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Hummelweiden

das all-you-can-eat Buffet für Hummeln

Hummeln sind neben der Honigbiene unsere einzigen staatenbildenden Bienen. Im Gegensatz zur Honigbiene bestehen die Staaten aber nur eine Saison lang und es gibt keine Vorratshaltung. Gesammelter Pollen wird ausschließlich den Larven verfüttert und Nektar der Königin. Da Hummeln nicht sehr aerodynamisch sind, benötigen sie viel Muskelmasse. Zu deren Aufbau benötigen die Larven viel Eiweiß. Besonders stickstoffreichen Pollen haben Schmetterlingsblütler. Hummeln sind daher auf Pflanzen dieser Familie angewiesen.

Fertig entwickelte Hummeln fressen keinen Pollen. Sie benötigen aber der fehlenden Aerodynamik wegen viel „Treibstoff“, also große Nektarmengen. Hummelforscher Dave Goulson hat das so ausgedrückt: Eine aktive Hummel mit vollem Magen ist 45 Minuten vom Hungertod entfernt.

Häufige Pflanzenarten sind zu selten

Großer Nahrungsbedarf und keine Vorratshaltung – das funktioniert nur bei reichhaltigem Nahrungsangebot durch die ganze Saison. Und das fehlt immer häufiger. Und so sind es immer weniger Hummelarten, die man häufiger sieht. Englische Forscher haben sich angeschaut, was seltene und häufige Hummeln in der Nahrungswahl trennt. Das Ergebnis war erstaunlich: Auch seltene Hummeln benötigen nur Allerweltspflanzen. Im Gegensatz zu den häufigen Arten können sie bei Mangel an bevorzugten Blüten nicht auf andere Pflanzen ausweichen. Aber sogar ein Rasen kann ihnen helfen.

Die wichtigsten Pollenspender für seltene Hummeln sind Weiß-Klee (Trifolium repens), Rot-Klee (Trifolium pratense) und Hornklee (Lotus). Ersterer wächst in vielen Rasen in Parks und Gärten. Auch häufige Mahd stört ihn nicht, ebenso Betritt, Nässe und Trockenheit. Er ist ein spezieller Feind der Freunde des Englischen Rasens. Auch Rot-Klee und Hornklee können in Rasen wachsen, kommen allerdings kaum zur Samenbildung und bilden keine Ausläufer. Sie müssen also eingesät werden, will man etwas für Hummeln tun.

 

 

Ein Rasen für Hummeln

Mahd hat sogar einen Vorteil für die Hummeln. Werden die Pflanzen regelmäßig geschnitten und damit Samenbildung unterbunden, so werden laufend neue Blüten produziert. Der Mähintervall muss aber groß genug sein, dass die Pflanzen gut blühen. Damit der Rasen noch als solcher nutzbar ist, hat sich ein Intervall von 2-3 Wochen bewährt – je nach Wetter und Nährstoffreichtum. Günstig wäre es, nicht die gesamte Fläche gleichzeitig zu mähen, damit immer Nahrung vorhanden ist.

Auch Wundklee eignet sich als Hummelpflanze in Rasengesellschaften. Allerdings bildet er viele sehr unterschiedliche Lokalrassen aus, sodass gebietsfremde Gartenpflanzen nur in ausreichender Entfernung von heimischen Pflanzen verwendet werden dürfen und ein Entkommen aus dem Garten unbedingt verhindert werden muss.

Hummeltaugliche Zierpflanzen

Auch andere Schmetterlingsblütler helfen Hummeln:

Gehölze wie Ginster (Genista, Cytisus, Chamaecytisus, Spartium)

Blasenstrauch (Colutea)

Erbsenstrauch (Caragana)


Buschklee (Lespedeza)

Seidenakazie (Albizia) und Goldregen (Laburnum)

Stauden wie Lupine (Lupinus)

Geißraute (Galega)

„Staudenwicke“ (Lathyrus latifolius)

Färberhülse (Baptisia)

„Duftwicken“ (Lathyrus odoratus)

Erbsen (Pisum sativum)

Nicht nur Leguminosen

Viele Schmetterlingsblütler – etwa Ginster und Lupinen – bieten nur Pollen, keinen Nektar. Den holen sich Hummeln von woanders. Seltene Hummeln lieben auch da häufige Pflanzen. Natternkopf (Echium) und Distelverwandte wie Flockenblumen (Centaurea) spielen dabei eine große Rolle, in bodensauren Heidegebieten auch Besenheide. Heimischer Natternkopf wächst gern an trockenen Standorten mit offenem, oft steinigem Boden. Entlang von Häusern kann man ihn öfters im Drainageschotter finden. Lassen Sie ihn dort wachsen. Auch im Staudenbeet absichtlich ausgepflanzt machen sich die blauen Blüten gut. Der Wegerichblättrige Natternkopf (Echium plantagineum) aus dem Mittelmeerraum wird als Sommerblume verwendet. Leider bekommt man die Samen meist in ökologisch fragwürdigen Blühmischungen, aber mit etwas Suche sind auch reine Samen erhältlich.

Unbewehrte Disteln

Disteln haben gärtnerisch leider einen schlechten Ruf. Dabei gibt es auch unbewehrte Arten und Sorten oder solche, die wenig stechen. Artischocken etwa oder Flockenblumen. Bei den Flockenblumen sind die blau blühenden Arten wie etwa die Kornblume nicht so bedeutend wie die purpurn blühenden. Neben den heimischen Arten Wiesen- und Skabiosen-Flockenblume (erstere wächst mitunter auch im Rasen, beide in Blumenwiesen und Drainageschotter) gibt es einige Gartenstauden wie die Zierliche oder Silber-Flockenblume (Centaurea bella), Zweifarbige Flockenblume (Centaurea dealbata) oder Grünweiße Flockenblume (Centaurea hypoleuca). Unter den Sommerblumen sind Duft-Flockenblume (Amberboa moschata) und Amerikanische Flockenblume (Centaurea americana) leider aus der Mode gekommen und nicht so leicht erhältlich.

 

Besenheide ist in den wenigsten Gartenböden dauerhaft kultivierbar. Auch werden meist Knospenheiden kultiviert – Sorten, die ihre Blüten nicht öffnen und auch in verblühtem Zustand noch blühend (knospig) aussehen. Sie sind für Bestäuber völlig wertlos. Die zur Gartenkultur von Besenheiden verwendeten Substrate sind zudem stark torfhaltig. Da die entsprechenden Hummelarten sowieso in Heidegebieten und kaum im Siedlungsraum vorkommen, sollte man besser auf Besenheide verzichten.

 

Fotos: Gregor Dietrich

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