handelt es sich um am Institut für Pflanzenzüchtung in Dresden-Pillnitz gezüchtete Sorten mit Resistenzen gegen verschiedene Schaderreger wie Schorf, Mehltau oder andere. Es gibt natürlich auch resistente Sorten ohne Re - wie z.B. den Herbstapfel `Liberty´, der sogar frei bleibt vom Feuerbrand - und mit Re- beginnende Sorten ohne besondere Resistenzen wie `Red Delicious‘, eine süße Winterapfelsorte mit wenig Säure.

Aber zurück zu meinen drei Lieblingen, die nebst Süße und Aroma eine angenehme Säure mit auf den Teller bringen: Die beiden großen - `Kanada-Renette´ und `Schöner aus Boskoop´ - werden in Österreich und Bayern zu den Lederäpfeln gezählt, da sie eine leicht raue, ledrige Schale haben.

Der „Kronprinzer“ und die Weihnachtsäpfel

Der kleinere, rundliche `Kronprinz Rudolf´ mit seinen roten Backen ist für mich ein klassischer Kinderjausen- und Adventapfel. Entdeckt wurde er als Zufallssämling in der Steiermark. 1873 anlässlich der Wiener Weltausstellung der Öffentlichkeit präsentiert, erhielt er zu Ehren des damaligen österreichischen Thronfolgers seinen Namen.

Als Weihnachtsapfel geht er von Größe und Farbe her ebenfalls durch, auch wenn diese Bezeichnung in der Regel für noch tiefer rot gefärbte, kleine, glänzende Winteräpfel verwendet wird wie die `Rote Stern-Renette´ oder den `Purpurroten Cousinot´. Bevor Christbaumschmuck aus Glas aufkam und bezahlbar wurde, dienten solche handlichen Äpfel zur Dekoration von Tannenzweigen oder Weihnachtsbäumen. Sie lieferten angeblich auch die Vorlage für die Christbaumkugeln aus Glas, die wiederum 1847 ein verarmter Glasbläser aus Thüringen erfunden haben soll, weil er sich echte Äpfel nicht leisten konnte. Besonders schön als Advent- und Weihnachtsschmuck machen sich miniaturhafte Zieräpfel, die übrigens auch alle essbar sind.

Kostbare Kanada-Renette

Sie hat noch mehr Namen - wie `Stern-, `Kaiser-, `Weiber- , `Pariser Rambour- oder `Holländische Renette´ - und entstand vermutlich in Frankreich oder England, wo sie 1771 erstmals beschrieben wurde. Es gibt Varietäten dieser Sorte mit unterschiedlichen Farbschattierungen.

Meine Urgroßmutter im Almtal hat ihre `Kanada-Renetten´ einzeln in Seidenpapier gewickelt für die Lagerung, so kostbar, ja fast heilig waren ihr die Früchte...

Foto: Baum der Kanada-Renette auf der GARTENTULLN Anfang November

Ich selbst bin auch zum Fan dieses Apfels geworden. Auf der GARTEN TULLN steht ein äußerst wüchsiger, breit ausladender, stattlicher Baum dieser Sorte. Der nährstoffreiche Auboden kommt ihm offensichtlich entgegen. In den ersten Jahren des Bestehens der ökologischen Gartenschau war sein Wuchs geprägt von einer Unzahl steil und lang nach oben schießender, unverzweigter „Antennen-Triebe“ – ein Indiz für einen zu starken Schnitt im zeitigen Frühjahr, bei dem viele Jungtriebe angeschnitten, also eingekürzt wurden. Erst als die GärtnerInnen dazu übergingen, moderat durch Ableiten auszulichten und dabei die verbleibenden Jungtriebe in ihrer ganzen Länge zu belassen, kam der Baum zur Ruhe und trägt mittlerweile reichlich Früchte von enormer Größe und flach-kegeliger Form. Ihre Haut ist trocken und rau, mit grüngelber Grundfarbe und braun berosteten Pünktchen - den Lentizellen. Das hellgelbe Fruchtfleisch ist aromatisch und wird mit zunehmender Lagerung mürbe.

`Schöner aus Boskoop´ – ideal als Bratapfel

Der `Boskoop´ ist seit 1856 bekannt und stammt aus den Niederlanden. Er zählt ebenfalls zu den Renetten, entwickelt starkwüchsige, weit ausladende Kronen, bevorzugt schwere, feuchte und kalkhaltige Böden und hat sich als robust gegen Feuerbrand erwiesen.

Als triploide Sorte ist er nicht zur Befruchtung für andere Apfelbäume geeignet. Äpfel benötigen ja bekanntlich eine zweite Sorte für die Befruchtung, wählt man den `Boskoop´ braucht man drei Sorten. Außerdem neigt er zur Alternanz. Das heißt, Jahre mit starkem Fruchtbehang lösen sich mit Jahren fast ohne Früchte ab. Damit sind aber auch schon alle Nachteile dieser Sorte genannt, die mit ihren großen, säurebetonten Früchten vielfältig verwendbar und hervorragend fürs Kochen und Backen geeignet ist.

Es gäbe noch viele andere wunderbare Winteräpfel. Ich darf Liebhaber*innen alter Obstsorten an dieser Stelle auf eine Auswahlhilfe des Vereins Arche Noah verweisen unter www.meineobstsorte.at. Dann stellt sich natürlich noch die Frage der Baumgröße, die von der Veredelungsunterlage bestimmt wird. Aber das ist ein anderes Thema. Und wenn sie einmal reichlich tragen und ein kühles Lager vorhanden ist, kann das unsere Gesundheit lange fördern, denn: „An apple a day keeps the doctor away.“

Fotos: Natur im Garten (Leithner, Beneš-Oeller, Brocks), Pixabay

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