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Moos ist famos!

Grüne Teppiche bereichern Garten und Landschaft

„Moos“ kann als Synonym für Geld verwendet werden. Auch wenn sich das vom hebräischen Wort mâ'ôth (ausgesprochen "ma-ot" = Münze) ableiten soll und nicht aus der Sache selbst, deutet es doch auf seinen Wert hin: wunderbar weiche Polster an schattig-feuchten Stellen bereichern jeden Garten – für himmlische Barfußläufe und andere Einsätze. Auch die Tierwelt verwendet das Material mit Vorliebe zum Auspolstern kuscheliger Nester. Bei unseren dreizehnten Internationalen Fachtagen Ökologische Pflege im November 2022 lieferte der Wiener Botaniker, Biodiversitätsforscher und Moosexperte Mag. Dr. Harald G. Zechmeister mit einem inspirierenden Vortrag weiteren Stoff für meine Begeisterung…

Moose zählen zu den ältesten Landpflanzen. Es gibt etwa 30.000 Arten und sie werden in 3 Gruppen eingeteilt:

  • Hornmoose (Anthocerotophyta)
  • Lebermoose (Marchantiophyta)
  • Laubmoose (Bryophyta)

 

Hornmoose sind klein und einfach gebaut mit lappenartigem Pflanzenkörper (Thallus) und lieben nährstoffarme, saure Böden.

Lebermoose können zwar auch beblättert sein, viele Arten besitzen aber so wie die Hornmoose einen lappigen, grünen Pflanzenkörper, der von seiner Form her an eine Leber erinnert.

Das Brunnenlebermoos (Marchantia polymorpha) ist eine weitverbreitete, häufige und auffällige Art, die an feuchten Standorten große Flächen überziehen kann - etwa am Grund von Mauern oder an Bachrändern. Diese flächige Ausbreitung resultiert nicht zuletzt daraus, dass es sich neben der geschlechtlichen Fortpflanzung auch vegetativ vermehrt. Es bildet in oberflächlichen Brutbechern kleine linsenförmige Brutkörper. Diese werden von Regentropfen herausgeschleudert, wodurch sie  etwas von der Mutterpflanze entfernt auf den Boden gelangen.

Laubmoose besitzen Blätter und Wurzeln, die aber nur zum Anhaften dienen. Sie bilden die Hauptmenge unserer Moose und kommen vom Nord- bis Südpol fast überall vor, nur nicht im Meer…

Das Wimpern-Hedwigsmoos (Hedwigia ciliata) im Bild oben beispielsweise besiedelt gerne Silikatfelsen in vorwiegend sonniger Lage, auch Mauern und felsige Straßenanrisse in der offenen Landschaft und in lichten Wäldern. In Österreich und Süddeutschland ist es häufiger anzutreffen als im Norden. Als Sonnenschutz bildet es „Glasspitzen“ aus. Die weißlich erscheinenden oberen Teile des Blattes aus luftgefüllten, abgestorbenen Zellen reflektieren das Sonnenlicht - vor allem im trockenen Zustand. Bei Nässe werden die Spitzen transparenter und lassen mehr Licht auf die darunterliegenden grünen Zellen fallen, die bei genügend Feuchtigkeit photosynthetisch aktiv werden.

Alle Moose sind ebenso wie die Farne Sporenpflanzen, besitzen aber keine Gefäße und ernähren sich ganz anders als die höheren Pflanzen: Da sie wechselfeucht sind, nehmen sie Wasser und damit Nähr-, aber auch Schadstoffe über ihre gesamte Oberfläche auf und geben ebenso über die gesamte Oberfläche Flüssigkeit ab. Sie können sogar vollständig austrocknen ohne zu sterben.

Da sie mit grünem Farbstoff Photosynthese betreiben, gehören sie zu den Pflanzen. Gleichzeitig sind sie die am höchsten entwickelten Organismen mit einfachem Chromosomensatz. Sie vermehren sich primär über Sporen, aus denen sich ein Vorkeim (Protonema) bildet, ein kaum sichtbares fädiges Geflecht, das aber leuchten kann wie bei dem auf Felsen im Wald vorkommenden Leuchtmoos (Schistostega pennata). Häufig vermehren sie sich auch ungeschlechtlich über Brutkörper wie das Lebermoos.

Leuchtmoos © Alpsdake, CC BY-SA 4.0, verfügbar unter https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schistostega_pennata_s2_zoom.JPG

Langlebig und klimawirksam

Weißmoos lebt so lang wie wir. Torfmoose und solche, die Kalktuffquellen bilden, können hingegen bis zu 5000 Jahre alt werden.

Fotos: Torfmoos (Sphagnum), pixabay

In Dänemark und andernorts laufen bereits Versuche mit Moos als Torfersatz. Die Paludikultur mit Torfmoosen ist vor allem dann zu befürworten, wenn sie auf Acker- und Wiesenflächen installiert wird, in denen noch ein wenig Torf vorhanden ist und dadurch auch der eventuell darunter noch existierende Torf erhalten bleibt.

Moose sind ungeheuer wichtig für gesunde Ökosysteme. Sie können bis zum 30-fachen ihres Trockengewichtes an Wasser speichern, saugen es auf und geben es langsam ans System weiter. Durch ihre große Wasserhaltekapazität helfen sie somit bei der Klimaregulierung zumindest des lokalen Kleinklimas. Wo es viele Moose gibt und viel verdunstet, regnet es auch wieder mehr.

Außerdem filtern Moose Nährstoffe aus dem Wasser und bereiten als klassische Pioniere den Boden für die höher entwickelten Gefäßpflanzen, sind aber kaum Nahrung für Tiere oder Menschen. Beim Irish Moss, das sich als „Super Food“ zunehmender Beliebtheit erfreut, handelt es sich nicht um ein Moos, sondern um eine Algenart. Eine im englischen Sprachraum als "Irish moss" oder "Scottish moss" und bei uns als Sternmoos bezeichnete hübsche Polsterpflanze mit winzigen weißen Blütensternen ist auch kein Moos im eigentlichen Sinne. Sie heißt botanisch Pfriemen-Mastkraut (Sagina subulata) und ist ein Nelkengewächs für Steingärten und Wegfugen – durchaus gemeinsam mit Moosen.

Gehalt- und wertvoll

Auch unter dem Mikroskop erschließt sich mit Moosen eine bunte Wunderwelt: in einem dm3 Moos leben hunderte andere Lebewesen. Weiter verkleinert können Ölkörper ein optisches Schauspiel bieten.

Einige Inhaltsstoffe von Moosen wirken antifungizid und sind somit für die Medizin interessant. Auch lässt sich mit Hilfe von Moosen die Luftqualität feststellen. Sie dienen somit als Bioindikatoren.

Moose wurden von uns Menschen immer schon als Baumaterial und anderweitig verwendet:  die alten Römer haben in nördlichen Gefilden ihre Böden damit  isoliert. Beim Almhüttenbau kam es zum Einsatz oder beim Bootsbau, um die Bohlen von Booten zu verbinden, weil manche Moose sich nicht leicht zersetzen durch Wasser. Nicht zuletzt wurde es auch in Windeln und Damenbinden verwendet und natürlich – immer noch aktuell - in der Floristik, als wasserspeichernde Basis für Blumenampeln und Hanging Baskets.

Die in den letzten Jahren beliebt gewordenen Mooswände und –bilder in Innenräumen bestehen nicht aus lebendigem Material. Diese toten Wände können deshalb leider auch nicht mehr die Luft reinigen und auch Moose als Luftfilter für Autos werden nur ein frommer Wunsch bleiben, denn nach der Entfernung aus seinem angestammten Lebensraum, stirbt Moos in der Regel ab und verliert damit auch viele seiner Wirkungen.

Moose für Haus und Garten

Auf Flächen und Zäunen können sich viele Moosarten auf engstem Raum einfinden. Und das ist gut so, weil das zusätzlichen Lebensraum für zahlreiche Lebewesen bietet. Lassen Sie die Moose auch auf den Dächern wachsen! Sie zersetzen nichts, haben sie doch keine zerstörerischen Wurzeln. Erfreuen Sie sich lieber ohne jede Reue am weichen Grün!

Moospolster sind nach dem Regen oder im Tau besonders schön wie im Bild oben der Sparrige Runzelbruder (Rhytidiadelphus squarrosus). Dieses Moos kann an geeigneten Standorten Gräser verdrängen, richtige Moosrasen bilden und kommt häufig vor.

Unter https://naturschutzbund.at/moos-des-jahres.html wird der freundliche Geselle gemeinsam mit einigen anderen heimischen Moosen beschrieben.

Vier gute Gründe für Moose im Garten:

  • Sie erhöhen die Biodiversität. Im Moospolster leben mehr Tiere als zwischen Rasengräsern. (Und seien wir ehrlich: der Kampf gegen Moose im Rasen ist an Stellen, wo sie sich wohlfühlen einer gegen Windmühlen. Also freunden wir uns am besten mit ihnen an.)
  • Moose halten Feuchtigkeit und geben diese wieder ab. Sie sind damit gut fürs Lokalklima.
  • Sie können als Material dienen für Dekorationen, Gebrauchsgegenstände und für die Tierwelt.
  • Moos macht keine Arbeit.

 

Nun manchmal vielleicht doch, wenn man so wie Martin Hellbach von der TU Dresden in Berlin-Dahlem zur Moos-Gartenkultur forscht, bei der aus Initialstadien Moose von selber wachsen. Aber Achtung: auch wenn dies im kühl-feuchten Klima gelingt, im trockeneren, pannonisch–kontinentalen Klima ist ein solcher Versuch zum Scheitern verurteilt.

Als Unterwuchs von Bäumen in der Stadt kann Moos nur dann zum Einsatz kommen, wenn es sich unter den entsprechenden Standortbedingungen von selber dort einfindet - auch abhängig von den Baumarten: Unter Nussbäumen zum Beispiel wächst kein Moos.

Dass 5 Mal auf Moos zu steigen dieses umbringt, trifft übrigens nicht auf alle Moosarten zu, am ehesten auf die Moose der Moore oder Trockenrasen. Viele Moose im Garten oder auf Parkplätzen überleben das.

Der „stille“ Beatle George Harrison soll moosige Gärten mit Farnen und Schattenpflanzen besonders geliebt haben. Hatte er vielleicht japanische Moosgärten dabei als Vorbild? Im 1970 von ihm erworbenen Anwesen Friar Park in Henley fand er jedenfalls die passenden feuchtschattig-felsigen Landschaften mit Schluchten und Grotten dafür vor.

Wer dem Moos keine so passenden Lebensräume bieten kann, wird es nicht erfolgreich ansiedeln können. Der Experte rät jedenfalls ab davon, Moose in den Garten umzusiedeln, sondern sie am besten dort wachsen zu lassen, wo, sie sich von selbst einfinden.

Wir wünschen jedenfalls viel Moos und Freude daran im Neuen Jahr!

Fotos: „Natur im Garten“, Beneš-Oeller, Leithner, pixabay, Alpsdake via Wikimedia Commons

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