Tu es

Quer gewickelt

Für eine besssere Ernte im heurigen & Blüte im nächsten Jahr

 

 

 

Wer kennt das nicht, wenn im Herbst die ersten Äpfel vom Baum fallen und uns gelb bis rotbackig anlachen. Aber leider: aufgelesen und einmal gewendet offenbart sich ein unliebsamer Konkurrent um den Apfel: Außen an der Frucht sind Bohrlöcher zu sehen, die mit Kotkrümeln gefüllt sind. Und in der Frucht finden sich in den mit Kot gefüllten Fraßgängen weiße, braunköpfige Raupen, die das Kerngehäuse zerfressen und uns den Genuss madig machen: die Larven des Apfelwicklers (Cydia pomonella).

 

pictures taken by Olaf Leillinger, CC BY-SA 2.5 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5>, via Wikimedia Commons, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cydia.pomonella.7454.jpg und https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cydia.pomonella.7453.jpg

 

 

Der grau gebänderte Kleinschmetterling mit einer Flügelspannweite von 2 cm und einem goldig glänzenden Augenfleck nahe der Flügelspitze fliegt von Ende Mai bis August in der Dämmerung und bei Temperaturen von über 15°C. Er legt dabei Distanzen bis zu 100 m zurück. Seine Hauptflugzeit ist im Juni. Dann legt er seine Eier hauptsächlich am Apfel ab, aber auch an Birne und Walnuss (noch seltener an Marille, oder an Zwetschke, Pfirsich und Quitte). Nach einigen Tagen schlüpfen daraus die Raupen, die sich in die Frucht einbohren und es sich später im Kerngehäuse gemütlich machen.
Diese erste Generation des Apfelwicklers stört uns im Privatgarten noch wenig und hilft sogar mit bei der Fruchtausdünnung für eine bessere Fruchtqualität, während ihre Folgegeneration im Spätsommer uns weniger Freude macht als Wurm im Apfel.  
Bevor also die Larven nach 3 bis 4 Wochen – etwa ab Ende Juni - die Frucht verlassen, um sich in einem weißen Kokon unter Rindenschuppen oder in anderen Ritzen am Baum einzuspinnen, heißt es aktiv werden. Ein Teil der eingesponnenen Larven verpuppt sich nämlich umgehend und schlüpft Ende Juli als zweite Falter-Generation, um wiederum Eier auf die bereits heranreifenden Früchte zu legen, die dann unreif vom Baum fallen. Die restlichen Larven überwintern im Kokon. Mit Hilfe eines feinen Fadens seilen sich die fertig entwickelten Raupen der Folgegeneration ab und überwintern ebenfalls  im Kokon an der Rinde oder im Boden. Die Verpuppung erfolgt erst im folgenden Frühling.
Bei starkem Befall kann ein Großteil der Ernte vernichtet werden, in Südeuropa sogar die gesamte Ernte, weil hier drei Generationen des Wicklers möglich sind. Und mit jeder Generation vermehren sich die Tiere um das Zehnfache.

 

Was tun?

 

Am Baum befindliches Obst mit Einbohrlöchern sollte entfernt und auch frühzeitig abfallendes Obst möglichst umgehend aufgelesen und fernab des Obstbaumes vernichtet werden, um zu verhindern, dass die Maden über den Boden wieder zum Stamm zurückwandern und sich dort verpuppen.

Je nach Lage kann man auch ab Ende Juni bis nach der Ernte 10 cm breite Ringe aus Wellkarton 30 bis 50 cm über dem Boden fest um den Baumstamm binden und diese einmal pro Woche kontrollieren. Sobald sich die Raupen in den Fangstreifen verkrochen oder eingesponnen haben, werden diese immer wieder entfernt und – beispielsweise im Grillfeuer – vernichtet.

 

 

Zum Monitoring (Flugkontrolle) können ab Mitte Mai auch Pheromonfallen eingesetzt werden. Das sind Klebefallen mit einem Sexualduftstoff, der die Männchen anlockt. Zur Befallsminderung ist der Einsatz meist nicht ausreichend und bestenfalls erfolgreich, wenn wenig andere Obstbäume in der Umgebung stehen. Durch die Flugkontrolle aber kann man feststellen, wann der Flug bzw. die Eiablage beginnt. Einige Tage danach ist dann mit den ersten Larven zu rechnen. In größeren, isolierten Apfelanlagen werden die Falter auch manchmal durch Pheromone in Dispensern - kleinen Behältern zum Aufhängen, aus denen der Lockstoff allmählich verdampft - so verwirrt, dass die Geschlechter einander nicht mehr finden und es zu keiner Eiablage kommt.

 

Foto: Slaunger, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons, verfügbar unter https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cydia_pomonella_trap_hanging_in_tree_2012-06.jpg

 

Um an Ästen und Stämmen überwinternde Larven zu bekämpfen können ab Ende September, wenn feuchte Wetterbedingungen herrschen, auch Nematoden verwendet werden. Und weil die erste Faltergeneration Ende Mai ihre Eier eher auf den Blättern ablegt und die schlüpfenden Maden dann eine etwas längere Strecke bis zu den Früchten zurücklegen müssen, werden diese im Profiobstbau zu diesem Zeitpunkt mit Apfelwickler-Granulosevirus bekämpft.
Als private Naturgärtner*innen können wir aber auf die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln -auch biologischen - verzichten und vielmehr auf vorbeugende Maßnahmen setzen: wenn wir Nützlinge wie Fledermäuse, Vögel, Wanzen und Schlupfwespen fördern durch vielfältige Naturgartenelemente, Wildstrauchhecken, Wildwuchs und vor allem den Verzicht auf Pestizide, ist schon viel getan. Durch das Aufhängen von Fledermaus- und Vogelnistkästen bieten wir den besten Schädlingsvertilgern ein Zuhause. Und ein paar wurmige Äpfel werden wir verkraften. Ein Wellpappegürtel ab Ende Juni kann auch im Naturgarten helfen, den Befall etwas einzudämmen. Und wenn wir im Herbst die Stämme abbürsten, nach Larven absuchen und anschließend einen Stammanstrich aufbringen, können wir uns zurücklehnen und die Natur den Rest erledigen lassen…

 

 

 

Fotos: Leithner, pixabay, Wikimedia Commons (Olaf Leillinger, Slaunger)

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