Kreatives

Da gibt es kein Halten mehr

Die Schwerkraft im Garten überlisten

„Rechtzeitig drauf schauen, das man´s hat, wenn man´s braucht.“ - die legendären Worte von Joki Kirschner aus den 1980-er Jahren gelten auch fürs Gartenbeet. Gerade wenn der Wind immer wieder ums Eck braust oder große Regenmengen Pflanzen niederdreschen, braucht so manche Pflanze dort bereits im Vorfeld unterstützende Zuwendung.

Im Gemüsegarten etwa kommen bei Erbsen kleinere, verzweigte Äste von Ulmen oder Haseln samt Bindematerial zum Einsatz, Stangenbohnen oder Paradeiser brauchen da schon gewichtigere Konstruktionen, um ihrem Kletteransprüchen zu genügen.

Wollen Sie ganz ohne solch technische Hilfsmittel auskommen, müssen Sie schon früher Hand anlegen und bereits im Mai oder Juni pinzieren - bei höheren Staudenarten, die es vertragen, wie Herbstastern, Phlox oder Sonnenbraut (Helenium). Dabei verhelfen Sie Stauden durch einen Spitzenrückschnitt um ein Drittel bis zur Hälfte zu einem stramm aufrechten Stand.

Aber insbesondere hohe Sorten, die auf Erwachsenenhöhe heranwachsen werden, schützen vorab zur Verfügung gestellte Stützen davor bei kräftigem Wind und starken Regenschauern abzuknicken. Abhängig von der Wuchsform und späteren Wuchshöhe sind sie in passender Form und Größe vorhanden: Als günstigste Methode können einfache Stäbe, an die Pflanzen mit Achterschlaufen angebunden werden, für mehr Halt sorgen. So helfen selbstgebaute Gestelle, damit Pflanzen nicht auseinanderfallen.

Bei allen höheren Stauden, aber auch Pfingstrosen (Paeonia), die zu den ältesten Gartenpflanzen – mit den größten Blüten im Staudenreich zählen, empfiehlt sich jetzt das Anbringen einer Stütze, um Schäden durch Abbrechen oder Abknicken zu vermeiden. In Beeten und Rabatten erhält eine geeignete Stütze so den Habitus der Pflanze und deren erwünschte Wirkung.  

Gerade stattliche Dahlien legen sich gerne nieder. Sie sollten ab 50 – 80 cm laufend stabil gehalten werden. Auch sie können zu kompakterem Wuchs verleitet werden: Zeigen sich anfangs die ersten drei bis vier Blattpaare, werden die oberen Triebspitzen abgeknipst. Wenn sich dann zwei neue Stängel aus der Blattachse der darunter liegenden Blätter entwickeln, tragen diese auch mehr Blüten. Werden die Stängel durch ein Netz nach oben geschickt, trägt dieses auch die Blütenfülle. Eine Stützung mit Hilfe eines Gitters, durch deren Streben die Triebe wachsen, werden sie ganz ohne weiteres Zutun gestützt. Auch in der Vertikalen können Sie diesen Trick verwenden.

Im Handel sind aber auch halboffene und - zu zweit verwendet - geschlossene Ringe erhältlich, die Stauden und Kleinsträucher gut umfassen. Die Stützen sollten, nachdem sie fest in die Erde gesteckt wurden, etwa zwei Drittel so hoch sein, wie die Pflanze später wächst. Vorausgesetzt es wird rechtzeitig damit begonnen und die Pflanzen fallen nicht schon aus ihrer Fasson.

Stützende Zusatzkonstruktionen sind zwar schon bald nicht mehr zu sehen. Auch wenn manche Pflanzen offensichtlich lieber auf ebener Erde liegen statt durch mühsame, laufende Aufbindearbeit im ersten Stock zu blühen. Meine Mutter hatte ein Faible dafür, im Garten immer Meter um Meter an Schnüren zu auffälligen Kreationen zu verweben. Gerade auch bei Gehölzen mit schweren „Köpfen“ wie prächtigen, oft gefüllt blühenden Strauchpaeonien (Paeonia suffruticosa) oder pompösen Hortensien (Hydrangea).

Auch wenn „Keine Blume schöner stirbt ", wie es der bekannte Staudenzüchter und Gartenphilosoph Karl Foerster beschrieb, können Sie jetzt etwas für die Hortensien tun. Sie bestechen durch ihren Blütenreichtum und bilden unvergleichlich große, prächtige Blütendolden. Regnet es, saugen sich diese förmlich mit Wasser voll und werden häufig zu schwer für die Zweige, die zu brechen drohen. Stützen Sie die Pflanze richtig ab, um ihre Schönheit zu erhalten. Einzelstäbe helfen einige wenige Blüten zu stabilisieren.

Ganze Pflanzen dagegen bekommen eine Pyramide aus mehreren Bambusstäben mit ca. 40 cm Seitenlänge verpasst. Eine zusätzliche horizontale Verbindung in der Mitte und der Einsatz von Draht, Klammern oder Bändern bringt zusätzliche Stabilität. Auch gebogene Staudenhalter funktionieren hier. An den richtigen - möglichst windgeschützten und (halb)schattigen Standort gepflanzt, etwa an eine Mauer oder eine Hauswand benötigen sie oft keine zusätzliche Stäbung. Regenschutz bieten auch große Bäume, unter denen sie sich meist sehr wohlfühlen. Etwas Fingerspitzengefühl ist für den Rückschnitt gefragt, damit sie kompakt und blühfreudig bleiben. Nur leichte Rückschnitte vertragen etwa Bauern-, Eichenblatt-, Kletter-, Riesenblatt, Samt- und Teller-Hortensien.

Rispen- und Schneeball-Hortensien gehören dagegen durch ihre riesigen, herrlich weißen Blütenbälle zu den beliebtesten Gartenhortensien. Die Pflanzen könnten bis zum Boden zurückgeschnitten werden, die daraus resultierenden eher dünnen und nicht verholzten Äste neigen aber mehr zum Abknicken. Der beste Zeitpunkt dafür liegt Ende Februar oder Anfang März, wenn die starken Fröste ausbleiben. Bis dahin dienen vertrocknete Blütenbüschel als Frostschutz.

Ich selbst hole im Frühling immer ein paar geschenkte gefüllte Narzissen in die Vase, weil sie vom frühen Regen ohnedies nur in der Erde enden und dort zum Schneckenfutter verkommen. Und selbst in der Vase werden sie mit den dünnen Stängeln zur statischen Herausforderung… Vielleicht ist so gesehen ja auch bei mancher Pflanze definitiv ans Umsetzen oder gar eine Neuanschaffung zu denken.

Fotos: „Natur im Garten“, Beneš-Oeller, Streicher, Brocks

Margit Beneš-Oeller

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