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Pflanzen

für Schmetterlinge

 

 

„Viele Schmetterlinge im Garten zu haben wünscht sich wohl jeder Gartenbesitzer. Doch die Toleranz gegenüber Raupen ist enden wollend.“

 

Obwohl ich seit frühester Kindheit gärtnere und Pflanzen- und Tierbücher schon in der Volksschule meine wichtigste Lektüre waren, habe ich den „Schmetterlingsstrauch“ erst Anfang der 80er bei einem Nachbarn im schönen Karlsdorf im Pulkautal kennengelernt. Also sehr spät. Ich war schon älter als 10. Und natürlich musste auch gleich einer in unseren Garten. Leider erfror er damals noch in manchen Wintern, trieb nicht mehr aus und musste neu gepflanzt werden. Das im Weinviertel – allerdings auf Lehmboden. Heute unvorstellbar. Unvorstellbar ist heute aber auch, dass jemand mit ökologischem Verantwortungsbewusstsein Davids Sommerflieder, Buddleia davidii, in den Garten pflanzt. Dieser invasive Neophyt hat nämlich gewaltige Nachteile für die Falter. Ich meine nicht die fake news von berauschten Schmetterlingen, die dann von Vögeln leichter erwischt werden. Nein, die Art ist im Südalpenraum schon länger invasiv und beginnt nun auch nördlich der Alpen sich auszubreiten. In Lehmböden keimen die Samen nicht, aber in Schotterböden, etwa in Bachbetten. Dummerweise sind das genau die Standorte, an denen man Schmetterlingsraupen findet. Wachsen dieselben Futterpflanzen dicht und gut gedüngt woanders, wird man keine Raupen auf ihnen finden. Und der Sommerflieder verdrängt Raupenfutterpflanzen von raupentauglichen Standorten. Er selbst wird lediglich selten von den Raupen des Mönchs gefressen, wenn deren eigentliche Futterpflanzen rar sind. Außerdem wandert der Sommerflieder in den Südalpen die Lawinenrinnen hoch, wo er die Grünerle verdrängt und aufgrund seiner späten Blüte Wanderfalter davon abhält, ihr Winterquartier zu erreichen. Vielleicht mit ein Grund, neben der Klimaerwärmung, dass der Admiral nicht mehr die Alpen überquert. Der Distelfalter, der in den Tropen überwintert, kann trotz Klimaerwärmung nicht hier bleiben. Wenn der südalpische Sommerflieder zur Selektion gegen wandernde Falter führt, wird er in Zukunft südlich der Sahara bleiben.

 

Blüten für Falter

 

Es gibt ja noch jede Menge andere Pflanzen, die den ausschließlich Nektar fressenden Schmetterlingen Nektar bieten. Rosa bis purpurn blühende Wasserdost-Arten (Eupatorium cannabina, E. fistulosum) und der leider kaum wo erhältliche heimische Attich (Sambucus ebulus) locken nicht weniger Falter an als der Sommerflieder. Kandelaberehrenpreis (Veronicastrum), Disteln (dazu gehört auch die Artischocke), Flockenblumen (Centaurea), Dost (Origanum) und Thymian (Thymus) stehen ebenfalls hoch im Kurs und im zeitigen Frühling sind weibliche(!) Weiden wichtig (die männlichen bieten viel Pollen, aber nur wenig Nektar, damit Bienen als Bestäuber beide Geschlechter besuchen müssen). Auch fast alle Vertreter der Familien der Korb- und Kreuzblütler sowie der Kardengewächse (Witwenblumen, Scabiosen etc.) werden von Tagfaltern besucht. Alle diese Pflanzen sind aber keine ausgesprochenen Schmetterlingsblumen, also auch für andere Bestäuber von Nutzen. Nachtfalter benötigen dagegen speziell auf sie zugeschnittene nächtliche oder morgendliche Blüten: Linde, Geißblatt/Jelängerjelieber, Lichtnelken, Nachtkerzen, Stechapfel (keine Engelstrompeten – die sind fledermausblütig), Zaun- und Trichterwinden, (Zier-)Tabak, Wunderblumen etc.

 

Tagfalter bevorzugen Blüten mit einer langen, den Rüssel zum Nektar leitenden Röhre und einer flachen Scheibe, auf die sie sich setzen können. Stieltellerförmig nennt man Blüten mit Tagfalter-Bestäubungssyndrom. Auch mehr oder weniger langrüsselige Bienenarten, vorwiegend Hummeln, können Arten mit kürzeren Röhren nutzen. Schon die Honigbiene kann vom Sommerflieder nur die Hälfte des Nektars ernten. Größere Stieltellerblüten, wie die des Phlox, bleiben ausschließlich Faltern vorbehalten. Typische Blüten mit Tagfaltersyndrom sind neben dem Sommerflieder etwa alle Nelken (ungefüllt!), Lichtnelken, Phlox, Seidelbast, Mondviolen, Nachtviolen, Seifenkraut, Liguster, Flieder, Winter-Jasmin, Goldlack, Eisenkraut, Immergrün sowie der Oleander. Insekten sind übrigens rotblind, aber Tagfalter sind diejenigen Insekten, die am weitesten in den Rotlichtbereich hinein sehen. Daher sind viele Tagfalterblumen (etwa Nelken) magenta. So wird die Zahl nicht bestäubender Blütenbesucher gering gehalten. Falter sind übrigens als einzige Insekten UV-blind, weswegen reine Pollenblumen, die keinen Nektar bieten, oft ultraviolett sind. Da wir diese Blindheit mit den Tagfaltern teilen, nehmen wir sie in anderen Farben wahr, wobei Rot und Rosa beliebt sind, da es potenzielle Fehlbesucher nicht sehen: Mohn, Anemonen, Rosen…

 

Während die Tagfalter eine Verwandtschaftsgruppe sind, heißen alle anderen Schmetterlinge, unabhängig von ihrer Verwandtschaft „Nachtfalter“. Die meisten Schmetterlinge zehren von den Fettvorräten, die sie sich als Raupe angefressen haben. Neben den Tagfaltern besuchen noch Schwärmer, Eulen, Bärenspinner und Widderchen Blüten. Widderchen und Bärenspinner als tagaktive Nachtfalter lieben Witwenblumen, Skabiosen, Disteln und Flockenblumen, Bärenspinner auch Wasserdost und Sommerflieder. Die anderen mögen nachtblühende Blumen. Schwärmer sind teils auch tagaktiv. Sie stehen im Schwirrflug vor der Blüte und stecken den Rüssel von teils gewaltiger Länge in die Blüten. Sie kommen mit fast allen Nachtblühern zurecht. Eulen haben kürzere Rüssel, weswegen langröhrige Tabakblüten etc. nicht infrage kommen. Außerdem müssen sie sich wo anhalten können. Anders als die Tagfalter bevorzugen sie keine waagrechten Blüten, sondern seitlich stehende und halten sich an den Staubblättern (Nachtkerzen, Linden) oder einer Nebenkrone (Lichtnelken) fest.

 

Einige Tagfalterblumen und Bienenblumen fahren eine Doppelstrategie. Sie produzieren auch in der Nacht Nektar und unterscheiden sich durch deutlichen Duft von reinen Tagbestäuberblumen: Bartnelken, Nachtviolen, Phlox, Seifenkraut, Duftschneeball, Liguster, Oleander, Flieder und Sommerflieder etwa.

 

Blätter für Raupen

 

Während wir kaum Mühe haben, im Garten ein befriedigendes Nektarangebot zu bieten, schaut das mit den Raupenfutterpflanzen schlecht aus. Bekannt ist beispielsweise, dass Brennnesseln für zahlreiche Falter wichtige Raupenfutterpflanzen sind, für einige sind sie die ausschließliche Futterpflanze. Doch wer hat diese Raupen schon einmal im Garten gefunden? Landkärtchen etwa findet man nur in ausgedehnten schattigen Beständen. Tagpfauenaugen mögen es sonnig aber luftfeucht. Ihre Raupen findet man daher vorwiegend am Gewässerrand, meist in großen Nesselbeständen dort, wo die Pflanzen über die Wasserfläche hängen. Auch der kleine Fuchs mag es luftfeucht, wenn auch nicht so sehr wie die anderen. Er mag Sonne, aber nicht den ganzen Tag. Und auch größere Nesselbestände. Nur der Admiral bevorzugt einzeln stehende Nesseln in voller Sonne an trockenen Standorten. So kenne ich ihn aus meiner Kindheit, als noch kein Sockel den Zaun trug und jeder Nachbar bis zum Zaun mähte. Im Maschendrahtzaun konnte dann aus einem 2 cm breiten ungemähten Bodenstreifen etwas wachsen. Auch Brennnesseln, die der Admiral jährlich in Beschlag nahm. Heute ist dieser Lebensraum vernichtet – dem Ordnungssinn zum Opfer gefallen.

Mit Brennnesseln im Garten wird man also eher selten Raupen in den Garten bekommen. Besser geht es mit den Familien der Kreuzblütler (oder Kapuzinerkresse – auch der Große Kohlweißling ist schon selten) und Schmetterlingsblütler, mit Faulbaum, Kreuzdorn, Fenchel, Weiden (vor allem Sal-Weide) oder Pappeln (vor allem Zitter-Pappel). Während der Fenchel Lieblingsfutter der Schwalbenschwanzraupen ist und Faulbaum und Kreuzdorn die ausschließlichen Futterpflanzen des Zitronenfalters, findet man an Kreuzblütlern, Weiden und Zitter-Pappeln eine Unzahl an Arten. Je nach Standort, ob feucht oder trocken, sonnig oder schattig, je nach Größe der Gehölze, kommen unterschiedliche Falter zur Eiablage. Auch Schmetterlingsblütler wie Hornklee, Esparsette, Hufeisenklee, Wundklee etc. sind für viele Arten wichtig. Sie müssen aber an mageren Standorten oder in sonst lückiger Vegetation stehen. Etwa in Drainageschotter. Übrigens gibt es an fast jeder heimischen Pflanzenart auch eine Falterraupe, die an ihr frisst. Viele Raupen haben ein sehr enges Nahrungsspektrum, mitunter nur eine einzige Art. Magere, lückige Standorte wie Drainageschotter sind für die meisten Raupen ein idealer Lebensraum. Seien Sie also nicht zu ordentlich!

 

Auch beliebt bei manchen Raupen sind Kohlgemüse und Obstbäume. Diese Vorliebe hat so manche Art schon an den Rand des Aussterbens gebracht. Weil der im Gegensatz zum Kleinen Kohlweißling im Raupenstadium auffällige Große Kohlweißling im Gegensatz zu seinem unauffälligen aber schädlicheren Verwandten fast immer bekämpft wird ist er selten geworden. Der Baumweißling ist bei uns schon fast ausgestorben. Neben dem Kohlweißling macht uns auch der Frostspanner im Garten kaum Freude. In Jahren der Massenvermehrung fressen sie die Bäume derart kahl, dass sie nicht nur neu austreiben müssen, sondern sogar alle Blüten Früchte einbüßen.
Wenn Sie sich darüber ärgern, bedenken Sie eines: Der Frostspanner nimmt in dem Jahr einem anderen Schadschmetterling, dem Apfelwickler, die Existenzgrundlage. Zwei Generationen im Jahr, die Früchte unterschiedlicher Baumarten benötigen. Gibt es keine. Im nächsten Jahr gibt es wurmfreies Obst. Der Schädling als Nützling. Alles eine Frage der Perspektive. Nach Massenvermehrungen ist ein paar Jahre Ruhe. Weil die Vögel in den Jahren der Massenvermehrung selbst auf Massenvermehrung machen. Und Krankheitserreger.

 

In Ostösterreich lebt noch der Schwarze Trauerfalter. Er legt seine Eier im Frühsommer an die Spitzen der Zweige von Spiersträuchern. Dort schlüpft die Raupe und spinnt sich ein. Fressen und Wachsen wird auf den Herbst verschoben. Wird der Spierstrauch im Sommer geschnitten, sind auch die Raupen weg.

 

Gar kein Sommerflieder?

 

Für alle, die auf Sommerflieder nicht verzichten wollen, gibt es gute Nachrichten. Die artenreiche Gattung hat so allerlei zu bieten. Viele sind zwar tropisch oder subtropisch (und wären, würden unsere Gärtner sie anbieten, gute Kübelpflanzen) und andere winterharte kaum erhältlich, aber es gibt Ausnahmen und Hybriden. Die Ausnahme ist der im Frühsommer blühende Kaskaden-Sommerflieder (Buddleja alternifolia). Sterile Hybriden wurden vorwiegend in den USA und Großbritannien gezüchtet, wo das Bewusstsein dafür größer ist – nicht zuletzt deswegen, weil der Besitz von Buddleja davidii in einigen US-Bundesstaaten eine Straftat ist. Auch bei uns sind einige dieser Hybriden schon erhältlich. Weiß aber keiner. Weil es bei uns (noch) kein Verkaufsargument ist, werden sie als stinknormaler Sommerflieder angeboten. Wird auf die Problematik hingewiesen, oder, wie in der Schweiz, über ein Verbot diskutiert, reagieren viele Gärtner nicht mit Sortimentsanpassung, sondern mit Abwehrhaltung. Der Ball liegt also wieder einmal bei uns Konsumenten. Die hier gelisteten Sorten sind meistens nicht unter ihren Sortennamen, sondern unter ihrer Trademark im Handel verweist darauf, dass die Sorte einem Sortenschutz unterliegt, also nicht ohne Gebühr an den Züchter vermehrt werden darf. Das mag für manche Vermehrungsbetriebe ein Argument sein, allerdings gibt es auch bei vielen anderen Pflanzen, die bei uns vermehrt werden, Sortenschutz.

Sterile und weitgehend sterile Sorten des Sommerflieders

 

'Boscranz' CranRazz™/Reve de Papillon Red™ (rotviolett)

'Bostulu' True BlueTM (blauviolett, niedrig)

'Hinebud 1' Dreaming LavenderTM (blauviolett, zwergig)

'Hinebud 2' Splendor PurpleTM (purpurviolett, zwergig)

'Hinebud 3' Dreaming WhiteTM (weiß, zwergig)

'Hinebud 4' Dreaming PurpleTM (purpurviolett, zwergig)

'ILVOargus1' Argus WhiteTM (weiß)

'ILVOargus2' Argus VelvetTM (violett)

'Lavender Eyes' (pfirsichrosa/lavendelrosa)

'Longstock Gem' (lila)

'Morning Mist' Silver Anniversary™(weißlich, vorwiegend bienenblütig, geschützte Standorte mit guter Drainage)

 

Durch verminderte Fertilität und flugunfähige Samen ebenfalls vertretbar:

 

'Longstock Pride' Pride of LongstockTM (dunkelviolett)

'Pmoore12' UNIQUETM (oft unter B. alternifolia im Handel, aber Dauerblüher, kleinwüchsig)

Buddleja ×weyeriana mit den Sorten:

'Attraction' (rotviolett, Ersatz für 'Royal Red')

'Bicolor' Flower Power® (von Gelbbraun nach Violett umfärbend)

'Boy Blue' Blue Boy (blauviolett)

'Miss Ruby'® (rotviolett)

'Pink Pagoda' (lachsrosa)

'Sungold' (gelb, vorwiegend bienenblütig, milde Lagen oder gute Drainage, härter wäre 'Golden Glow')

 

Die Namen der Falter

 

Schmetterlinge haben oft schräge Namen. Es gibt Mönche, Nonnen, Hausmütter, Admiräle, Postillone, Ordensbänder, Goldafter, Totenköpfe, Füchse, Bären, Eulen und so weiter. Oder im Detail: Sackspinner, Pfeilflecken-Kräutereule und  Möndchenflecken-Bindenspanner. Ein nordamerikanischer Tagfalter könnte ein Mensch mit Doppelnamen sein: Vanessa annabella.

Noch ein Schwank aus meinem Leben als Freak. Als ich 14 Jahre alt war, erschien eine Neuauflage des Tagfalterbandes des Standardwerks „Die Schmetterlinge Mitteleuropas“ von Forster und Wohlfahrt. Standardwerk meint wissenschaftlichen Standard. Musste ich haben. Und zwar alle Bände, über zwei Jahre auf Weihnachten, Geburts- und Namenstage verteilt. Bestellte mein Vater telefonisch von der Firma aus zum Gelächter seiner Kollegen: Spinner, Spanner und Schwärmer.

 

 

Fotos: Dietrich

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