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Immergrüne Laubgehölze

im Naturgarten

 

Immergrüne Gehölze sind in Gärten beliebt. Bei Naturschützern nicht so sehr. Das liegt daran, dass Immergrüne, von wenigen Nadelbaumarten abgesehen, in der heimischen Flora nur eine geringe Rolle spielen. Selbst Immergrüne und Wintergrüne aus Gehölzgattungen, aus denen bei uns laubabwerfende Arten heimisch sind, sind für die heimische Tierwelt kaum brauchbar. Die ist nämlich weichere Kost gewöhnt.

Der Grund, warum abseits von Nadelgehölzen kaum immergrüne Gehölze bei uns vorkommen, ist der Winter. Nein, nicht die Kälte. Unter den krautigen Pflanzen gibt es ja jede Menge immer- und wintergrüner Arten. Ihre Blätter liegen bei Schneelast einfach am Boden. Gehölze brechen, wenn die Last zu groß wird. Das merken wir, wenn es Blitzeis gibt, bevor die Bäume laubfrei sind. Dann liegen plötzlich Bäume auf Straßen und Schienen. Auch Nadelbäume sind davon betroffen. Denn ihre Selbstreinigung funktioniert nur bei Schnee, nicht bei Eis.

 

Auch ohne Laub treten Schneelasten auf.

 

Apropos winter- und immergrün. Der Unterschied ist, dass die Blätter wintergrüner Arten abfallen, sobald die neuen da sind. In strengen Wintern oder kalten Lagen verlieren manche Arten das Laub schon im Winter. Das nennen Gärtner auch halbimmergrün. Bei Gehölzen gibt es das bei Liguster und manchen Eichen. Bei Immergrünen halten die Blätter länger als ein Jahr und sie fallen nicht gleichzeitig ab, sondern nach und nach, übers Jahr verteilt.

 

Sarcococca hookeriana

 

Ich möchte mich heute den Laubgehölzen widmen. Am beliebtesten war bei uns immer der Buchsbaum. Diese ökologisch wenig wertvolle Pflanze, die schon von den Römern über die Alpen gebracht wurde, ist heute nicht mehr zu empfehlen. Sie wird derzeit von zahlreichen Krankheiten bedrängt und resistente Sorten werden erst ausgelesen. Zu den Buchsbaumgewächsen gehören auch Fleischbeeren (Sarcococca). Die kleinen Sträucher für schattige Standorte blühen je nach Standort, Art und Sorte von September bis April mit weißen, duftenden Blüten und haben im Sommer rote, blaue, violette oder schwarze, für uns giftige Beeren.

 

Verteufelt – zu Unrecht?

 

Der in Westeuropa schon länger populäre „Kirschlorbeer“, eigentlich Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus), wird nun auch bei uns populär. Und im westlichen Mitteleuropa beginnt er leider auch invasiv zu werden. Deswegen sollte man im Rheintal und westlich davon auf diese Pflanze jedenfalls verzichten. In Ostösterreich dagegen wird er klimatisch bedingt wohl noch länger manierlich bleiben, Verwilderungen sind äußerst selten. Leider muss man hier auch Naturschutzverbände des Populismus zeihen. Von Seiten des NABU etwa hört man nicht nur, dass der Sommerflieder Schmetterlinge „betrunken“ mache, sondern auch wie giftig und gefährlich der Kirschlorbeer wäre. Während es für ersteres dem Stand der Forschung nach keinerlei Anhaltspunkte gibt, ist letzteres zumindest nicht ganz falsch: Wie alle Steinobstarten enthält Kirschlorbeer Blausäure. Der Verzehr grüner Pflanzenteile sowie ausgelöster Samen kann, wie bei allen Steinobstarten, zu teils schweren Vergiftungen führen. Wieviele haben sich an den Blättern und Kernen von Kirsche, Marille, Pfirsich, Zwetschke oder Mandel schon vergiftet? Durch Hitze wird Blausäure zerstört. Gekocht könnte man solche Pflanzen also durchaus essen. Die Früchte sind bei nicht als Obstsorten selektierten Pflanzen aller Steinobstarten mehr oder weniger bitter.

 

'Lollypop' ist eine knallig gefärbte Asiatische Lilie (1a).

 

Die Bitterkeit wird durch Blausäure verursacht. Man muss aber sehr viele rohe Früchte essen, um sich zu vergiften. Bei Lorbeerkirschen weniger als bei Vogelkirschen, etwa so viele wie von der heimischen Traubenkirsche. Dennoch gelten die Früchte als essbar. Und die Kerne kann man auch verschlucken, solange man sie Samen nicht auslöst. Sie passieren viel effizientere Vogelmägen unbeschädigt – so werden sie ja verbreitet. Wenn ich also Panik mache vor der behaupteten Gefährlichkeit für Menschen und dazu aufrufe, mehr heimische Gehölze zu pflanzen, die heimischen aber nicht weniger giftig (oder sogar giftiger, wenn wir uns in anderen Gattungen umschauen) sind, ist das etwas kontraproduktiv. Auch die sonstige Unattraktivität für Insekten betrifft Blütenbesucher nicht. Die Früchte muss unsere Vogelwelt erst kennenlernen. Sie entsprechen denen der Traubenkirsche. Was bleibt ist die Bedeutungslosigkeit für pflanzenfressende Insekten und die mögliche Invasivität und damit die Verdrängung wertvollerer Pflanzen. Damit ist nicht zu scherzen. Lieber verzichten, wenn man in feuchten wintermilden Gegenden gärtnert.

 

Mahonia bealei im Arboretum der DIE GARTEN TULLN

 

Was Invasivität angeht, gibt es schlimmere Arten, etwa die Gewöhnliche Mahonie (Mahonia aquifolium), ebenfalls immergrün. Es gibt aber auch andere Mahonienarten, die nicht invasiv sind. Allerdings sollte man sich auch von Mahonia ×media und Mahonia japonica fernhalten. Erst die Einkreuzung der Japanischen Mahonie hat die Gewöhnliche Mahonie überhaupt invasiv werden lassen.

 

Welch Glanz vor meiner Hütte

 

Zurück zu den Rosengewächsen. Mit der Portugisischen Lorbeerkirsche (Prunus lusitanica) gibt es auch eine sicher nicht invasive immergrüne Art der Gattung. Auch in der Gattung der Glanzmispeln (Photinia) gibt es immergrüne Arten und Hybriden. Sie können strauch- und baumförmig gezogen werden. Im Austrieb sind die Blätter rot, was den Pflanzen ein ungewöhnliches Aussehen verleiht. Photinia ×fraseri 'Red Robin' ist die bekannteste Sorte. Die Blüten sind für zahlreiche Insekten nutzbar. Früchte werden nur von den reinen Arten in großer Zahl gebildet und bei uns, wie Mahonienbeeren, bislang nur von wenigen Vogelarten gefressen.

 

Photinia ×fraseri 'Red Robin'.

Keine Palme und nicht immer stechend

 

Wer es heimisch und immergrün will, der ist mit der Europäischen Stechpalme (Ilex aquifolium) bestens bedient. Ihre östliche Verbreitungsgrenze als Wildpflanze liegt im westlichen Wienerwald. Junge Pflanzen haben stachelige Blätter, alte ganzrandige, unbewehrte. Gartensorten gibt es mit unterschiedlichen Blattformen, aber in allen Altersstufen gleichbleibend. Starke Fröste, Hitze und Trockenheit mag die atlantische Art nicht. Besonders frostharte Auslesen sind meist Hybriden mit nordamerikanischen Arten. Für die Tierwelt ist’s egal. Auch einige nordamerikanische und asiatische Arten sind gut verwendbar, aber selten erhältlich. Die kleinblättrige Ilex crenata wird oft als Buchsersatz angepriesen. Sie verträgt aber keinen Kalk. Stechpalmen sind zweihäusig. Hat man beide Geschlechter, folgen den kleinen weißen Blüten an weiblichen Pflanzen rote Früchte. Auch selbstfruchtbare Sorten gibt es. Stechpalmen können strauch- und baumförmig gezogen werden.

 

Wilde Stechpalme in Jugend- und Altersform.

 

Wer es heimisch und immergrün will, der ist mit der Europäischen Stechpalme (Ilex aquifolium) bestens bedient. Ihre östliche Verbreitungsgrenze als Wildpflanze liegt im westlichen Wienerwald. Junge Pflanzen haben stachelige Blätter, alte ganzrandige, unbewehrte. Gartensorten gibt es mit unterschiedlichen Blattformen, aber in allen Altersstufen gleichbleibend. Starke Fröste, Hitze und Trockenheit mag die atlantische Art nicht. Besonders frostharte Auslesen sind meist Hybriden mit nordamerikanischen Arten. Für die Tierwelt ist’s egal. Auch einige nordamerikanische und asiatische Arten sind gut verwendbar, aber selten erhältlich. Die kleinblättrige Ilex crenata wird oft als Buchsersatz angepriesen. Sie verträgt aber keinen Kalk. Stechpalmen sind zweihäusig. Hat man beide Geschlechter, folgen den kleinen weißen Blüten an weiblichen Pflanzen rote Früchte. Auch selbstfruchtbare Sorten gibt es. Stechpalmen können strauch- und baumförmig gezogen werden.

 

Giftige Schönheiten

 

 

Lorbeer-Seidelbast.

 

 

Papier-Seidelbast gehört zu den wenigen hochwüchsigen Seidelbastarten.

 

Ebenfalls heimisch und immergrün ist der Lorbeer-Seidelbast (Daphne laureola). Er wächst in warmen Edellaubwäldern und hat grüngelbe Blüten im Frühling, denen schwarze Früchte folgen. Wie alle Seidelbastarten ist er tödlich giftig. Dennoch handelt es sich um einen hübschen, meist nur kniehohen, im Garten bis einen Meter hohen Kleinstrauch, der von Bestäubern und einigen Vogelarten geschätzt wird. Und er läuft niemandem nach, um ihn zu vergiften. Bis einen Meter hoch werden auch Daphne tangutica mit hellrosa Blüten von März bis April, der Garten-Seidelbast (Daphne ×burkwoodii) mit hellrosa Blüten im Mai, der Pontische Seidelbast (Daphne pontica) mit grünen Blüten von Frühlingsbeginn bis Spätsommer und Daphne ×transatlantica mit hellrosa Blüten von Juni bis August. Der Papier-Seidelbast (Daphne bholua) mit hellrosa Blüten von Dezember bis März kann bis zu 4 m hoch werden. Die Früchte der Seidelbast-Arten sind rot oder schwarz. Es gibt zahlreiche weitere immergrüne Arten. Eine Besonderheit ist der Nordjapanische Seidelbast (Daphne jezoensis) schattiger sommergrüner Wälder. Seine Blätter erscheinen im Herbst und fallen im Sommer ab. Die gelben Blüten erscheinen von November bis März. Alle Arten, auch die sommergrünen, haben gemeinsam, dass sie selten angeboten werden. Die Blüten werden vorwiegend von Schmetterlingen, bei einigen Arten auch häufig von Hummeln bestäubt. Bei wenigen Arten spielen auch andere Bienen eine Rolle. Alle Arten der Gattung sind sehr attraktive Gartenpflanzen mit duftenden Blüten, aber leider selten erhältlich.

 

Herbstblüten

 

Heimisch und bei den Gehölzen gerne vergessen: Efeu (Hedera). Schließlich ist er eine Kletterpflanze. Stimmt schon, aber nur in der Jugendform. Stecklinge der Altersform werden niemals wieder klettern. Sie werden schöne immergrüne Sträucher. Ihre herbstlichen Blüten locken, wie bei  allen Araliengewächsen, eine Vielzahl an Bestäubern an, die Beeren im Frühjahr Vögel. Das Laub ist ein idealer Überwinterungsplatz für Zitronenfalter und Vögel brüten auch gern im Geäst. Man muss Strauchefeu nicht selbst aus Stecklingen ziehen. Er ist unter der Zusatzbezeichnung Arborescens auch in Baumschulen erhältlich. Leider meist nur in der Wildform der heimischen Art – wer buntblättrige Sorten möchte, muss wirklich selbst Stecklinge ziehen. In milden Lagen ist auch die nächstverwandte Japanische Zimmeraralie (Fatsia japonica) immergrün. Früher beliebte Zimmerpflanze, wird sie heute zwar noch häufig angeboten, überlebt aber unsere im Winter viel zu hohen Raumtemperaturen kaum. Probieren Sie es draußen! Auch sie blüht im Herbst. Es gibt auch eine Hybride zwischen Efeu und Zimmeraralie, die Efeuaralie (×Fatshedera lizei). Sie ist seltener als Zimmerpflanze erhältlich. 2018 habe ich einen kleinen Steckling im Arboretum der DIE GARTEN TULLN ausgepflanzt. Gestern entdeckte ich die ersten Blütenknospen. Sie ist leider etwas anlehnungsbedürftig. Obwohl sie nicht klettert, muss sie dennoch gestützt werden, um nicht umzufallen.

 

Efeu

 

Efeuaralie schickt sich an zu blühen

 

 

Die Zimmeraralie ist in vielen Gegenden winterhart.

 

Ölbaumgewächse sind dufte

 

Vom Liguster (Ligustrum) gibt es sommer- und wintergrüne Arten und Sorten. Meist wird Liguster leider als Formschnittgehölz missbraucht. Lässt man ihn frei wachsen, erfreuen sich zahlreiche Insekten an seinen duftenden Blüten und Vögel an den Früchten.

 

Osmanthus heterophyllus 'Goshiki' wird häufig angeboten und ist recht winterhart.

 

Duftblüten (Osmanthus) ähneln grob den Stechpalmen, gehören aber wie der Liguster zu den Ölbaumgewächsen. Ihre weißen bis gelben, stark duftenden Blüten erscheinen je nach Art im Herbst, Winter oder zeitigen Frühling. Die Blätter können stachelig sein, oder eben auch nicht. Leider sind nicht alle angebotenen Arten und Sorten ausreichend winterhart für kühle Lagen.

 

Eichen sollten aus Gärten nicht weichen

 

Immer- und wintergrüne Eichen gibt es zahlreiche. Leider sind nur wenige winterhart und noch weniger mit etwas Mühe erhältlich. Es gibt unter den Eichen nicht nur riesige Bäume, sondern auch Kleinbäume und Sträucher. Strauchförmig ist die wintergrüne Bambus-Eiche (Quercus myrsinifolia) mit ihren länglichen, an breitblättrigen Bambus erinnernden Blättern. Auch sie steht im Arboretum in Tulln, hat aber im trockenen Auspflanzjahr  2018 stark gelitten und sich noch nicht ganz erholt. Eine Kreuzung der aus dem Mittelmeerraum bekannten Stein-Eiche (Quercus ilex) mit der heimischen Stiel-Eiche (Quercus robur) ist die baumförmig wachsende Wintergrüne Eiche (Quercus ×turneri). Ob sie wintergrün bleibt oder ihr Laub verliert hängt davon ab, wie streng der Winter ist. Selbiges gilt auch für die Spanische Eiche (Quercus hispanica) und die Englische Eiche (Quercus ×kewensis). Auch exotische Eichen sind für die heimische Tierwelt wertvoll. Ein gesundheitliches Problem für uns stellt allerdings der Eichenprozessionsspinner dar. In Holland hat man gute Erfahrungen damit gemacht, an jeder Eiche einen Kohlmeisennistkasten anzubringen. So werden die noch unproblematischen Jungraupen sicher gefressen.

 

Die Bambus-Eiche ist kaum als Eiche zu erkennen.

 

 

Größere Bäume

 

Die Immergrüne Magnolie lässt sich einige Jahre Zeit, bevor sie blüht.

 

 

Immergrüne Magnolie im Arboretum der DIE GARTEN TULLN.

 

 

Ich möchte meine kleine Rundschau mit zwei  Bäumen beenden – die Vielfalt winterharter Immergrüner ist allerdings viel größer. Leider bieten unsere Baumschulen nur ein sehr beschränktes Sortiment. Magnolienfreunde finden unter zahlreichen immergrünen Arten auch eine in nicht zu kalten Lagen winterfeste: Magnolia grandiflora. Ihre riesigen, weißen, duftenden, sommerlichen Blüten ziehen zahlreiche Insekten an. Allerdings blüht sie erst nach ein paar Jahren. Die meisten Sorten haben rostbraune Blattunterseiten. Ein großer Baum steht in Wien am Ruprechtsplatz.

 

Der Radbaum ist selten erhältlich.

 

Zu den tollen Raritäten, die man mit viel Spucke auftreiben kann, gehört der Radbaum (Trochodendron aralioides) mit gelbgrünen, radförmigen Blüten im Mai/Juni. Er mag keine kahlfrostreichen Lagen, hält aber -20 °C problemlos aus.

 

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