Tu es

Obstbaumschutz im Winter

Stammanstrich & Co

 

Der Winter ist die Zeit der Ruhe. Die weichen weißen Schichten scheinen nicht nur den Schall zu schlucken, sie isolieren und schützen auch vor Kälte. Fällt aber einmal sehr viel Schnee auf einmal und läßt sich schwer und patzig in dicken Schichten auf den Zweigen nieder, empfiehlt es sich diesen möglichst umgehend abzuschütteln, um die Bruchgefahr zu mindern.

Besonders kalte Winter unterstützen uns beim Pflanzenschutz, indem so mancher Schädling sein Leben in klirrender Kälte aushaucht. Andererseits treibt es dann das Wild aus der Landschaft in die Gärten auf der Suche nach schmackhaften Knospen oder Rinde. Dagegen hilft ein Wildschutzzaun oder eine Stamm-Ummantelung aus Maschendraht, Lattenmanschetten, Schilfmatten oder Spiralelementen aus dem Handel – angebracht am besten schon vor dem ersten Schnee. Frischer Gehölzschnitt als Hasenfutter lenkt die Tiere von den Gehölzen ab. Alternativ gibt es abschreckende Anstriche, sogenannte Repellents, die für das Wild übel riechen und schmecken. Für den Anstrich sind aber Plusgrade eine Voraussetzung, damit dieser antrocknen kann und gut bindet.

 

 

Auch ein Kalkanstrich an Stamm und Leitästen wird besser schon gleich nach dem Laubfall aufgepinselt. Oder man nutzt einen milden Wintertag dafür. Bei älteren Bäumen wird der Stamm vorher mit einer Reis- oder Drahtbürste abgebürstet, um ihn von Flechten, Moosen und loser Rinde zu reinigen. Viele Rezepte enthalten pflegende oder düngende Zusätze wie Pflanzenextrakte, Rinderdung und Lehm. Oder man verwendet einfach nur Sumpfkalk.

Ein solch heller Anstrich schützt nicht nur vor Frostrissen, die entstehen, wenn sich der dunkle Stamm einseitig in der Wintersonne aufheizt, während die andere Seite eiskalt bleibt. Der Stamm wird dadurch auch geglättet und damit einige Überwinterungsmöglichkeiten für Schadinsekten versiegelt. Zum Beispiel die Raupen der Apfelwickler (Cydia pomonella) oder Pflaumenwickler (Grapholita funebrana) finden so zumindest am Stamm keine passenden Rindenritzen. Hier könnten sie sich ansonsten verpuppen, um nach der Blüte zu schlüpfen und ihre Eier nahe der noch ganz kleinen Früchte abzulegen. Wenn dann der Wurm drin ist, fallen Äpfel oder Zwetschken vorzeitig ab und enthalten mit Kot verunreinigte Fraßgänge mit weißen Larven.

 

Die Frostspanner (Operophtera brumata) hingegen verpuppen sich im Boden und schlüpfen von etwa Anfang Oktober bis Dezember. Da das Weibchen dieses braungrauen mottenähnlichen Kleinschmetterlings – anders als das Männchen - keine Flügel besitzt, muss es für die Eiablage über den Stamm in die Baumkrone krabbeln, um seine Eier in Rindenvertiefungen abzulegen. Die Leimringe, die das verhindern sollen, sollten im Jänner oder Februar wieder entfernt und verbrannt werden, denn zu dieser Zeit dürften auch die letzten der Falter aus dem Boden geschlüpft sein und ihre Eier in der Baumkrone oder auf dem Leim zurückgelassen haben.

 

 

Hat jemand dennoch ab dem Austrieb ein Problem mit den kleinen Raupen Nimmersatt, die in einem Spannerjahr durchaus ganze Bäume kahlfressen können, dann bleibt immerhin noch Zeit, ab März die Hühner auf sie zu hetzen und Vögel im Garten zu fördern - zum Beispiel durch die Anbringung von Nistkästen. Gerade in der Brutzeit machen sie sich über eine große Menge Insekten in jedweder Form her. Die frischgeschlüpften Raupen lassen sich an Fäden, die sie selbst spinnen, mit dem Wind verdriften. Und auch bei Gefahr und nachdem sie ihr Werk vollbracht haben – etwa im Juni – schweben sie an ebensolchen Fäden zu Boden, um sich dort zu verpuppen.

 

 

Fruchtmumien sollten möglichst schnell aus dem Baum entfernt werden und keinesfalls über den Winter am Baum verbleiben. Innerhalb weniger Wochen wandert sonst die Monilia oder Blütenendfäule – erkennbar an konzentrischen Schimmelmustern auf fauligen Früchten - ins Holz hinein. Wer erst jetzt dazu kommt, schneidet am besten den Triebabschnitt hinter der befallenen Frucht bis zur nächsten Verzweigung zurück.

Überhaupt kann ab sofort an frostfreien Tagen der Kernobstschnitt – vor allem an weniger wüchsigen, älteren Apfel- und Birnbäumen - starten. Zwischendurch bleibt Gelegenheit, das Schnittwerkzeug zu warten und zu desinfizieren. Insbesondere wer in fremden Gärten zur Hand geht, sollte die Schneid des Werkzeuges vorher für mindestens fünf Minuten in 70%igen Alkohol einlegen oder mehrfach mit einem handelsüblichen Desinfektionsmittel einsprühen.

 

Der Pfirsichkräuselkrankheit vorbeugen

 

Der Pilz Taphrina deformans überdauert den Winter als Pilzgeflecht (Myzel) auf den Zweigen und Knospenschuppen von Pfirsichbäumen. Wenn ab Ende Jänner bzw. im Februar die Temperaturen über 10 Grad Celsius steigen, können Pilzsporen in die sich gerade öffnenden Knospen hineingespült werden und infizieren das dort schlummernde Laub. Wenn es in dieser Zeit also viel Niederschlag gibt, zeigen sich später blasig deformierte, rötlich verfärbte Blätter. Steigen die Temperaturen über 16 Grad ist die Infektionsgefahr wieder vorbei. Je haariger die Frucht – etwa der Sorten „Kernechter vom Vorgebirge“ oder Weingartenpfirsich - desto weniger anfällig ist der Baum, heißt eine Faustregel. Und weißfleischige Sorten sind besser gewappnet als gelbfleischige. Wer Pfirsich oder Nektarine als Spalier an einer geschützten Hauswand unter einem Dachvorsprung oder im Topf zieht und sie überwintert, wo der Regen gar nicht erst ankommt, hat schon vorgebeugt. Auch ein vollsonniger warmer Standort mit ausreichend Luftbewegung ist günstig.

Bekämpfen könnte man den Pilz gerade in der heiklen Phase ab Ende Jänner und im Februar durch Kupferspritzungen. Allerdings ist Kupfer auch für viele Bodenlebewesen tödlich. Naturgärtner*innen empfehlen stattdessen mehrere Kupferrohrstücke in den Boden der Baumscheibe zu schlagen oder die Veränderung des pH-Wertes auf den Zweigen durch Spritzungen mit Essigwasser, um dem Pilz das Umfeld unbehaglicher zu gestalten. Die Mischung aus gleichen Teilen Apfelessig und Wasser sollte ausgebracht werden, bevor die Temperaturen +10°C erreichen und die Knospen sich öffnen – je nach Lage etwa Ende Jänner und Mitte Februar. Knoblauchbrühe mit ihren wirksamen Schwefelverbindungen kann die Kupferspritzung ebenfalls ersetzen und wird sogar von Erwerbsobstbauern erfolgreich angewandt, überhaupt wenn sie gleichzeitig auch Knoblauchkulturen bewirtschaften und somit alle notwendigen Rohstoffe in ausreichender Menge selbst produzieren.

Prinzipiell ist im Naturgarten Vorbeugen besser als Heilen. Das beginnt bei der Pflanzen- und Sortenauswahl, dem optimalen Standort und Boden, genügend Platz, Luft und Licht und der fachgerechten Pflanzung. Im März und April ist wieder die beste Zeit für diesen Einsatz. - Dann können Gehölze auch wurzelnackt gepflanzt werden für einen guten Start ins Obstbaumleben.

 

 

 

Fotos: Dietrich, Mayrhofer, Brocks, Leithner, pixabay

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