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Wer schießt denn da

im Gemüsegarten

 

Wenn die Nächte kürzer und die Tage länger bzw. heißer werden, geht es los mit dem Schießen und Schossen im Gemüsegarten, geräuschlos - heimlich, still und leise: Viele Salate, Spinat und Radieschen werden lang und länger und trachten nur noch danach, Blüten und Samen zu produzieren anstatt großer Blätter oder dicker Knollen. Auch Mais, Amarant und Hirse laufen allmählich zur Höchstform auf, wiederum aus anderen Gründen...

Der Ablauf ist Programm

 

Langtagpflanzen wie etwa Salate, auch Asiasalate und insbesondere Vogerlsalat und Spinat werden durch Tageslängen über 12 Stunden zum Schossen veranlasst. Sie strecken sich nach der Sonne und bilden Blütenstände. Durch Trockenheit und Hitzestress kann dieser Vorgang sogar noch früher und schneller ablaufen, weil die Pflanzen dann schnell noch für Nachwuchs sorgen möchten, bevor es mit ihnen zu Ende geht. Salate bilden ab diesem Zeitpunkt auch vermehrt Bitterstoffe. Deshalb sollte man sie ernten, sobald die ersten Anzeichen zum Auswachsen bemerkbar sind.

Werden Salate direkt vor Ort gesät, wachsen sie kontinuierlich und zumeist gesünder und schossen später als verpflanzte. Auch durch zeitweise Verdunkelung oder Abdeckung mit lichtundurchlässigen Materialien, könnte dem Schossen entgegengewirkt werden - zugegeben eine etwas aufwendige Maßnahme. Man kann aber auch bereits durch gezielte Sortenwahl vorbeugen. Der Pflücksalat `Catalogna´ beispielsweise ist raschwüchsig, relativ schossfest, kann von März bis August ausgesät werden und macht auch im Balkonkistchen eine gute Figur. Wenn er in eine extreme Hitzeperiode gerät, kann es aber auch bei ihm steil bergauf gehen. Wer selber Samen ernten will, lässt diejenigen Pflanzen blühen und Samen entwickeln, die als letzte aufschießen.

 

Kokarde von Catalogna

 

Wenn die Tage wieder kürzer werden, also ab August, können Spinat, Feldsalat, Asia- und andere Herbstsalate von neuem angebaut werden, ohne gleich in die Höhe zu schießen.

Rüben und Mangold sollten als zweijährige Pflanzen eigentlich erst nach ihrer Überwinterung schossen. Durch einen Kälteeinbruch nach der Aussaat oder extremen Hitzestress kann dies mitunter aber auch bereits vorzeitig im ersten Jahr erfolgen.

 

Was Mais und Hirse vom heimischen Gemüse abhebt

 

Einen anderen Grund für schnelles Wachstum dem Licht entgegen haben die sogenannten C4-Pflanzen. Dazu gehören vor allem aus heißeren Gegenden stammende Süßgräser wie Mais, Hirse und Zuckerrohr, aber auch Vertreter anderer Pflanzenfamilien wie etwa Amarant und manche Melden aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse. Leider sind auch einige Unkräuter darunter zu finden, die in der Sommerhitze schnell wachsen und dadurch sehr konkurrenzstark sind. Ihr Trick ist ein zusätzliches Stoffwechselprodukt, durch das sie das Kohlendioxid aus der Luft bei Temperaturen über 25°C besser und aktiver nutzen können als die C3-Pflanzen, zu denen die meisten mitteleuropäischen Kräuter und Gehölze gehören. Wer es etwas genauer wissen will: über ein paar Zwischenstufen wird das CO2 in einer Säure mit 4 Kohlenstoffatomen (Apfelsäure) gebunden. Erst in einem weiteren Kreislauf wird Kohlendioxid wie bei allen anderen Pflanzen zu Zucker und anderem weiterverarbeitet.

Auch die Rosenmelde (Atriplex rosea) wird zu den C4-Pflanzen gezählt. Die rote Gartenmelde (Atriplex hortensis) ist nah mit ihr verwandt und ebenfalls ein schneller Schießer, der sehr genügsam ist und auf gutem Boden als farbenfroher Eyecatcher mannshoch werden kann. Gerade dem Keimlingsalter entwachsene Exemplare werden oft in Baby-Leaf-Salaten mitgeliefert. Die zarten Blätter und Triebspitzen ausgewachsener Pflanzen ergeben einen schmackhaften Blattspinat, der auch im gekochten Zustand die rote Farbe behält und Pasta- und Reisgerichte rosig einfärben kann.

 

Rote Melde

 

Ein weiteres Prachtexemplar, das im Hochsommer enorme Wuchskraft entwickelt und Lücken in abgeernteten Beeten üppig schließen kann, ist die rote Form von Shiso oder Perilla (Perilla frutescens), ein asiatisches Würz- und Heilkraut mit eigenwillig exotischem Aroma mit einem Hauch von Anis. Angeblich stammt oder stammte die rosige Farbe der hauchdünn eingelegten Ingwerscheiben, die zu Sushi gereicht werden, von dieser Pflanze – zumindest in vorindustrieller Zeit. Perilla schmeckt auch im Salat gut, eignet sich als einjährige Zierpflanze auch für Beete und samt sich bereitwillig selber aus. Auf einem Hochbeet im Therapiegarten „Sei aktiv“ der GARTENTULLN war Shiso für mich in den letzten Jahren immer wieder ein willkommener Hochsommerbewuchs nach dem Abernten von Kohlrabi, Fenchel und Salaten, für den ich nicht viel mehr tun musste als ihn wachsen zu lassen.

 

Perilla

 

 

Fotos: Leithner, Haiden

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