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Zweijährige

Hohe Leuchter im Staudenbeet

 

Sie beeindrucken uns mit ihrer stattlich-imposanten Erscheinung, bieten auch sonst einiges an Zusatznutzen – als Feinkost für die Tierwelt oder Heilpflanzen für uns Menschen – und sind dabei äußerst genügsam. Durch ihren zweijährigen Lebenszyklus können wir einige von ihnen im Garten umherwandern lassen.

 

Königskerzen – erhaben wie die Berge

 

Es gibt mehr als 300 Arten von Königskerzen (Verbascum), darunter ein-, zwei-, oder mehrjährige Pflanzen. Die meisten von ihnen werden als Heilkräuter verwendet, denn der Tee aus den getrockneten Blüten der sogenannten „Wollblume“ wirkt schleimlösend bei Erkältungen. Gesammelt werdendie filzigen Schätze am besten an einem trockenen Vormittag kurz nach dem Aufblühen.

Die Königskerzen sind nicht nur ornamentale, sondern auch schneckenresistente Pflanzen. Besonders schön machen sie sich auf trockenen Sonnenhängen.

Vor allem von der Seidigen, der Violetten, der Schwarzen und der Chaix-Königskerze werden Zuchtformen im Handel angeboten, von den beiden letzteren auch weiß blühende Sorten, die sich in Staudenbeeten ganz besonders edel ausmachen.

Die kalkliebende Chaix-Königskerze (Verbascum chaixii) wird etwa 80 cm hoch, ist ausdauernd und blüht von Juli bis Oktober. Sie kommt mit einigen Unterarten in Europa wild vor. - Eine davon, die Eigentliche Österreich-Königskerze (Verbascum chaixii subsp. austriacum), tritt bei uns vor allem im pannonischen Raum auf.

Die Schwarze oder Kleinblütige Königskerze (Verbascum nigrum) besitzt wie die vorige Art grüne Blätter, die nur unterseits graufilzig behaart sind. Sie wird 50 bis 120 cm hoch und entwickelt im Juli und August gelbe Blüten. Wie alle Königskerzen liebt sie sonnige, trockene Standorte.

Die Seidige oder Seidenhaar-Königskerze (Verbascum bombyciferum) mit dichter weißer Behaarung stammt ursprünglich aus der West-Türkei, ist aber etwa in Großbritannien bereits eingebürgert. Mit ihren stattlichen 150 cm hohen, silbrigen Kandelabern mit hellgelben Blüten ist die Sorte 'Polarsommer' ein echter Star im Staudenbeet.

Die grau-weiß filzig behaarte Kandelaber-Königskerze (Verbascum olympicum) mit ihren im oberen Bereich stärker verzweigten Blütenständen gelangte ebenfalls aus der Türkei  und aus Griechenland zu uns. Sie blüht gelb von Juni bis August und erreicht sogar etwa 2 m Wuchshöhe. Als waschechte Zweijährige stirbt sie nach der Blüte ab, sät sich aber selbständig aus und ist hervorragend geeignet für Freiflächen oder um beispielsweise den Rand von Kieswegen aufzupeppen.

 

 

Mit ca. 60 cm Höhe etwas zierlicher, aber nicht minder beeindruckend macht sich die aus Eurasien stammende und ebenfalls bereits im Juni blühende Violette oder Purpur-Königskerze (Verbascum phoeniceum) im Klimagarten-Staudenbeet. - Gießen kann bei Königskerzen nämlich grundsätzlich entfallen.

 

Stockrosen - hervorragende Blütenkerzen

 

Den schönen und ebenfalls gegen Husten wirksamen Malven wird in gut zwei Wochen ein eigener Blog gewidmet. Auch unter ihnen gibt es ein- bis mehrjährige bzw. kurzlebig ausdauernde Arten.

 

 

Die Gewöhnliche Stockrose ist mit Wuchshöhen von etwa 1 bis 2 Metern und ihren handtellergroßen Blüten eine besonders auffällige Vertreterin dieser Gruppe. Sie bildet im ersten Jahr eine Blattrosette am Boden, aus der im zweiten Jahr ein kerzengerader, wenig verzweigter Stiel emporwächst, der von Juli bis September zahlreiche Blüten trägt.   Die Farbpalette reicht von Weiß über Gelb, Apricot, Rosa, Rot und Violett bis hin zu Purpurschwarz. Auch wenn sie ausdauert, nimmt die Blütenfülle ab dem dritten Jahr ab, überhaupt bei gefüllt blühenden Sorten. Einfach blühende Sorten sind in der Regel ausdauernder, überhaupt wenn man nach dem Verblühen einen Teil der Pflanzen zurückzuschneidet. Um den Bestand zu verjüngen, sät man Stockrosen ab Juni frisch an.

 

Nachtkerzen – Blütenserenade für Schwärmer*innen

 

Die Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis) steht der Königskerze in Sachen prachtvoller Genügsamkeit und Heilwirkung um nichts nach. Am idealen sonnigen Standort, auf trockenem, nicht zu nahrhaftem, aber möglichst kalkhaltigem Boden - wird diese Pionierpflanze ebenfalls bis 2 m hoch. Im 17. Jahrhundert als Zierpflanze aus Nordamerika nach Europa eingeführt, ist sie bei uns inzwischen weit verbreitet und beliebt. Ihre rübenförmigen Pfahlwurzeln, die Blätter, Blüten und Samen sind essbar.  Das aus den winzigen Samen gewonnene Nachtkerzenöl wird unter anderem gegen Neurodermitis, bei trockener, schuppiger und juckender Haut eingesetzt und Hautcremes zugesetzt.

 

 

Diese Pflanze hat mich betört, seit ich sie zum ersten Mal sah. In der Blütezeit etwa von Juni bis September öffnen sich die Blüten in der Abenddämmerung innerhalb weniger Minuten wie im Zeitraffer. Nach vollständiger Öffnung verbreiten sie einen süßen Duft, der Nachtfalter anlockt. Die einzelnen Blüten sind zwar kurzlebig und meistens bis am nächsten Nachmittag verblüht, es kommen aber allabendlich zahlreiche neue hinzu. Vor Jahren studierte ich mit einer Freundin gemeinsam das Blumenduett aus der Oper Lakmé von Léo Delibes ein, das viele aus der Darbo-Werbung kennen. Der Plan war, es bei einer Familienfeier vor den sich öffnenden Blüten der Nachtkerzen darzubieten.

Weil ich die Nachtkerze so sehr liebe, habe ich sie entgegen jeder Vernunft sogar in zwei Balkonkistchen gepflanzt, wo sie alles andere überragen, obwohl sie aufgrund des begrenzten Standraumes etwas zierlicher wachsen. Außerdem habe ich sie im Mai - noch vor ihrer Blütezeit -pinziert, also gekappt, um die Verzweigung anzuregen und zu vermeiden, dass nur eine Blütenkerze hoch hinauswächst: dadurch blühen sie nun an mehreren Kerzen und erfreuen nicht nur mich. In der Früh werden sie regelmäßig von Hummeln aufgesucht, die sich gierig über die von der Nacht noch geöffneten Blüten voller Pollen hermachen.

 

Fingerhut – Gefährliche Schönheit am Waldrand

 

Die meisten Fingerhutarten (Digitalis) sind von Natur aus zweijährig. Ob nun Roter, Gelber, Großblütiger, Wolliger, Rostfarbiger, Dunkler, Kleinblütiger oder Türkischer Fingerhut: man kann sie alle dazu anregen, weitere Winter zu überdauern und im nächsten Jahr wieder zu blühen, indem man die Blütenstände gleich nach dem Verblühen abschneidet und dadurch die kraftraubende Samenbildung unterbindet. Nach dem dritten Standjahr aber verkümmern die Pflanzen allmählich.

Der heimische Fingerhut gedeiht als Gehölzrandpflanze am besten auf humos-durchlässigen, eher frischen und mäßig sauren Böden in Halbschatten bis Sonne.

 

 

Auch wenn Digitalis als Mittel gegen Herzschwäche eingesetzt wird, sollte man damit keinesfalls in Eigenregie herumdoktern, denn Fingerhut ist hochgiftig!

 

Wilde Karde - über den Winter und noch länger

 

Auf die wilde Karde habe ich bereits im Blog über Wiesenmahd und Staudenschnitt ein Loblied gesungen. Wo möglich sollten ihre hohen Stängel als Brutraum für jetzt schlüpfende Wildbienen nicht nur über den Winter, sondern bis in den nächsten August stehenbleiben dürfen.

 

 

 

Fotos: Haiden, Leithner

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