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Samen ernten

Jetzt ist Hochsaison

Es macht nicht nur großes Vergnügen, Saatgut zu ernten, im Frühling wieder anzubauen und dabei den Zyklus vieler Pflanzenleben erleben zu können, es hilft auch Geld zu sparen, schafft Unabhängigkeit und die Möglichkeit, besonders gesunde, kräftige Pflanzen von außergewöhnlichen Sorten zu bewahren. Jetzt ist wieder die beste Zeit dafür…

Einstieg in die Samengärtnerei

Grundvoraussetzung für die Gewinnung fruchtbarer Samen, die auch in Zukunft wieder das gewünschte Gemüse hervorbringen, sind samenfeste Sorten. Im Gegensatz zu Hybridsaatgut (F1 und F2) oder gar gentechnisch veränderten Sorten bringen diese über Generationen hinweg verlässlich Pflanzen annähernd gleicher Qualität hervor. Weiters sollte man die Pflanzen blühen und ihre Früchte mit den darin befindlichen Samen ausreifen lassen. Und drittens sollten sie sich nicht kreuzen können mit unerwünschtem Erbgut. An dieser Stelle Alles Gute zum 200. Geburtstag an Gregor Mendel, der sich bekanntermaßen mit Erbsen beschäftigte.

Erste Wahl - selbstbestäubt in dieser Saison

Ideale Einsteigerpflanzen für die Samengewinnung sind neben Hülsenfrüchten wie Erbsen und Bohnen aber auch Salate und Paradeiser. Sie blühen und fruchten alle innerhalb einer Saison. Als Selbstbefruchter kommt es hier auch nur im Ausnahmefall zu Verkreuzungen. Lediglich große Fleischtomaten können über die Jahre immer kleiner werden, weil ihre Blüte so gebaut ist, dass eine Fremdbestäubung mit dem Pollen kleinerer Tomatensorten leichter möglich ist.

Auch einjährige Kräuter wie Koriander und Kerbel sind immer wieder einfach weiter zu vermehren oder essbare Blüten wie Kosmea, Ringelblume und Co. - Ihre reifen, trockenen Samen kann man einfach abnehmen und direkt in ein beschriftetes Papiersackerl sammeln.

Beim Salat sollte man die Samen nur von jenen Pflanzen ernten, die üppig in die Breite wachsen und erst spät zu schießen beginnen. Diese Eigenschaft will man schließlich erhalten für eine möglichst lange Ernte. Damit die Samenstände nicht nass werden, kann man bei sehr feuchter Witterung nach der Blüte bzw. vor der Samenernte einen Regenschirm über die Pflanzen spannen.

Schießende und blühende Salate

Bei Paradeisern dagegen sollte man gleich die erste schöne, vollreife Frucht von der gesündesten Pflanze verwenden, um ihr die Samen zu entnehmen – für einen garantiert Kraut- und Braunfäule-freien Start in die nächste Saison. Auch hier kann ein Regenschirm oder –dach gute Dienste leisten. Nicht nur für die Samengewinnung, sondern für die Pflanzen, die weiter am Beet stehen bleiben, damit auch in dieser Saison der genannte Pilzbefall möglichst lang auf sich warten lässt, weil das Kraut nicht nass wird.

Was machen die Regenschirme im Gemüsegarten?

Auch wenn bei Gurken und Paradeisern eine Gärung der Samen die Keimfähigkeit erhöht, weil dabei die keimhemmende Schicht aufgelöst wird, habe ich gute Erfahrungen mit einer einfacheren Methode gemacht: nämlich das Fruchtfleisch abzulutschen und die weitgehend davon befreiten Samen auf Küchen- oder Toilettenpapier aufzubringen.

Sie kleben im feuchten Zustand ohne weiteres daran fest und man kann sie auch direkt beschriften. Verteilt man sie gleich mit entsprechenden Abständen, kann das Toilettenpapier im nächsten Frühjahr mit den Samen nach unten direkt auf eine mit Anzuchterde gefüllte Saatschale gelegt werden. Gut benetzt und bei entsprechender Temperatur durchstoßen die entstehenden Keimlinge die zerfallende Papierschicht ganz leicht.

Auch Kaffeefilter haben sich für die Samentrocknung und -Aufbewahrung auf einer gespannten Leine auch wegen der einfachen Beschriftung bestens bewährt.

Ein- oder zweijährig?

Zwiebel, Karotte, Kohlarten, Mangold und rote Rübe, aber auch das beliebte Würzkraut Petersilie müssen in der Regel einmal überwintern, um zu blühen. Sie haben also einen zweijährigen Lebenszyklus, auch wenn einzelne Pflanzen bisweilen schon im ersten Jahr vorzeitig in Blüte gehen, wenn die Jungpflanzen nach einem warmen Frühling beispielsweise eine Kälteperiode erleben. Wird es nach so einer vorübergehenden Kaltzeit anschließend warm oder gar heiß und trocken, scheinen sie zu glauben, der nächste Winter sei gerade vorüber, oder sie versuchen sich in ihrem Stress schleunigst zu vermehren, bevor es mit ihnen selbst vorübergeht.

Karottenblüte

So schön sie auch sind, sollten die Samen solcher bereits in der Saison ihrer Ansaat blühender „Stress-Exemplare“ nicht weiter angebaut werden. Denn bei diesen Gemüsearten wünschen wir uns, dass sie im ersten Jahr in aller Ruhe üppiges Kraut oder Rüben und erst im zweiten Jahr Blüten und Samen produzieren.

Achtung – Verkreuzungsgefahr

Wildkarotten und Gartenkarotten gehören derselben Art an und können sich miteinander kreuzen, wenn sie nebeneinander blühen. Dasselbe trifft auf Mangold und Rote Rübe zu.

Verschiedene Sorten derselben Art können sich grundsätzlich kreuzen, wenn sie fremdbestäubt werden. Um eine Verkreuzung zu verhindern, kann man – zum Beispiel bei Chilis - Vliessäcke über die Pflanzen stülpen oder feinmaschige Netze um sie drapieren. Chilis sind zwar grundsätzlich Selbstbefruchter, lassen als potentielle Fremdbefruchter aber auch eine Fremdbestäubung über Insekten zu.

Profis verwenden Isoliertunnel aus einem feinmaschigen Netz, in dem gleich mehrere Pflanzen derselben Art vereint blühen. Für die Bestäubung in den Tunnels sorgen entweder die Gärtner*innen selbst oder Hummeln, die sich im Gegensatz zur Honigbiene durch das abgeschiedene Leben darin nicht irritieren lassen.

Im Hintergrund Isoliertunnel bei der Arche Noah, 2011

Kürbisse und Gurken aller Art besitzen weibliche und männliche Blüten und sind dadurch prädestiniert für die Fremdbestäubung durch Insekten.

Im Bild oben Gurken- und Zucchinipflanzen. Die weiblichen Blüten sind erkennbar am verdickten Stiel unter der Blütenkrone - als Mini-Frucht, die männlichen haben nur einfache, dünne Stiele. Besonders reichlich setzen sie Früchte an (und behalten sie auch), wenn sie mit dem Pollen einer zweiten Pflanze bestäubt wurden. Und wenn diese zweite Pflanze ein giftiger, bitterer Zierkürbis ist, macht sich das eine Generation später aber leider bemerkbar. Die gute Nachricht: nur Kürbisse derselben Art verkreuzen sich. Die giftige Bitterkeit kann den Gewöhnlichen Kürbis (Cucurbita pepo) betreffen, zu dem Zucchini, Ölkürbis, Patisson- oder Ufo-, Acorn-, Spaghetti- und manche Zierkürbisse zählen, nicht aber Hokkaido oder Butternuss, beide mit Schale verkochbar. Sie gehören anderen Arten an, nämlich den Arten Riesenkürbis (Cucurbita maxima) und Moschuskürbis (Cucurbita moschata), was für mich einigermaßen beruhigend ist.

Auch Spinat und Mais besitzen männliche und weibliche Blüten. Nebeneinander blühende unterschiedliche Sorten können sich daher durch Fremdbefruchtung leicht verkreuzen.

Ernten wenn es raschelt

Generell werden die Samen – außer bei saftigem Fruchtgemüse – erst abgenommen, wenn sie schon trocken oder annähernd trocken an der oft ebenso bereits dürren Pflanze hängen oder in allerlei Hüllen, Hülsen und Schoten stecken, sprichwörtlich kurz bevor sie aus- oder abfallen – und dann am besten gleich in einen Stoffsack oder eine große Schüssel, die man so unterhält, dass nichts von der kostbaren Fracht auf die Erde trifft.

Manche Arten werden am besten schon geschnitten, wenn ein Drittel bis die Hälfte der Samen reif sind und beispielsweise kopfüber in ein Gefäß hängend nachgetrocknet – bei Temperaturen unter 40°C und nicht in der Sonne, damit die Keimfähigkeit erhalten bleibt. Dann werden die Samen abgeschüttelt, Schoten oder Hülsen geknackt oder bei Bedarf – am besten ebenfalls im Stoffsack - gedroschen.

Scharfe Sache

Chilifrüchte werden für die Samenernte aufgeschnitten und die Samen ausgelöst. Wenn diese getrocknet sind, können die verbliebenen Fruchtfleisch- und Schalenreste in einem Sieb - vorzugsweise im Freien - abgerieben werden. Dabei trägt man bei den schärfsten Sorten (z.B. Schärfegrad auf der Scoville Skala von 8 bis 10) am besten Nitril-Handschuhe, weil selbst Latex-Handschuhe die Schärfe durchlassen könnten.  

Aufbewahrung

Wenn die Samen gut durchgetrocknet sind, werden sie in Papiersackerl oder Kuverts gefüllt, beschriftet und in einem dichten Behälter mäuse- und mottensicher, kühl und dunkel aufbewahrt. Verschiedene Samen sind unterschiedlich lange haltbar, die von Fruchtgemüsen meist mehrere Jahre.

Wer sich weiter in die Thematik vertiefen möchte, dem empfehle ich das “Handbuch Samengärtnerei“ von Andrea Heistinger. Interessante Infos findet man auch unter https://www.diyseeds.org, z.B. https://www.diyseeds.org/wp-content/plugins/diyseeds/export/de/voicecode/salat.pdf.

Also am besten gleich starten mit der Selektion! Und: Probieren geht über Studieren…

Ein Video dazu finden Sie hier.

Fotos: „Natur im Garten“, Beneš-Oeller, Leithner

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