Tu es

Weihnachtskaktus, Amaryllis & Co.

Wie kommen sie wieder zur Blüte?

 

Es gibt zahlreiche Zimmerpflanzen, die im Winter blühen. Einige können leicht wieder zur Blüte gebracht werden. Andere nur mit einigem Aufwand. Zwei Faktoren sind hier wichtig: Temperatur und Licht. Beim Licht ist da einmal die Beleuchtungsstärke zu nennen, also die Lichtmenge, die im Moment das Blattgrün erreicht. Die soll möglichst hoch sein – nicht zu hoch, aber das ist in der Praxis so gut wie nicht erreichbar. Viel wichtiger noch ist die Beleuchtungsdauer. Da unterscheiden wir Kurztags- und Langtagsblüher sowie indifferente Arten. Kurztagsblüher setzen nur bei einer täglichen Beleuchtungsdauer von unter 12 Stunden (manche Arten noch deutlich weniger) Blüten an. Es geht hier nur um das Ansetzen der Blütenknospen. Das Flammende Kätchen (Kalanchoe blossfeldiana) etwa kann bei kühler Überwinterung um 5 °C Knospen ansetzen, die erst im Frühling zu sichtbarer Größe heranwachsen und im Sommer aufblühen. Der Weihnachtsstern blüht bei normalen Zimmertemperaturen auch erst im Frühling. Wichtig dafür ist aber, dass die Pflanzen in Räumen stehen, in denen morgens und abends kein Licht aufgedreht wird. Die Kurztagsbedingungen müssen je nach Art und Temperatur eine gewisse Mindestzeit einwirken, damit der Vorgang der Knospenbildung abgeschlossen werden kann. Die roten Hochblätter des Weihnachtssterns werden überhaupt nur bei Kurztag gebildet. Bei Langtag entwickeln sich zwar die Blütenknospen weiter, heranwachsende Hochblätter werden aber meist grün. Durch züchterische Leistung konnte dieser Nachteil bei modernen Sorten aber mehr oder weniger beseitigt werden.

 

Viel Licht in kurzer Zeit benötigt das Flammende Kätchen

 

Der Faktor Temperatur wird ebenfalls häufig vernachlässigt. Noch in meiner Kindheit war es klar, dass man in der Nacht nicht so stark heizte wie am Tag. Die Thermostate ermöglichten eine Tag- und eine Nachteinstellung.  Heute wird häufig durchgeheizt. Moderne Thermostatventile ermöglichen keine automatische Tag-/Nachtregulierung mehr. Was für uns ungesund ist und Pflanzen das Leben noch mehr erschwert. Und schließlich können viele klassische Zimmerpflanzen in modernen Wohnungen aufgrund zu hoher Temperaturen nicht mehr überleben. Zimmerazalee, Schusterpalme und Zimmeraralie sind heutzutage nur als Freilandpflanzen langlebig und in Tallagen winterhart. Bei einigen Arten verhindern hohe Temperaturen nur die Blütenbildung. Weihnachtskakteen sind zwar auch Kurztagsblüher, benötigen aber zumindest nachts Temperaturen unter 22 °C und tagsüber sollten die Temperaturen 22 °C nicht allzu sehr überschreiten. Für einen Klon einer der Ausgangsarten unserer Kulturformen, Schlumbergera truncata, gibt es gute Untersuchungen über die Abhängigkeit von Temperatur und Tageslänge. Bereits 6 Tage bei 16 °C und 8 Stunden Beleuchtungsdauer pro Tag reichen aus, um Blühknospenbildung auszulösen. Aber erst nach 8 Tagen unter diesen Bedingungen ist die Knospenbildung auch durch Langtagsbedingungen bei 20 °C nicht mehr umkehrbar. Nach 19 Tagen sind die Knospen mit freiem Auge sichtbar. Unter 13 °C erfolgt keine Blütenbildung. Dennoch gilt oberhalb der 13 °C: je kühler der Standort, desto länger können die Tage sein, je wärmer, desto kürzer müssen sie sein. Ab 25 °C erfolgt meist keine Blütenbildung mehr. Trockenheit führt meist zum Verlust der Knospen. Bei Temperaturen über 20 °C neigen Weihnachtskakteen dazu, ihre Blüten und Knospen abzuwerfen, wenn sie so umgestellt werden, dass das Licht von einer anderen Richtung kommt. Weihnachtskakteen werden wie Kalanchoen nur mäßig gedüngt.

 

Weihnachtskakteen haben besondere Ansprüche

 

Orchideen der Gattung Cymbidium (Kahnorchidee) benötigen neben Kurztag zumindest kalte Nächte zur Blütenbildung. Sogar die wärmeliebenden Zwergcymbidien sind bei Nachttemperaturen über 16 °C nicht zur Blüte zu bringen. Unterschiedlich ist es bei der Orchideengattung Dendrobium.  Dendrobien der Dendrobium-phalaenopsis-Gruppe (mit langen Blütentrauben an den Spitzen der Stängelknollen) sind wie ihr Namensvorbild, die Malaienblume oder Nachtfalterorchidee (Phalaenopsis) wärmeliebend und sollten keinesfalls Nachttemperaturen unter 16 °C ausgesetzt werden (tagsüber ab 18 °C, Malaienblumen ab 20 °C). Die Sorten der Dendrobium-nobile-Gruppe (mit Blüten in den Blattachseln der Stängelknollen) benötigen hingegen kühle Kurztagsbedingungen zur Blütebildung. Sie können durchaus bei 5 °C überwintern, sind aber auch mit Nachttemperaturen bis 16 °C und etwas höheren Tagtemperaturen einfach zur Blüte zu bringen. Je nachdem, welche weiteren Dendrobiumarten eingekreuzt sind, können auch wärmere Temperaturen oder Langtag Blütenansatz nicht unterbinden. Blühend kann man die Pflanzen wie auch Cymbidien durchaus ins warme Zimmer stellen. Dendrobien mögen übrigens im Gegensatz zu vielen anderen Zimmerorchideen Sonne. Cymbidien sind Starkzehrerer, die starke Düngung brauchen, Dendrobien Mittelzehrer.

 

Cymbidien und Weihnachtskakteen mögen's eher kühl

 

„Saures“ Laub - etwa von Nussbaum, Eiche, Birke, Buche, Maroni und insbesondere die Nadeln von Fichte und Kiefer – brauchen am längsten zur Kompostreife, zumindest ein Jahr. Dafür kann man daraus torffreie Moorbeeterde gewinnen, zum Beispiel für Heidelbeeren.

Häckselt man Rosskastanienlaub möglichst fein und kompostiert es, trägt das übrigens dazu bei, die Miniermotte zu dezimieren, die ansonsten verpuppt in Laubschichten am Boden überwintert.

Für eine gute Rotte ist ein ausgewogenes Verhältnis von kohlenstoffhältigen strohig-holzigen Materialien zu stickstofflastigem weichem Material wie Küchenabfällen vorteilhaft. Deshalb kann man gesammeltes Laub auch als Kohlenstoff-Vorrat sammeln und bei Bedarf im Winter mit Küchenabfällen mischen.

 

 

 

Kühle Nächte und volle Sonne am Tag sind ideal für Dendrobium-Nobile-Hybriden

 

Vom Ritterstern (Hippeastrum), gemeinhin Amaryllis genannt, wird behauptet, man müsse ihn einziehen lassen, damit er wieder blühe. Das ist nicht richtig. Man kann ihn einziehen lassen. Für die Blütenbildung ist das unwesentlich. Für die Blütenbildung ist es wichtig, dass die Pflanze mindestens acht Wochen bei Temperaturen von maximal 18 °C verbringt – eingezogen, einfach trocken gehalten oder auch nur weniger gegossen. Man kann die Amaryllis also auch so wie Clivien ziehen, die ebenfalls Temperaturen von maximal 18 °C zur Blütenbildung benötigen. Bei Clivien darf die Temperatur auch auf 5 °C absinken, beim Ritterstern sollte sie 12 °C nicht länger unterschreiten. Clivien sind auch Kurztagsblüher, Hippeastrum ist die Tageslänge egal. Im Sommerhalbjahr lieben Amaryllis stärkere Düngung, Clivien werden ganzjährig mittelmäßig gedüngt.

 

Rittersterne wie Hippeastrum ‚Fairitale‘ blühen 8 Wochen nach Beendigung der Ruhezeit.

 

Schließlich sei noch das Zimmer-Alpenveilchen (Cyclamen persicum) genannt. Es ist ebenfalls nicht allzu sehr von der Tageslänge zu beindrucken. Aber bei Temperaturen von 20 °C und mehr hat es Ruhezeit und kann dabei durchaus auch alle Blätter verlieren. Es sollte dann relativ trocken gehalten werden. 10-15 °C sind ideale Wachstumstemperaturen, 1-20 °C ok. Außerdem sollte die Knolle am besten zur Hälfte aus dem Substrat herausschauen, da sie im Topf sonst leicht verfault. Überhaupt sollten Zwiebel- und Knollenpflanzen nur in Tontöpfen kultiviert werden. Die wenigsten überleben Plastiktöpfe. Gut gepflegte Zyklamen können durchaus 50 Jahre alt werden. In der Wachstumszeit, also im Winterhalbjahr, wird mittelmäßig gedüngt.

 

Zimmerazaleen kommen in Tallagen im Freiland besser zurecht als im überheizten Zimmer

 

Günstig ist es also für viele Winter- und Frühlingsblüher unter den Zimmerpflanzen, die letzten frostfreien Tage und Nächte noch im Freien zu verbringen.  Und schließlich noch etwas: Zimmerpflanzen muss man düngen! Zur Freude der Händler tut das kaum jemand. Viele Zimmerpflanzen leiden sichtbar unter Nährstoffmangel. Dennoch blühen sie. Das nennt man Notblüte. Freunde hatten eine wunderschön blühende Hoya bella. Die Blätter waren schon mehr gelb als grün. Auf den massiven Stickstoffmangel angesprochen meinten sie, Düngen wäre nicht nötig, schließlich wüchse sie schon viele Jahre ohne Düngung im selben Topf… Müßig zu sagen, dass die Pflanze heute nicht mehr lebt. Und Pflanzen, die im Winter wachsen, müssen auch im Winter gedüngt werden. Nicht zu stark, aber doch. Organische Dünger für Zimmerpflanzen sollten auf rein pflanzlicher Basis sein und nach Möglichkeit fermentiert, damit es keine Geruchsentwicklung gibt.

 

Auch der Geldbaum benötigt, wie viele südafrikanische Sukkulenten, Kurztagsbedingungen, um Blüten anzusetzen.

 

 

Pflanze
Kurztag
optimaler Temperaturbereich

 

 

   
Amaryllis egal Ruhezeit 12-18 C
     
Azalee + 0-18 C
     
Brunfelsie + 10-15 C im Herbst, spätestens ab Jahreswechsel wieder über 20 C
     
Clivie + 10-18 C
     
Dendrobium-Nobile-Hybriden + 5-22 C, Nachtabsenkung auf max 16 C
     
Geldbaum + 10-15 C mit Nachtabsenkung
     
Kahnorchidee + 5-18 C, Nachtabsenkung auf max 16 C
     
Kalanchoe, alle Arten (Flammendes Kätchen, Brutblatt und andere) + 5-25 C
     
Weihnachtskaktus + 15-20 C
     
Weihnachtsstern + 18-24 C
     
Zyklamen weitgehend egal 10-15 C

 

 

 

Fotos: Dietrich

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