Tu es

Bohnen verfrühen?

Die passende Bohne für alle Fälle

 

Bohnen sind eiweißreich, nahrhaft und gesund und für Veganer geradezu unverzichtbar. Ich selbst hänge der essbaren Vielfalt an, zu der aber unbedingt auch die verschiedenen Bohnen zählen:

Reife, ausgelöste Gartenbohnen etwa in der mexikanischen (Taco, Burrito und Co.) oder Dicke Bohnen in der Orientalischen wie auch Norddeutschen Küche, zarte Fisolen als Beilage zum Braten oder in der Minestrone bis hin zu fernöstlichen Sojabohnengerichten, von denen ich eines auf einer Asienreise als leichten Snack kennengelernt habe:  Edamame – auf japanisch "Stängelbohnen" – vor der Reife nur kurz gegarte, mit Salz bestreute grüne Sojahülsen – einfach köstlich!

 

 

Bohnen sollten jedenfalls vor dem Genuss gegart werden, um die in ihnen im Rohzustand enthaltenen gesundheitsschädlichen Lektine abzubauen. Dann sind Konsistenz und Geschmack von Bohnen wahrhaft unvergleichlich - weich gegart und doch mit Biss, einerseits sämig, andererseits knackig. - Ich liebe sie. Und selbst wenn jedes „Böhnchen zum Tönchen“ werden sollte, will man sie einfach nicht missen.

 

Welche ist die erste?

 

Bohnenart Aussaatzeit im Freiland Kulutr-Dauer Monate Abstand zwischen Reihen Abstand in den Reihen in cm Höhe der Pflanen in cm
           
Dicke / Acker- / Sau- / Pferde- / Puffbohne (Vicia faba) März bis Mai 3 - 4 50 10 50 - 100
           

Sojabohne

(Glycine max)

Mitte April bis Mitte Mai 3 - 4 35 10 20 - 80

 

         

Buschbohne

(Phaseolus vulgaris)

 

Ende April bis Mitte Juli 2 - 3 40 5-10 30 - 70

 

         

Reiserbohne / niedrige Stangenbohne (Phaseolus vulgaris)

Mitte Mai bis Mitte Juli 2,5 - 5 70 - 150

 

         

Kletter- / Rank- / Stangenbohnen

(Phaseolus vulgaris, Phaseolus coccineus)

 

Mitte Mai bis Mitte Juli 2,5 - 5 200 - 350

 

         
Spaghetti-/ Spargelbohne (Vigna unguiculata) bis 90 cm lange Schoten

 

Im Glashaus- ab April

(Tag > 20°C Nacht > 15°C)

2 – 4 200 - 250

 

 

Der Dicken Bohne wird nicht so leicht kalt

 

Die Dicke Bohne (Vicia faba) aus der Gattung der Wicken stammt im Gegensatz zur Gartenbohne nicht aus Amerika, sondern wurde schon vor Jahrtausenden im Mittelmeerraum kultiviert und gelangte von dort weiter nach Norden. Ein Anbauschwerpunkt entstand an der Nordseeküste, weil sie als einzige Hülsenfrucht auf salzigen Böden in Küstennähe gedeiht. Im Mittelalter wurde ihre großsamige Varietät ein Hauptnahrungsmittel in Europa. Seit dem 17. Jahrhundert aber wurde sie, die auch unter den Bezeichnungen Acker-,  Sau- , Pferde- und Puffbohne bekannt ist, durch die aus Amerika eingeführten Gartenbohnen der Gattung Phaseolus verdrängt und hielt sich nur mehr lokal als Speisebohne, bis sie in den letzten Jahrzehnten ein kleines Comeback feierte.

 

 

Da sie sehr kälteverträglich ist, kann sie schon ab März im Freiland kultiviert und ab Juni beerntet werden. Meine Kollegin Simone Kolbinger hat in ihrem Garten am 26.4. ein Foto aufgenommen von der Ansaat Anfang März. Eine Verfrühung ist hier wirklich nicht angebracht.

 

Die Sojabohne auf Siegeszug von Ost nach West

 

Die aus Ostasien stammende Sojabohne (Glycine max) ist gleich als nächste dran. Sie kann im Weinbauklima im Freiland von Mitte April bis Anfang bzw. spätestens Mitte Mai angebaut werden, sobald sich der Boden, der humos, locker und tiefgründig sein sollte, auf zehn Grad Celsius erwärmt hat. Sie benötigt einen sonnigen und windgeschützten Standort, steckt Spätfröste bis -5°C aber trotzdem meist weg. Empfindlich reagiert sie - wie alle Bohnen - auf Staunässe. Als einzige Kurztagpflanze unter den Bohnen blüht sie im Sommer, wenn die Tage wieder kurz genug dafür sind. Wird sie zu spät angebaut, verzögern sich Blütenanlage und Samenbildung.

 

Buschig und klein vom Wuchs – aber oho

 

 

 

Wer schon möglichst bald klassische Fisolen ernten möchte, dem seien die unkomplizierten Buschbohnen (Phaseolus vulgaris) ans Herz gelegt – zart und schmelzend. Sie können im Freiland schon ab Ende April und bis Mitte Juli gesät werden und brauchen nur etwa zwei Monate bis zur ersten Ernte. Sie sind robust und ertragreich und machen sich sogar im Balkonkistchen an sonniger Stelle gut, noch besser natürlich in einem großen Topf, im Hochbeet oder natürlich im Freiland.

 

Die Kletterkünstler lassen sich länger bitten

 

 

 

Von der Gartenbohne (Phaseolus vulgaris) gibt es nicht nur buschförmige Varietäten, sondern auch höher rankende, die allerdings erst nach den Eisheiligen gelegt werden. Werden sie zu früh angebaut (oder zu tief gelegt), kann es vorkommen, dass keine einzige Pflanze davon erscheint.

Die nur maximal 150 cm hoch werdenden „Reiserbohnen“ kann man wie Erbsen an Zweigen kultivieren, die man in den Boden steckt. Besonders hoch ranken dafür die rot blühenden Prunk- bzw. Feuerbohnen (Phaseolus coccineus) – zum Beispiel die berühmte steierische Käferbohne. Ihnen wird eine höhere Kältetoleranz und Robustheit nachgesagt. In ihrer amerikanischen Heimat wachsen sie sogar mehrjährig. Erst im 16. bis 17. Jahrhundert fanden sie den Weg nach Europa und in unsere Gärten.

 

 

Grundsätzlich sind Stangenbohnen auch als rankende Begrünung auf Balkon und Terrasse geeignet, neigen aber an hitzestauenden Plätzen zu Spinnmilbenbefall. Ein ausreichend großer Topf mit durchlässigem Boden und regelmäßige Wasserversorgung bieten dagegen eine gute Basis.

 

Eine Mimose aus der Alten Welt

 

 

Am meisten Wärme braucht die aus Afrika stammende Spaghetti- oder Spargelbohne (Vigna unguiculata). Sie liebt Temperaturen von 25 bis 35°C, rankt etwa 2 bis 2,5 m hoch und bekommt bis 90 cm lange Hülsen, die in der Asia-Küche begehrt sind. Die Pflanzen werden bei uns ab April im Gewächshaus kultiviert oder zumindest vorkultiviert, um sie in milden Gegenden Ende Mai auszupflanzen. Sie werden unreif geerntet.

 

So gelingt die Vorzucht

 

 

 

Für die Vorzucht steckt man üblicher Weise jeweils zwei Bohnen 2 bis 3 cm tief in einen zumindest 8 cm hohen Topf mit nährstoffarmer Anzuchterde. Man kann die Bohnen  auch einzeln in Töpfe säen, besser geeignet sind für mich aber mit Erde gefüllte Klorollen, die dann gleich mitausgepflanzt werden. Auch im Freiland kommen sie übrigens nur so tief, dass sie die Glocken noch läuten hören, aber nicht das Elferläuten. Etwa doppelte Bohnendicke an Erde locker auf sie zu häufen, sollte ausreichen. Es soll auch nicht zu viel sein. Das Samenpäckchen gibt ebenfalls Aufschluss darüber.

Besonders wohlmeinende Naturgärtnerinnen legen die Bohnen vor der Ansaat ein paar Stunden in kalten Kamillen-, Komposttee oder in ein Gemisch aus Wasser mit Rohmilch, damit die harte Schale schon einmal aufquillt und die Samenoberfläche von hilfreichen Mikroorganismen besetzt wird. Einfach nur Wasser kann aber auch schon zur Keimungsbeschleunigung beitragen.

Optimistinnen  versehen jedes Pflanzgefäß gleich bei der Ansaat mit einem langen, zarten Steckerl / Stäbchen als Rankhilfe. Pessimistinnen tun dies erst, sobald der Same keimt. Dann kann man den Bohnen noch etwa zwei Wochen beim Wachsen zusehen. Es macht wenig Sinn, viel mehr als drei Wochen vor dem ersehnten Pflanztermin mit der Vorzucht zu beginnen, sonst könnten uns die Pflänzchen im Topf schon über den Kopf wachsen und das Entwirren fürs Auspflanzen fällt schwerer.

 

„Also auf ans Einlegen und Zack, die Bohne!“

 

 

Fotos: Leithner, Kolbinger, Benes-Oeller, Haiden, pixabay

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