Vogelschutzhecken

Wild und dornig, voller Blüten, Früchte und Insekten
Freiwachsende Wildstrauchhecken und die bunte Wildnis zu ihren Füßen bieten viel mehr Lebensraum als strenge Schnitthecken oder Zierstrauchreihen: Rückzugsräume, Früchte und in der ersten Jahreshälfte ein reichliches Blütenangebot bzw. zartes Grün für Insekten. Diese wiederum liefern Jungvögeln wertvolles tierisches Eiweiß.
Allerdings sollte genug Platz vorhanden sein: etwa 4 m Breite inklusive Kräutersaum, mindestens aber ein 2m Streifen für die Gehölze, in den sie mit 1 bis 1,5 m Abständen gepflanzt werden und über den sie großteils auch drüber wachsen dürfen. Wenn solche Hecken in ihrer Breite variieren und die entstehenden Buchten nur einmal jährlich gemäht und ansonsten in Ruhe gelassen werden, bieten die dort aufkommenden Wildkräutersäume zusätzliches Nahrungsangebot für Kleinschnäbel wie den Girlitz.
Wer richtig viel Platz hat, kann eine solche Hecke mehrreihig im Dreiecksverband anlegen - die niedrigeren vorne, hohe Gehölze hinten (oder in die Mitte), einzelne Kleinbäume eingestreut - und vor oder beidseits der Gehölze breite Kräutersäume belassen, wie auch vom WWF unter Biodiversitaet_A4_4Seiten_d.indd empfohlen. Als Nebeneffekt werden scharfe Winde gemildert und durch Verdunstung an heißen Sommertagen ein angenehmes Mikroklima geschaffen.
Weil ausgedehnte breite Hecken mit dichtem Unterwuchs und Dickichten in unserer Landschaft immer weniger werden, nutzen Vögel bisweilen auch neue Strukturen zum Brüten, etwa mehrere Meter breite Bestände des invasiven asiatischen Knöterichs, wie mir kürzlich bei einem Besuch in Sachsen zu meinem Erstaunen zu Ohren kam (bartmeise.de/wp-content/uploads/2020/07/Hering-2019_Fallopia-Brutvögel_Die-Vogelwarte.pdf. Umso mehr ein Grund, Hecken zu pflanzen, oder: Knöterich bekämpfen durch die Anlage von Vogelschutzhecken….
Zwei höherwüchsige Wildstrauch- bzw. Kleinbaumarten haben besonders viel zu bieten für Vögel: über sechzig Arten profitieren direkt oder indirekt sowohl von der Vogelbeere (Sorbus aucuparia) als auch vom Schwarzem Holunder (Sambucus nigra).

Im Gegensatz zu Formschnitthecken brauchen Wildstrauch-Vogelhecken nicht jährlich zurechtgestutzt, sondern nur alle paar Jahre ausgelichtet werden - aus Rücksicht auf brütende Vögel bereits im Februar bzw. erst wieder im September. Ist die Hecke überhoch, aus der Form und unten herum schon recht kahl, kann man vor dem Austrieb einzelne Sträucher auf Stock setzen – zum Beispiel jeden vierten. Dafür werden sie ca. 50 cm über dem Boden gekappt, damit sie wieder von unten dicht durchtreiben. Eine solche Radikalmaßnahme vertragen viele heimische Wildsträucher wie die Gemeine Berberitze (Berberis vulgaris), Eibe (Taxus baccata), Feldahorn (Acer campestre), Hainbuche (Carpinus betulus), Haselnuss (Corylus avellana), Liguster (Ligustrum vulgare) und Wildrosen.


Gehölzfreibrüter wie Amsel, Finken, Grasmücken, Hänfling, Heckenbraunelle oder Zaunkönig brüten gerne in Hecken.
Blickdichte Eiben oder Wacholder schützen die Gelege davor, von Beutegreifern entdeckt zu werden. Zierwacholder-Arten wie der Sadebaum sind neben Birnenplantagen tabu, weil sie als winterliche Zwischenwirte und damit Überträger des Birnengitterrostes fungieren, nicht aber der heimische Gemeine Wacholder (Juniperus communis). Er kommt außerdem 43 Vogelarten zugute – auch der Wacholderdrossel. Die Gemeine Eibe (Taxus baccata) ist immerhin für 24 Vogelarten attraktiv.

Ebenso guten Schutz, auch vor Hauskatzen, bieten dornige und stachelige Sträucher wie die Gemeine Berberitze (Berberis vulgaris) und der Weißdorn. Eingriffeliger Weißdorn (Crataegus monogyna) und Zweigriffeliger Weißdorn (Crataegus laevigata) locken jeweils 32 Vogelarten herbei und werden in der Medizin verwendet um das Herz zu stärken.
Für ihren Einsatz im Garten gibt es Einschränkungen: Die Berberitze fungiert als Zwischenwirt für den Getreiderost. Inmitten landwirtschaftlicher Felder sollte man auf diesen Strauch im Garten verzichten. Und in Regionen mit Feuerbrand-Problematik, einer Bakterienkrankheit an Kernobst, gilt der Verzicht auf Weißdorn, Feuerdorn, Apfeldorn ebenso wie auf Mispel, Quitte, Vogelbeere, Mehlbeere und einige mehr aus den Gattungen Amelanchier, Crataegus, Malus, Pyrus, Sorbus und Mespilus. Je später die Blüte und wärmer die Witterung, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Bestäuberinsekten, zumal die Weißdornblüte Bienen und andere Insekten magisch anzieht.
Egal welche Tiergruppe wir betrachten, heimische Pflanzen werden von einer größeren Zahl an Arten als Nahrungsquelle genutzt als Exoten. Deshalb sollten in einem Naturgarten heimische Pflanzen bevorzugt verwendet werden.
Der Faulbaum (Frangula alnus) lockt 36 Vogelarten an und liefert Raupenfutter für den Zitronenfalter. Liegen gebliebenes Laub unter den Hecken dient wiederum als Winterquartier – nicht nur für Schmetterlinge. Weichfutterfresser wie Amsel, Zaunkönig und Rotkehlchen suchen besonders gerne am Rande von Hecken, am Boden hüpfend, unter Ast- und Laubansammlungen nach Würmern und anderen Leckerbissen.
In der folgenden Liste finden Sie weitere für Vögel attraktive Gehölze. Das Beerenobst der linken Spalte sowie die Haselnuss in der rechten sind auch für uns Menschen genießbar. Neben der botanischen Bezeichnung steht jeweils die Zahl an Vogelarten, die durch diese Pflanze gefördert werden, entnommen unserem Infoblatt „Hitparade der Wildsträucher“
In der folgenden Liste finden Sie weitere für Vögel attraktive Gehölze. Das Beerenobst der linken Spalte sowie die Haselnuss in der rechten sind auch für uns Menschen genießbar.
Himbeere (Rubus idaeus) 39 Vogelarten | Roter Hartriegel (Cornus sanguinea) 24 |
Rote Johannisbeere (Ribes rubrum) 34 | Europäisches Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) 24 – stark giftig |
Brombeere (Rubus fruticosus agg.) 32 | Gemeine Traubenkirsche (Prunus padus) 24 |
Hundsrose (Rosa canina) 27 | Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum opulus) 22 |
Schlehe / Schwarzdorn (Prunus spinosa) 20 | Gemeiner Liguster (Ligustrum vulgare) 21 - giftig |
Gemeine Berberitze (Berberis vulgaris) 19 | Wolliger Schneeball (Viburnum lantana) 15 |
Sanddorn (Hippophae rhamnoides) 16 | Haselnuss (Corylus avellana) 10 |
Dirndlstrauch (Cornus mas) 15 | Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum) 8 |
Stachelbeere (Ribes uva-crispa) 14 | Kreuzdorn (Rhamnus cathartica) 1 |

Wer nun darauf brennt, eine Vogelschutzhecke anzulegen, findet zusätzliche Unterstützung bei der Strauchauswahl und Planung im Heckennavigator unter www.willheckehaben.at. Damit können sie mit wenigen Mausklicks ökologisch wertvolle Mischhecken zusammenzustellen, um diese jetzt im Frühling oder beim Heckentag im Herbst zu besorgen und gleich zu pflanzen. Gutes Gelingen!
Fotos: „Natur im Garten“, Beneš-Oeller, Brocks, Denk, Liehl-Rainer, Pixabay