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Wasserqualität

und Algen

 

Die meisten Teichbesitzer kennen das Problem: Irgendwann bilden sich Algenwatten oder das Wasser ist grün. Oder sonderbar riechender „Schlamm“ steigt plötzlich vom Grund nach oben. All das wird von Algen verursacht. Das hat zur Folge, dass viele Menschen prinzipiell etwas gegen Algen haben. Aber gleich vorweg: ein Gewässer ohne Algen ist tot. Überall wo Wasser und Natur zusammenkommen, gibt es Algen. Algen sind die Basis jedes Lebens im Teich. Wenn aber etwas entgleist im Teich, dann sind die Algen die ersten, die das durch Massenvermehrung anzeigen.

 

Natürliche Kreisläufe

 

In stehenden Gewässern, wie es ein Teich sein sollte, gibt es drei Orte, wo man Nährstoffe finden kann: im Wasser gelöst, in Lebewesen (Pflanzen, Tiere) gebunden und im mineralischen Schlamm. Schlamm fehlt in Fließgewässern. Dort müssen die Pflanzen die Nährstoffe dem Wasser entnehmen, oder sie wachsen an Stellen, an denen das Wasser nicht oder kaum strömt und Schlammbildung möglich ist.

Tote Pflanzenteile und Tiere nennt man Detritus. Der zerfällt zu Mulm – das Äquivalent zu Humus an Land. Mulm und Tonmineralien verbinden sich zu Schlamm, wie Humus und Tonmineralien zu Ton-Humus-Komplexen im Boden. Bei Wasserpflanzen gibt es zwei Ernährungsweisen: Hydrophyten (Hornblatt, Tausendblatt) entnehmen Nährstoffe vorwiegend über ihre Blatter direkt dem Wasser, Helophyten (Seerosen, Sumpfpflanzen) haben ein ausgedehntes Wurzelsystem und entnehmen die Nährstoffe dem Schlamm. Solange Nährstoffe in Schlamm oder Lebewesen gebunden sind und die gelösten Nährstoffe rasch umgesetzt werden, gibt es kein Algenproblem. Wenn das System an irgendeinem Ende stockt, dann leisten die Algen als einzige die Aufgabe der Nährstofffixierung und vermehren sich übermäßig.

 

Wasserwerte messen?

 

Aus dem Grund ist die Messung von Wasserwerten wenig aussagekräftig. Nachweis von Phosphat, Nitrit oder zu viel Nitrat gibt es erst, wenn schon gewaltig was aus dem Ruder läuft. Meist wird man trotz Algenproblems keine schlechten Wasserwerte haben. Die Algen tun ja das, was eigentlich nicht nur sie alleine machen sollten, und entziehem dem Wasser die Nährstoffe.

 

Nährstoffeintrag

 

Es gibt zwei Möglichkeiten, warum das System gestört ist. Entweder ein Problem im System oder ein Problem von außen. Schauen wir uns zuerst mal die Probleme von außen an. Bzw. das Problem, denn es gibt nur eines: Nährstoffeintrag. Früher hat man mit nährstoffreicher Gartenerde oft zu viele Nährstoffe für den Tonanteil eingebracht. Die gelösten Nährstoffe haben von Anfang an zu Problemen geführt. Algen wachsen rasch, die höheren Pflanzen konnten sich nicht rasch genug einwurzeln und wurden überwachsen. Bis das System in unserem Sinn funktioniert dauert es so ein paar Jahre. Große Probleme verursachen der Nährstoffeintrag durch Fischfutter und Einschwemmungen von Oberflächenwasser etwa bei Starkregen. Der gefürchtete Nährstoffeintrag durch Herbstlaub ist meist der sprichwörtlich Lercherlschas dagegen. Dennoch ist es natürlich nützlich, Laubeintrag durch im Herbst über den Teich gespannte Netze zu unterbinden. Wichtiger ist es, dass der Teichrand etwa 10 cm über Umgebungsniveau ist. Die Einleitung von Dachwasser ist dagegen in funktionierenden Teichen eher selten problematisch. Fische sollten nur in einer Dichte im Teich sein, die sie ohne Zusatzfütterung auskommen lässt.

 

Kreislaufprobleme

 

Die häufigsten Probleme im Stoffkreislauf sind das Fehlen von Tonmineralien, mangelndes Wachstum von Wasserpflanzen und der Einsatz von Technik. Jede Wasserbewegung durch Pumpen oder gar Filter zerstört Plankton. In der Nährstofffixierung ist Plankton die Nummer eins. Schwebealgen vermehren sich und werden von Wasserfloh & Co gefressen. Pumpen, Filter, Bachläufe, Fontänen und Fische vernichten Plankton. In Fließwasser gibt es kein Plankton, im Fall des Teiches mit Pumpe können Schwebealgen überleben, so kein Filter dabei ist, das Zooplankton wird in der Pumpe geschreddert.

Zu starke Wasserbewegung, etwa Fontänen, Wasserfälle, aber mitunter schon Bachläufe, führen dazu, dass dem Wasser Kohlendioxyd entweicht. Das ist aber die Basis jeden pflanzlichen Lebens. In der Luft ist genug davon. Im Wasser reicht der CO2-Gehalt gelöster Luft nicht aus – vorwiegend ist ja Wasser da. Das Verhältnis von Kohlendioxyd zu Stickstoff und Sauerstoff muss im Wasser deutlich in Richtung CO2 verschoben sein. Das wird durch die atmende Tierwelt und reduzierende Bakterien gewährleistet – solange der Gasaustausch mit der Luft auf ein Minimum reduziert ist. Kohlendioxyd kann aber auch in Form gelösten Kalks im Wasser sein. Algen können den Kalk ausfällen, indem sie ihm das CO2 entziehen. Manche höheren Wasserpflanzen können das auch, aber weitaus weniger effizient. Daher bevorzugt CO2-Mangel Algen. CO2-Mangel entsteht aber auch, wenn in der Sonne das gesamte Kohlendioxyd verbraucht wird. Vor allem in Verbindung mit Fischen und Filtern, also ohne Zooplankton, das für ausreichend Kohlendioxyd sorgt, kann Sonne daher zum Problem werden. Und auch durch die Erwärmung des Wassers kann sie das: Wasserpflanzen haben bestimmte Vorzugstemperaturen. Wird es zu warm, streiken sie. Und es finden sich  immer Algen als Streikbrecher. Kühlung und Beschattung bieten die Blätter von Schwimmblattpflanzen, die das Wasser auch mittels Verdunstungskälte kühlen.

 

Planungsfehler

 

Ebenfalls Probleme im Nährstoffkreislauf verursachen Planungsfehler. Ist die Sumpfzone zu flach oder zu eben, kommt es zu keinem Wasseraustausch zwischen Sumpfzone und Wasserkörper, dadurch zu Überhitzung, Algenvermehrung und Stagnation im Pflanzenwachstum der Sumpfzone. Sind keine Wasserpflanzen im Teich, also keine Hydrophyten, nur Sumpfpflanzen und Seerosen, so sind die Algen die einzigen, die gelöste Nährstoffe binden können. Wasserpflanzen sind ein Muss für jeden Teich.

Als Reaktion auf das frühere Zuviel an Nährstoffen im Substrat wird seit über 20 Jahren meist nur Sand, Kies und Schotter im Teich verwendet. Ein großer Fehler. Ohne Tonmineralien gibt es keinen Schlamm. Der Detritus wird zu Mulm, der oft mit Schlamm verwechselt wird. Der Mulm bildet eine lockere, mit leicht durchdringbare und aufzuwirbelnde Schicht, die bis zum Zerfall der Bestandteile Nährstoffe an das Wasser abgibt. Im Gegensatz zum Teich mit nährstoffreicher Gartenerde nimmt hier das Problem nicht langsam ab, sondern jährlich zu. Erst durch Tonmineralien bildet sich Schlamm, der Nährstoffe hält, fest und kompakt ist und nicht so leicht verwirbelt. Zwar wachsen viele Sumpfpflanzen auch im groben Material gut, aber ihre Wurzeln sind nicht effizient genug, das Nährstoffniveau des Wassers im Sandlückenraum ausreichend zu senken. Erst aus dem Schlamm können sie die Nährstoffe entziehen. Die nachträgliche Beigabe von Tonmineralien, etwa Bentonit, wie es für Klumpkatzenstreu verwendet wird, kann relativ rasch Abhilfe schaffen. Pflanzen nährstoffarmer Gewässer sind weitaus effizienter in der Nährstoffaufnahme direkt aus dem Wasser, also auch in Sand und Schotter, also solche, die in Schlamm wachsen. Seggen, Wollgräser etc. sind hier die Spitzenreiter. Aber auch die Sumpfschwertlilie ist, obgleich bevorzugt in Schlamm wachsend, effizient. Keinerlei Effizienz haben Schilf und Rohrkolben ohne Schlamm.

 

Filter

 

Oft bedient man sich diverser Filtersysteme. Es gibt mechanisch-biologische Filter und UV-Filter. Letztere haben nur eine Wirkung: Alles Leben im durchfließenden Wasser zu vernichten. Die Algen sterben ab, die Nährstoffe bleiben im Wasser. Ozon entsteht und desinfiziert das Wasser auch noch außerhalb. Klassischer Fall von Symptombekämpfung. So erhält man dann auffällige Wasserwerte ohne Algenwachstum – die Algen verhindert hätten. Mechanisch-biologische Systeme hingegen können sinnvoll sein. Sie verursachen bei unsachgemäßem Einbau oder Betrieb zwar mitunter große Probleme, ermöglichen aber auch Schwimmteiche auf geringem Raum und Massentierhaltung bei Fischen, wie von vielen Teichbesitzern gewünscht. Detritus wird eingesogen und kann bei vielen Systemen entfernt werden (mechanischer Teil). Ein Filtersubstrat sorgt für einen Bakterienfilm, der organische Stoffe aus dem Wasser remineralisiert (biologischer Teil). Darin liegt aber auch ein Problem: Zwar ist kein Mulm vorhanden, es passiert aber dasselbe, was sonst im Mulm passiert. Die Nährstoffe gelangen irgendwann wieder ins Wasser. Oder das Filtersystem erlaubt regelmäßige Reinigung des Filtersubstrats. Oft werden Filter nicht durchgehend betrieben, sondern werden regelmäßig abgedreht. Das Abschalten führt schon innerhalb einer Stunde zu anaeroben Prozessen im Filter (Fäulnis), das Wiederaufdrehen bringt Faulstoffe ins Teichwasser. Wenn der Teich das unbeschadet übersteht, bräuchte man eigentlich keinen Filter. Ohne würde er noch besser funktionieren. Nach jedem Abdrehen muss man daher den Vorlauf von zwei bis drei Filtervolumen aus dem Teich entnehmen oder das Filtersubstrat reinigen, bevor man ihn wieder in Betrieb nimmt. Wer keinen kleinen Schwimmteich und keine Massenfischhaltung hat, ist ohne Filter immer besser dran.

 

Wasserwerte

 

Wer viel misst, misst Mist! Einzig relevant sind die Nährstoffgehalte. Da wird man allerdings auch bei Algenwachstum selten Auffälliges finden, wie schon oben erwähnt, da ja die Algen ihre Arbeit tun dem Wasser Nährstoffe entziehen. Wenn, dann deutet das auf einen unmittelbar erfolgten Nährstoffeintrag oder ein massives Problem hin. Wenn gelöstes Phosphat mit Standardtest ermittelbar ist, ist der Teich eh schon so gut wie gekippt. Lediglich bei UV-Filtern ist das Messen nötig, weil verdorbenes Wasser genauso klar ist wie Trinkwasser.

Häufig halten Teichbesitzer das Messen von Wasserhärte und pH-Wert für nötig. Nun, es wird meist empfohlen, dass das Teichwasser 5-15 ° Karbonathärte haben soll. Karbonathärte ist der Kalkgehalt des Wassers. Ist sie niedriger, gibt es keinen Säurepuffer, der auch für den Kohlendioxydgehalt  wichtig ist. Ist sie höher, leiden die meisten Pflanzen an Kalkvergiftung. Auch der pH-Wert wirkt sich auf das Pflanzenwachstum aus. 6,5-7,5 ist für alle Pflanzen des Standardsortiments passend. Man ist mit den genannten Werten auf der sicheren Seite. Ohne Technik und mit Plankton funktionieren Teiche aber bei einer Karbonathärte von 0-35 ° und einem pH von 5,5-8,5. Für die Bepflanzung und auch bei evtl. gewollten Fischen muss man dann die passenden suchen. Und eigentlich muss man nur die Werte des Befüllungswassers kennen, denn im Teich richtet sich alles von selbst ein. Da hat es keinen Sinn, durch Kalkzugabe gegensteuern zu wollen, weil der Teich genauso reagieren wird, wie nach der Befüllung. Er bestimmt den Kalkgehalt und den pH-Wert selbst, nicht der Teichbesitzer.

 

 

 

Fotos: Dietrich

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