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Könige hinterm Gartenzaun

Fürs Feuerwerk daheim

Das C+M+B als Segensbitte Christus Mansionem Benedicat („Christus segne dieses Haus“) bringen die Weisen aus dem Morgenlande, umgangssprachlich die Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar mit sich. Sicher haben sie dem Kind in Bethlehem noch nicht die arabischen Ziffern in den Stall gelegt, dafür Myrrhe, Weihrauch und Edelsteine oder waren es Gold, Weihrauch und Myrrhe? In jedem Fall besondere Schätze der Natur. Sie waren Menschen, die die Konstellation der Sterne deuten und die Geheimnisse des Universums erforschen. Und auch da finden sich ohne Anspruch auf Vollständigkeit😉 einige Könige…

So etwa den Schneckenkönig, dessen auffällige Andersartigkeit ins Auge sticht. Aufgrund seiner Seltenheit kann sich der Schneckenkönig der Weinbergschnecke für gewöhnlich nicht paaren. Sein Schneckenhaus ist andersrum gedreht und das kommt unter seinen Verwandten im Reich der wilden Tiere nur alle 40.000 Mal vor. Schau genau ist deshalb die Devise: Auf historischen Kupferstichen und Holzschnitten finden Schneckenkönige sich da weit häufiger - weil diese zunächst spiegelverkehrt gearbeitet wurden und viele Künstler nicht bemerkten, dass in der Natur eine andere Richtung dominiert. Ich selbst suche seit Jahren danach und wurde leider noch nie fündig. Auch das obenstehende Bild ist deshalb gespiegelt und gehört damit zu den gefakten News.

Warum aber ist ein Zaunkönig ein König? Vielleicht wegen seines gewaltigen Reviergesanges oder seines gestelzten Schwanzes, der an manchen Krönungsmantel erinnert? Winzig klein erobert der selbstbewusste Vogel das bodennahe Geäst von Hecken. Auch im Winter zieht es ihn nicht in die Baumkronen, sondern mit seinen bis zu 20 Artgenossen eher in Baumhöhlen oder Nistkästen - zum gemeinsamen Aufwärmen. Da bricht sich selbst der kleine König gerne einen Zacken aus der Krone.

Oder geht es bei einem König ums Emporkommen? Der Stauden Hibiskus `Kopper King´ etwa beeindruckt durch riesige Blüten. Das Hochhinausschießen zeigen uns auch die Königskerzen vor. Neben den großaufwachsenden Arten zieht uns aber selbst die kleiner bleibende lila blühende Königskerze Verbascum phoeniceum in ihren Bann. Der Hohe Phlox Phlox paniculata `The King´ mit seinem Purpurgewand darf da im erhabenen Hintergrund nicht fehlen. Der Hundszahn Erythronium dens-canis `Purple King´ verdankt wohl ebenfalls der Blütenfarbe seinen königlichen Titel. Er besticht neben der frühen Blüte auch durch marmoriertes kräftig gefärbtes Laub und bildet so über die Jahre schöne große Bestände am halbschattig bis schattigen und mittel bis feuchten Standort. Eine gute Figur macht ebenfalls die Sommer-Aster Aster amellus `Blue King´ 50 cm. Auf Augenhöhe begegnet sie Iris hollandica `The Lion King´ in braunrot - ganz ohne Gesang - und `King Mauve´, die sich hellviolett mit gelber Lippe zeigt.

Keine Lippe riskieren Montbretien `Red King´ oder der Goldschuppenfarn Dryopteris affinis `The King´. Sie sind in der Insektenwelt weniger gefragt, ebenso wenig wie Narcissus x cultorum `Ice King´, eine gefüllte Narzisse mit gefüllter Halskrause. Meiner Erfahrung nach brauchen diese einen regengeschützten Unterstand, weil ihre dünnen Körper den üppigen Kopfschmuck bei Nässe oft einfach nicht tragen können. Für den freien Stand eignen sich dagegen Tulpen wie Tulipa x cultorum `King's Orange´, eine dunkelorange Triumph-Tulpe mit hellerem Rand. Tulipa x cultorum `Kingsblood´, eine einfache späte blutrote Tulpe klingt dagegen schon sehr nach Palastrevolution.

Nicht in die Nesseln setzen können Sie sich mit einem unserer liebsten Könige, dem Nesselkönig Lamium orvala. Auch Großblütige Taubnessel genannt, lädt er mit stattlichen Horsten und riesigen Blüten gerne Hummeln zum Festmahl ein, und das bereits Ende April bis Anfang Mai und ganz ohne zu nesseln. Laut der deutschen Staudengärtnerei Gaissmayer hält die wertvolle, langlebige Wildstaude auch Wurzeldruck stand, kommt deswegen gut am Gehölzrand zum Einsatz - und das mit majestätischer Ausstrahlung. Schach Matt heißt es vielleicht nicht für jeden König. Nächstes Mal nehme ich dann die Königinnen ins Visier.

Fotos: „Natur im Garten“, Beneš-Oeller, Leithner

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