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Blütenreiche

Kletterpflanzen

 

Kletterpflanzen haben verschiedene Strategien, um in die Höhe zu gelangen: während sich der sonnenhungrige Blauregen Wisteria sinensis an stabilen senkrechten Stützen hinaufwindet und von dort aus weiterhantelt, um mit seinen duftenden Blütentrauben zu beeindrucken, ist die elegante Kletterrose als Spreizklimmer dankbar für lichte Sprossenwände oder Gitter mit etwa 40 cm Abständen, an denen man sie hochzieht. Als waschechter Blattstielranker erklimmt die Clematis dagegen ohne jedes Zutun feinmaschige Gitter. Und die Kletterhortensie hält sich mit ihren Haftwurzeln überhaupt gleich selbst am Mauerwerk fest - mit Vorliebe im feucht-kühlen, lichten Schatten.

 

Enorme Wuchskraft

 

Die besonderen Wuchstalente wie Kletterrosen und insbesondere die Wisteria sollte man keinesfalls durch Zaunelemente durchfädeln, um sie nach oben zu ziehen, denn das macht weitere Schnittmaßnahmen schwierig und kann im Fall der Wisteria unschön für Rankhilfe oder Pflanze enden, da diese mit der Zeit einen richtig dicken Stamm ausbildet, der sogar umwundene Regenrohre zerquetschen kann. Für die ungetrübte Freude an ihrer blauvioletten Blütenpracht, die im Mai noch vor dem Austrieb der Laubblätter erscheint, bieten wir ihr eine wirklich robuste Stütze. Man kann die noch biegsamen Triebe von der Rankhilfe abwickeln und daran anbinden, in Folge auch an Querverbindungen. Die angebrachten Befestigungen sollten zumindest einmal jährlich in Augenschein genommen und bei Bedarf erweitert oder erneuert werden, um Strangulierungen der Pflanze zu vermeiden.

 

 

Als Schmetterlingsblütler versorgt sich der Blauregen mit Hilfe von den an seinen Wurzeln angesiedelten Knöllchenbakterien zum Teil selbst mit Stickstoff und sollte deshalb nicht zu stark gedüngt, dafür aber umso beherzter geschnitten werden: Nach der Blüte werden die Seitentriebe auf drei bis fünf Knospen gekürzt und im Frühjahr die neu gebildeten dünnen Triebe nochmals stark gestutzt. Will die Pflanze trotzdem nicht oder wenig blühen, kann das an einer Stickstoffüberversorgung liegen, die das Blatt- und Triebwachstum zu sehr ankurbelt. Außerdem brauchen aus Samen gezogene Pflanzen einige Jahre bis sie das erste Mal blühen, während veredelte oder auch aus Ablegern vermehrte Exemplare wesentlich früher und üppiger blühen. Beim Blauregen zahlt es sich daher aus, ihn als veredelte Pflanze im Fachhandel zu erwerben.

 

Blüten über Blüten

 

Bei den Kletterrosen stellen sich als erstes folgende Fragen: einmal und üppig oder aber öfters blühend? Und: wie hoch hinaus soll es gehen?

`New Dawn´ ist beispielsweise eine beliebte Kletterrose in Naturgärten, die über den Sommer immer wieder zartrosa Blüten mit feinem Apfelduft entwickelt und etwa 3 bis 5 m hoch klimmt. Ramblerrosen sind besonders hochwüchsige Kletterrosen mit etwas weicheren Trieben, die sich von Anfang an gerne anlehnen – an Rankhilfen oder auch Bäume. Die aus Japan und Korea stammende Büschelrose Rosa multiflora ist in ihre Ahnenreihe eingegangen. Ihre zahlreichen kleinen weißlich-rosa Blüten sind, wie ihr Name verrät, in Büscheln angeordnet. Sie blüht zwar nur einmal zur Hauptzeit der Rosenblüte, bietet dabei aber ein überbordendes Schauspiel, das auch zahlreiche Insekten anlockt. Es gibt von ihr auch sehr beliebte Gartenzüchtungen mit etwas größeren Blüten und zartem Duft wie `Kiftsgate´ und `Bobby James´ in weiß, `Donau´ in blau oder `Apple Blossom´ in rosa, aber auch die Wildform bietet ein wahres Blütenspektakel und ist äußerst beliebt bei Bienen und co.

 

Bodendeckerrosen - Hochziehen statt „Abmähen“?

 

Stark wüchsige Sorten der Bodendecker- oder Kleinstrauchrosen, die sich auch im Beet mit langen Trieben ausbreiten, funktionieren übrigens sehr gut als zierliche Kletterrosen, Zaun- oder „Wandbedecker“. Ihr Vorteil liegt in der enormen Robustheit und damit auch Topftauglichkeit, gepaart mit oftmals wiederkehrenden Blüten über den Sommer. Beispiele mit besonders langen Trieben sind etwa ‘Heidekönigin’ mit rosa Blüten oder ‘Immensee’ in Weiß. 'Magic Meidiland', eine sehr beliebte rosa blühende Kleinstrauchrose mit ADR-Prädikat, wurde auf der ökologischen Gartenschau GARTENTULLN an einer Holzlamellenwand im Rosengarten ca. 2 m hoch und noch mehr in die Breite gezogen. Flach gezogene Triebe setzen nämlich in der Regel noch mehr Blüten an als steil aufragende. Und: ADR-Rosen werden in Deutschland in 11 Prüfgärten auf ihre Robustheit geprüft, und nur die härtesten erhalten als Auszeichnung das Prüfprädikat. Unser Pendant dazu, die österreichische Rosenprüfung (ÖRP) in Baden, zeichnet ebenfalls gesunde Sorten aus, die für unser Klima gut geeignet sind.

 

Clematis und der gute Schnitt

 

Die großblumigen Clematis-Hybriden haben ihre Hauptblütezeit im Mai und Juni und werden deshalb gerne mit den gleichzeitig blühenden Rosen kombiniert. Wenn die Rose den Fuß der Clematis beschattet, kommt dieser das zusätzlich zugute, denn die Waldrebe liebt einen sonnigen Kopf und schattigen Fuß.

 

 

Nach der Pflanzung idealerweise im Spätherbst werden Clematis einmal stark zurück geschnitten für den Aufbau einer gut verzweigten, mehrtriebigen Pflanze. Für ihr weiteres blütenreiches Gedeihen werden sie in drei Schnittgruppen eingeteilt:

 

-          Clematis alpina und Clematis montana blühen im Frühjahr am vorjährigen Holz und werden daher gar nicht oder wenn unbedingt notwendig gleich nach der Blüte geschnitten.

-          Bei den bereits erwähnten zweimal blühenden großblumigen Hybriden werden nach der ersten Blüte im Mai/Juni die Samenstände mit dem darunterliegenden Blattpaar entfernt. Wer die zweite Blüte am neuen Austrieb im Spätsommer fördern möchte, kann einige Triebe in den Wintermonaten etwa um die Hälfte kürzen.

-          Alle Arten und Sorten, die Langtriebe und an deren Ende viele Blüten bilden und im Wesentlichen erst ab Juli blühen, werden im Winter 20 bis 50 cm über dem Boden kräftig zurückgeschnitten, um den Blütenreichtum zu fördern. Zu dieser Gruppe zählen zahlreiche Hybride und Wildarten wie z.B. die Mongolische Waldrebe Clematis tangutica.

 

Praktisch keinen Rückschnitt braucht hingegen die anfangs extrem langsam wachsende Kletterhortensie Hydrangea petiolaris. Sie benötigt einen eher sauren Boden und ist dankbar für eine große Portion Laubkompost bei der Pflanzung.

 

Freude an der Topfkultur

 

Alle erwähnten blütenreichen Kletterer schätzen eine gute Wasserversorgung, mögen aber keinesfalls Staunässe. Deshalb sollte man auf einen guten Wasserabzug achten und humusreiches Substrat mit Sandanteil verwenden, welches die Feuchtigkeit gut hält und dabei gut durchlässig ist. Für die Pflanzung im Topf sollte dieser ausreichend groß sein - vor allem für die tief wurzelnde Rose, von der nur sehr robuste Sorten für Töpfe bestimmt sind – aber auch für alle anderen Kletterer, damit ein genügend großer Wasserrückhalt im Substrat gegeben ist. Je höher hinaus sie wachsen sollen, desto mehr Volumen ist erforderlich. Für die Topfkultur von Kletterpflanzen ist darüber hinaus eine automatische Tröpfchenbewässerung sehr zu empfehlen, damit der Wurzelballen nicht austrocknet.

 

 

 

Fotos: Haiden, Benes-Oeller

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