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Erdbeervielfalt für Balkon und...

Garten

 

Sollen es einmaltragende Erdbeersorten sein, die jedes Jahr konzentriert Ende Mai und im Juni reichlich große Früchte tragen, oder „immertragende“, die den ganzen Sommer über blühen und fortwährend etwas kleinere Früchte entwickeln - vielleicht sogar noch mit rosaroter Blütenpracht?
Oder stark Ausläufer treibende als aromatische Flächendecker für den Halbschatten im Garten?
Oder aber für das Balkonkistchen rankenlose Monatserdbeeren bzw. die zierlichen weißfrüchtigen Garten- oder Ananaserdbeeren, Pineberries, die in der vollen Sonne biologisch angebaut und gut ausgereift, ihr Aroma so richtig entfalten?

Die Auswahl ist riesig: einige Gruppen und Sorten

 

Unter den einmal tragenden Garten- oder Ananaserdbeeren (F. × ananassa) mit Ernte im Mai/Juni hat ‘Mieze Schindler‘, eine deutsche Züchtung aus dem Jahr 1925, einen einprägsamen Namen und viel Aroma, das man am besten genießt, ohne sie vorher abzuspülen, denn sie zergeht förmlich – nicht nur auf der Zunge. Während die ‘Neue Mieze‘ selbst befruchtend ist, benötigt die klassische eine Befruchtersorte in unmittelbarer Nähe, zum Beispiel ‘Korona‘, ‘Polka‘ oder ‘Senga Sengana‘ eine Züchtung der 1950er Jahre und als erste Erdbeere zum Einfrieren in die Geschichte eingegangen. Böse Zungen behaupten, sie sei nach dem Einfrieren besser als vorher.

Öfters tragende Gartenerdbeeren (F. × ananassa) mit etwas kleineren Spätsommererdbeeren wären 'Mara des Bois' und 'Aromastar‘. Durch Einkreuzung vom Sumpfblutauge entstanden Hybriden der Gartenerdbeeren mit rosaroten Blüten. Es gibt mittlerweile viele Sorten wie etwa 'Camara‘, 'Toscana' und die halb gefüllte 'Summer Breeze Rose', um nur eine kleine Auswahl zu nennen.

 

Hängeerdbeeren für Ampeln sowie Klettererdbeeren haben besonders lange, dekorative Ausläufer, die sich schwerer verwurzeln und regelmäßig an ihrer Rankhilfe befestigt werden müssen, um bis über 1 m hoch zu klimmen. Hummis ´KletterToni´ wäre eine von ihnen.

 

Die einmal tragenden Pineberries mit ihren etwa 2 cm messenden, niedlichen weißen Früchten sind reif, wenn ihre Samen rot sind und die Früchte sich leicht ablösen lassen. Sie sind keine Neuheit, sondern es gibt sie seit 1860, gezüchtet in den USA aus einer weißen Variante der Chile-Erdbeere. Die `Weiße Ananas´ oder `White Pine´ ist eine Gartenerdbeere und wird mit unterschiedlichen Namen gehandelt wie `White Albion´, `Lennig's White´, `White Albany´, `Albino´, `White Pineapple´ und `Ananas Bianca´. Mittlerweile sind als PINEBERRYTM auch Klone einer weißen Chile-Erdbeere auf dem Markt mit Namen wie, 'Natural White', 'White Dream' oder 'Snow White'.
Bis zur Vollreife soll die Frucht ziemlich säuerlich schmecken, bei Vollreife dann deutlich süßer und laut Kennern einfach köstlich.

Die Walderdbeersorte 'Yellow Alpine' mit vielen Ausläufern entwickelt gelbe würzige Früchte. Und es wird sogar noch bunter: bei der Erdbeere Variegata besitzen die türkisgrün und weiß panaschierten Blätter einen besonderen Zierwert.

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Der Handel bietet eine große Fülle. Ausläufer der originalen weißen Ananaserdbeere 'White Pine' und vieler anderer nicht geschützter Sorten sind - nach Anfrage bis Ende März und gegen eine Gebühr - je nach Verfügbarkeit in Kleinstmengen auch über die deutsche Gendatenbank bzw. das Julius Kühn-Institut zu bekommen. Die dort abrufbare Bestandsliste beinhaltet über vierhundert gängige Erdbeersorten bis hin zu Raritäten.

Zurück zu den Wurzeln

 

Die in Europa heimischen Wald-Erdbeeren (F. vesca) und Zimt- oder Moschuserdbeeren (F. moschata) sowie die aus den Walderdbeeren hervorgegangenen Monatserdbeeren (F.  vesca var. semperflorens) sind wesentlich robuster als Garten- oder Ananaserdbeeren. Letztere sind Mitte des 18. Jahrhunderts durch Kreuzung zweier Amerikanerinnen, der weißfrüchtigen Chile-Erdbeere (F. chiloensis) und der großfrüchtigen nordamerikanischen Scharlach-Erdbeere (F. virginiana) entstanden und entwickeln, wie wir alle wissen, weitaus größere Früchte.

Großfrüchtige, reich tragende Erdbeeren ermüden den Boden aber auch stärker, deshalb werden Ananaserdbeeren in der Regel nur drei Jahre auf derselben Stelle kultiviert – ob nun auf dem Gartenbeet oder im Topf. Monatserdbeeren können auch länger im selben Topf oder auch im Balkonkistchen verbleiben. Bis in den Oktober hängen ihre kleinen aromatischen Früchte immer wieder verführerisch in der Luft anstatt am Boden aufzuliegen.

 

Monatserdbeeren (F. vesca var. semperflorens) sind als Varietät der Walderdbeeren sehr robust und aromatisch und lassen sich auch leicht in Töpfen und Kübeln kultivieren. Da sie rankenlos sind, stecken sie ihre Kraft vermehrt in die Produktion von Blüten und Beeren. Sie blühen von Mai bis Oktober, entwickeln fortwährend Früchte und werden daher auch immertragend genannt. Klassiker dieser Art sind die Sorten 'Rügen‘ mit roten und 'Fraise des Bois' mit köstlichen weißen Früchten.

 

Flächendecker für den Garten

 

Wald- und Zimt-Erdbeere kommen bei uns an Waldrändern vor - auf frischen, aber gut durchlässigen, nährstoff- und humusreichen Böden in Sonne bis Halbschatten. Die Zimt-Erdbeere, auch Moschuserdbeere genannt, benötigt besonders geschützte Standorte, wo Spätfröste abgemildert werden. Dafür verträgt sie aber auch von allen Erdbeerarten den meisten Schatten und kann dort dichte Rasen bilden. Wegen ihres ganz besonderen Aromas wurde sie jahrhundertelang in Europa kultiviert und war Im 19. Jahrhundert die meist angebaute Gartenerdbeere Europas.

Im Gegensatz zur Walderdbeere ist sie zweihäusig getrenntgeschlechtig. Das heißt, es gibt männliche und weibliche Pflanzen. In Kultur finden sich aber auch Exemplare mit zwittrigen Blüten, die durch Kreuzungen entstanden sind. Die Sorte 'Capron' etwa lässt sich zurückverfolgen bis ins Jahr 1576. Weitere zwittrige Kultivare sind 'Askungen’ (Aschenbrödel auf Dänisch), und ‘Marie Charlotte’ ('Hans’). Weibliche Kultivare wie 'Profumata di Tortona' und ‘Bauwens’ benötigen einen zwittrigen oder männlichen Befruchter wie etwa ‘Cotta’

Als flächendeckende Erdbeerwiese mit vielen Ausläufern für Sonne bis Halbschatten gibt es auch Vescana Erdbeeren (F. x vescana) im Handel, die über dem Laub blühen und fruchten, etwa die Sorten 'Spadeka' und der Klassiker 'Florika' aus dem Jahr 1967. Es handelt sich dabei um eine Kreuzung aus Ananas- und Walderdbeere.

Ein Herz für Töpfe und andere Gefäße

 

Da Erdbeeren Flachwurzler sind, können sie sehr gut in Gefäßen kultiviert werden. Als Substrat eignet sich Laubkompost mit etwas Sandanteil oder torffreie Bio-Beerenobst-, Naschgarten oder Tomatenerde aus dem Handel, die bereits gut mit Kali versorgt ist.

Außer Töpfen und Kistchen kommen auch kreative bis pragmatische Lösungen in Frage wie

Palettenrückseiten, vertikal oder horizontal angebrachte dicke Rohre mit Löchern für die Pflanzen und integrierter Bewässerung, die Pflanzung direkt in Substratsäcke, textile Pflanztaschen oder Ampeln aus diversen Materialien zum Aufhängen, warum nicht auch mal ein ausrangiertes Sieb mit einem dicken Wollvlies als Wasserspeicher am Boden?

Worauf es bei Pflanzung, Pflege und Vermehrung der Erdbeeren sonst noch ankommt, erfahren Sie in einem weiteren Blog zu diesen Themen Ende Juli. Bis dahin gilt es noch einige süße Früchte zu genießen.

Freude an der Topfkultur

 

Alle erwähnten blütenreichen Kletterer schätzen eine gute Wasserversorgung, mögen aber keinesfalls Staunässe. Deshalb sollte man auf einen guten Wasserabzug achten und humusreiches Substrat mit Sandanteil verwenden, welches die Feuchtigkeit gut hält und dabei gut durchlässig ist. Für die Pflanzung im Topf sollte dieser ausreichend groß sein - vor allem für die tief wurzelnde Rose, von der nur sehr robuste Sorten für Töpfe bestimmt sind – aber auch für alle anderen Kletterer, damit ein genügend großer Wasserrückhalt im Substrat gegeben ist. Je höher hinaus sie wachsen sollen, desto mehr Volumen ist erforderlich. Für die Topfkultur von Kletterpflanzen ist darüber hinaus eine automatische Tröpfchenbewässerung sehr zu empfehlen, damit der Wurzelballen nicht austrocknet.

 

 

 

Fotos: Haiden, Benes-Oeller, Leithner

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