Tu es

Gärtnern ohne Torf

Wozu eigentlich?

 

Die Sonnenstunden nehmen zu, die Vögel zwitschern und die ersten Insekten sind schon flatternd, summend und brummend in unseren grünen Wohnzimmern unterwegs. Die Gartensaison 2021 steht vor der Türe und die Vorfreude, endlich wieder selbst angebautes pflanzen, ernten und genießen zu können, wächst mit jedem warmen, kräftigen Sonnenstrahl. Voll Euphorie werden sämtliche für den Saisonstart benötigten Utensilien und Materialien gesichtet und alle Jahre wieder steht vor allem eins ganz oben auf der Einkaufsliste: Erde kaufen. Die Auswahl an Pflanzerden ist groß, angesichts des breiten Sortiments stellt sich vor Ort die Frage: was nehm ich nur, was nehm ich nur? Nun, die Entscheidungsgrundlage hat viele Aspekte, doch einen möchte ich euch ganz besonders ans Herz legen: welches Substrat ihr auch immer kauft, greift bitte ausschließlich zu torffreien Produkten. Jetzt stellt ihr euch bestimmt die Frage: torffrei - warum eigentlich, ist doch ein Naturprodukt - oder?

 

 

Ja das mit dem Naturprodukt stimmt grundsätzlich… ABER: der Abbau von Torf ist etwas, womit ihr ganz bestimmt nichts zu tun haben wollt:

…natürliche Moore erbringen Topleistungen in puncto Klimaschutz: sie sind die größten CO2 Speicher der Welt. Obwohl Moore und Feuchtgebiete nur 3% der Landfläche auf der Erde ausmachen, liegen dort 30% des gesamten in der belebten Umwelt der Landmasse gespeicherten Kohlenstoffs gebunden. Das ist mehr als all unsere Wälder global zusammengenommen bewerkstelligen. Beim Abbau von Torf werden klimaschädliches CO2, Methan und auch Lachgas, das 300 Mal klimaschädlicher als CO2 ist, freigesetzt. Um einen konkreten Bezug zu bekommen, hier ein Beispiel im Hinblick auf die Ökobilanz von torfhaltiger versus torffreier Erde. Wird ein Blumenkisterl von 80 cm Länge mit Erde befüllt, die Weißtorf enthält, entspricht das der Freisetzung von 3,75 kg CO2 oder einer Autofahrt von 19 km. Befüllt man das Kisterl mit torffreier Erde entspricht das 0,71 kg CO2 und damit einer Fahrstrecke von 3,5 km. Über 90% des in Österreich verwendeten Torfs landet als Erde im Beet, Kübel oder Kisterl. Torffrei zu Gärtnern macht also einen wirklich beachtlichen Unterschied.

 

 

… das Vorkommen vieler seltener, speziell an diesen Lebensraum angepasster Tier- und Pflanzenarten, macht diesen Lebensraum zu etwas ganz Besonderem. Als Beispiel am Foto hier der Sonnentau, eine fleischfressende Pflanzenart. Wer jetzt noch nicht beeindruckt ist und sich an dieser Stelle denkt, ja, was geht mich der Sonnentau an, der möge in sich gehen, um die eigene Wichtigkeit und die anderer Wesen auf dieser Erde zu begreifen, und dem Sonnentau verzeihen, wenn er sagt: was gehen mich die Menschen an. Ein bisschen Spaß muss bei aller Ernsthaftigkeit der Thematik doch sein. Die Essenz dieses Sonnentau Gedankenexperiments bleibt: durch den Kauf torffreier Substrate könnt ihr einen enorm wichtigen und notwendigen Beitrag zum Erhalt und Schutz des einzigartigen Lebensraumes Moor sowie dessen besonderer Artgemeinschaft leisten.

 

 

 

Augen auf beim Erde-Kauf: Bio ist nicht gleich torffrei

 

Achtet beim Einkauf eurer Pflanzerde darauf, dass auf der Verpackung das Wort "torffrei" angeführt ist, diese Erden sind häufig mit dem Umweltzeichen oder dem "Natur im Garten" Gütesiegel gekennzeichnet. Die Bezeichnung "Bio-Erde" kann etwas verunsichernd wirken: diese Substrate können, müssen aber nicht unbedingt torffrei sein. Verzichtet ebenso auf torfreduzierte Ware, da diese trotzdem bis zu 80% Torf enthalten kann. Unsere 164 „Natur im Garten“ Partnerbetriebe bieten selbstverständlich ein breites Sortiment an torffreien Substraten.

                                                  

 

 

Warum eigentlich? – Darum eigentlich!

 

Der Verzicht auf Torf in unseren Gärten sollte absolut keine Frage der persönlichen Einstellung oder Vorliebe mehr sein. Torffrei zu Gärtnern bedeutet, dass wir Verantwortung für unsere eigene und künftige Generationen übernehmen. Die britische Verhaltensforscherin Jane Goodall sagte: Wir haben die Erde nicht von unseren Vorfahren geerbt, sondern von unseren Kindern geborgt. Mit dem aktuellen ökologischen Fußabdruck borgen wir uns die Welt nicht von unseren Kindern, wir stehlen ihnen eine lebenswerte Zukunft, die wir ihnen doch von ganzem Herzen wünschen. Jede Form der Handlung, die wir heute im Sinne eines klima- und umweltschonenden Denkens setzen, ist deshalb wesentlich. Gemeinsam können wir durch die Summe zahlreicher derartiger Entscheidungen - wie z.B. der, auf Torf im eigenen Garten zu verzichten – jene zukunftsorientierten Weichen stellen, welche die Einzelne oder der Einzelne nicht zu bewegen vermag.

 

 

„Natur im Garten“ begleitet dich auf dem Weg in die Torffreiheit auch gerne unter www.naturimgarten.at oder im persönlichen Gespräch mit unseren Expertinnen und Experten am „Natur im Garten“ Telefon unter 02742/74333 und gartentelefon@naturimgarten.at. Wir freuen uns, wenn auch dein Garten ab heute unter dem Motto „Torffrei – sei dabei!“ erblüht!

Psssssst: das könnt ihr natürlich gerne weitererzählen (:

 

 

 

Fotos: congerdesign (Pixabay), Herbert Aust (Pixabay), Trixie Bradley (Pixabay), Stefan Schweihofer (Pixabay), Katharina Weber (Natur im Garten), bernswaelz (Pixabay), herbert2512 (Pixabay), Anja Buchinger (Natur im Garten)

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