Tu es

Machen Sie Pflanzen stark

Worauf Gartenalchemisten schwören

 

Als die Römer laut Comics-Geschichtsschreibung von Miraculix, Asterix´ Gefährten, verlangen den legendären Zaubertrank zu brauen, sammelt er dafür Misteln, gehaltvolle Wurzeln und Kräuter. Daneben verlangt er nach Salz und Pfeffer sowie Erdbeeren. Ob er letzterer wirklich bedarf oder sie nur als geschmackliche Abrundung dienen, bleibt ein offenes Geheimnis.

Ganz nach dem Vorsatz: Vorbeugen ist besser als Heilen, darf so auch in Ihrer „Hausapotheke“ zur Stärkung, Kräftigung und Düngung Ihrer Gartenschätze manch kostbares Kraut nicht fehlen.

Solcherart „Zaubertrank“ gilt es auch im Garten zu nutzen, ob als selbst hergestellte Brühe, Jauche, kalter Auszug oder als Pflanzentee. Gemeinsam mit organischem Dünger wie Kompost wirken sie alle nachhaltiger als chemisch-synthetische Dünger und sind deshalb erfolgreich, weil sie durch natürliche Inhaltsstoffe schonend auf das komplizierte Gefüge der Pflanzengesundheit wirken.

Weil sie der Erhaltung des biologischen Gleichgewichts zwischen Nützlingen und Schädlingen zuträglich sind und auch dem Bodenleben sichtbar bekommen, sind sie bei umweltbewussten Gärtner*innen gern gesehen. Die erfolgreiche Anwendung ergibt sich dadurch, dass sie das Immunsystem von der Wurzel- bis zur Blattspitze unterstützen und die Pflanzen widerstandsfähig, kräftig und gesund bleiben. Als traditionelle Hausmittel können sie ohne viel Aufwand durch unterschiedliche Methoden selbst hergestellt werden.

 

 

Während Jauchen vornehmlich als Dünger zum Einsatz kommen, dienen Brühen und Tees der Pflanzenstärkung und Schädlingsabwehr. Brühen werden aus Pflanzen bereitet, die durch sehr festes Gewebe ihre Wirkstoffe nur schwer loslassen, wie Ackerschachtelhalm, Rhabarber, Wurmfarn oder Wermut.
Zum Tee eignen sich dagegen Pflanzen, die leichtflüchtige Duftstoffe beinhalten, wie etwa Kapuzinerkresse, der giftige Rainfarn, Salbei, Knoblauch oder Zwiebel. 80 bis 100 g frisches oder zwei Esslöffel getrocknetes zerkleinertes Pflanzengut lassen Sie kochen, seihen nach 15 Minuten ab und lassen das Ganze auskühlen. Apropos: Kalt-Auszüge - wie etwa von Ringelblume oder Paradeiser - sind eine Sonderform, weil ihre Inhaltsstoffe durch heißes Wasser verdampfen würden. Hier wird lauwarmes Wasser zum Übergießen verwendet und der Kalt-Auszug darf sich einen Tag lang Zeit lassen.

 

 

Stark duftende oder riechende ätherische Öle machen Pilzkrankheiten das Leben schwer. Auch für manche Insekten sind sie giftig oder verwirren zumindest deren Geruchssinn wirkungsvoll. So etwa die schwefelhaltige Inhaltstoffe, die in Zwiebel oder Knoblauch, Kren aber auch Kapuzinerkresse vorkommen. Knoblauch dient in diesem Sinn als Tee zur Gesunderhaltung und Stärkung von Pflanzen, die gegenüber Pilzerkrankungen empfindlich sind. Dazu zählen etwa Echter Mehltau an Rosen oder Gurken, die bei ersten Anzeichen unverdünnt gespritzt werden - zusätzlich auch der Boden zehnfach verdünnt. Erfolgsversprechend ist die unterstützende Wirkung auch bei Schädlingen wie Thrips oder Milben. Zum Einsatz kommt er so gegen Sternrußtau an Rosen, Monilia an Steinobst, Rost, Mehltau, Schorf oder die Kräuselkrankheit von Pfirsichen. Er stärkt auch Paradeiser, die gegen Braunfäule empfindlich sind und Wurzeln gegen Wurzelkrankheiten. Gegen Spinnmilben wird er unverdünnt 1:1 verdünnt 3 Tage hintereinander gespritzt. Zwiebeltee lenkt Möhrenfliegen ab und stärkt Pflanzen, die gegen Pilzkrankheiten empfindlich sind. Kren wirkt als Tee oder Brühe vorbeugend oder bei akuten

Befallsdruck 1:1 verdünnt bei Steinobst-Pflanzen, die gegen Monilia empfindlich sind.

 

 

Kamillentee dient als Saatbehandlung von Schmetterlings- und Kreuzblütlern, die dazu 15 Minuten darin baden dürfen. Der Auszug dient der Vitalisierung von Pflanzen, die gegen Wurzelkrankheiten und Fäulnis empfindlich sind.

 

 

Als Stärkungsmittel Nummer 1 gilt im Biogarten der Ackerschachtelhalm. als Brühe dient er  zur Stärkung und Vorbeugung gegen Pilzkrankheiten. Zum Einsatz kommt er so gegen Sternrußtau an Rosen, Monilia an Steinobst, Rost, Mehltau, Schorf, oder die Kräuselkrankheit von Pfirsichen. Er stärkt auch Paradeiser, die gegen Braunfäule empfindlich sind und Wurzeln gegen Wurzelkrankheiten. Er sorgt dafür, dass Pflanzen widerstandsfähiger gegen Spinnmilben und Blattläuse, vor allem aber gegen Pilzerkrankungen werden. Gegen Spinnmilben wird er unverdünnt, ansonsten 1:1 verdünnt 3 Tage hintereinander gespritzt.
Besonders als Pflanzenbrühe wird die siliziumreiche Urpflanze ab dem Austrieb der Knospen regelmäßig auf das Blattwerk gesprüht. Die Außenhaut der Sommer-Triebe von Schachtelhalmen enthält viel Kieselsäure, einen Baustoff der Quarze. Zur Herstellung wird 1 kg frischer oder 150 g getrockneter Ackerschachtelhalm für 24 Stunden in einem 10 l Kübel mit kaltem Wasser angesetzt. Dieser Kaltauszug wird dann etwa 1/2 Stunde schwach aufgekocht und danach abgeseiht. Abgekühlt wird diese Pflanzenbrühe 5-fach verdünnt und alle zwei bis drei Wochen vom Frühling bis Sommer regelmäßig als Zellwandverstärker über die Pflanzen gesprüht. So imposant die Triebe sich zeigen, so stark ist auch ihr Ausbreitungsdrang. Und die Stärke von Schachtelhalmen macht sich auch bemerkbar, wenn er Teichfolien durchlöchert. Wollen Sie sie in den Garten lassen, empfiehlt sich Vorsicht und der Einbau von Wurzelsperren.

 

 

Brennnesseln erfreuen nicht nur den Schmetterlingsnachwuchs. Brennnesseln werden als Kaltauszug an Pflanzen verwendet, die gegenüber saugenden Insekten wie Blattläusen empfindlich sind.
Brennnesseljauche - für diesen Klassiker der Power Dünger geben Sie 1 kg frische, junge Brennnesseltriebe und 10 l (Regen)wasser in ein Fass oder einen Kübel mit einem entsprechendem Deckel. Die Pflanzenteile sollten ganz von Wasser bedeckt sein, zum Gefäßrand sollte ca. eine Handbreit Platz finden, weil die Jauche während der Gärung in Wallung gerät. Damit das nicht auch Ihre Nachbarn tun, wählen Sie dafür einen warmen, aber abgelegenen Standort. Der Gärprozess wird von entsprechend intensiven Gerüchen begleitet. Abhilfe dagegen bietet eine Handvoll Gesteinsmehl, die auf die Oberfläche gestreut wird. Rühren Sie die Jauche täglich um, drücken Sie die Pflanzenteile nach unten und bedecken Sie danach das Gefäß locker, ohne es luftdicht zu verschließen.

Der Gärvorgang ist nach bis zu drei Wochen abgeschlossen. Schäumt die dunkle Flüssigkeit nicht mehr, steht die Jauche zum Einsatz bereit und kann je nach Nährstoffbedarf der Pflanzen alle 1-2 Wochen 1:10 oder 1:20 mit Wasser verdünnt als Stickstoffdünger genutzt werden. So können Sie entspannen und den Pflanzen beim gesunden Wachsen zusehen.

 

 

Abhängen heißt es auch für Kompost, wenn er frisch angesetzt und nach spätestens einem Tag verbraucht wird. Ob in einen alten Leinensack oder in ein robustes Tuch gefüllt, kann eine gute Handvoll reifer Kompost (gärtnerische) Mikroorganismen-Wunder bewirken. Darf er in einer Gießkanne oder einem 10 l-Kübel über Nacht relaxen, können mit dem Komposttee Pflanzen gestärkt werden, ob nun unverdünnt einmal pro Woche gegossen oder auf die Pflanzen gespritzt. Auch gesammelte Regenwurm-Häufchen, Steinmehl und diverse Kräuter bringen Milliarden Mikroorganismen, die den Boden nachhaltig beleben. Wenn Ihnen das zu kompliziert ist, sind im Fachhandel auch bereits fertige Beutel zur einfachen und praktischen Anwendung erhältlich.

 

 

Zur Vorratshaltung eignen sich getrocknete Pflanzenteile, die jetzt in Hülle und Fülle vorhanden sind. Am besten werden sie an trockenen Tagen vormittags geerntet. Sind sie ganz durchgetrocknet und knirschen beim Zerreiben, kommen sie in ein abschließbares Gefäß, um länger wirksam zu bleiben.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier: Brühen - Jauchen - Tees

 

Auf gutes Wachsen und Gedeihen!

 

 

 

 

Fotos: Benes-Oeller, Haiden

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