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Upside down you're turning me: Der Bärlauch ist eine völlig verkehrte Pflanze!

Die bunte Welt der Restlichtverstärker

Wie Pflanzen im Dunkeln munkeln

Normalerweise ist das Chlorophyll in den Blättern der Blattunterseite näher als der Blattoberseite, damit es vom UV-Licht nicht zerstört wird. Im lichten Wald ist der einfachste Trick, die Blätter umzudrehen. Bei breitblättrigen Waldgräsern wie der Wald-Trespe und anderen kann man eine schraubige Halbdrehung der Blätter erkennen. Die Blattunterseite ist dann oben, das Licht dringt sofort zu den Chlorophyllzellen. Die Blattunterseite wird so von Nichtbotanikern für die Blattoberseite gehalten. Die Schusterpalme benötigt keine Drehung. Ihre Blätter wachsen einfach vom unterirdischen Rhizom weg „in die falsche Richtung“. Auch Bärlauch trägt die Blattunterseite oben.

Deutlich sieht man an der Säule der Blüte einer Nachtfalterorchidee oder Malaienblume (Phalaenopsis) den spitzen, nach unten gerichteten Säulenlappen.

Funkelnde „Blattnerven“ der Juwelenorchidee Macodes petola

Pflanzen bauen mitunter auch Linsen ein, die das Licht bündeln und auf die Chloroplasten zu fokussieren. Das ist das Geheimnis der hellen Zeichnung der Blätter von Alpenveilchen oder Kolbenfaden. Hier sitzen die Linsen in bzw. unter der Epidermis und sind luftgefüllt. Bei stärkerem Frost, wenn die Blätter winterharter Zyklamen steif frieren, dehnt sich das zum Frostschutz von den Zellen ausgeschiedene Wasser in den Zellzwischenräumen so weit aus, dass auch die Linsen mit Eis gefüllt sind. Dann erscheinen die Blattoberseiten gleichmäßig grün. Bei der Juwelenorchidee Macodes petola sind die Linsen im Blattgewebe integriert und sehen aus, als wären sie Blattnerven. Es sind Hochleistungslinsen, Brenngläser sozusagen, die Licht bündeln und dem im Linsenbrennpunkt konzentrierten Chlorophyll zuführen. Sie funkeln im Blitzlicht wie die blaugrünen Moosfarne oder die Pfauen-Begonie.

Marantengewächse, hier Maranta leuconeura 'Fascinator', wachsen in finsteren Regenwäldern mit hoher Luftfeuchtigkeit. Daher sind sie bunt und als Zimmerpflanzen beliebt, aber kaum länger am Leben zu erhalten.


Um auch Streulicht in das Blatt zu reflektieren, kann es auch ringsum rot bis violett behaart sein, wie etwa bei der in Urgroßmutters Blumenfenster noch regelmäßig zu Gast gewesenen Gynura. Matte Blattoberflächen, etwa bei Marantengewächsen, streuen das Licht und sorgen dafür, dass es nicht auf direktem Weg ins Blatt einfällt. Dadurch wird der Weg durch chlorophyllhaltige Teile länger und das Risiko, dass Licht ungenutzt das Blatt durchdringt, geringer.

Tausendsassa: die Juwelenorchidee Ludisia discolor


Zu den besonderen Lichtsammlern, die alle Register ziehen, gehören neben den Marantengewächsen auch die Juwelenorchideen. Ludisia discolor etwa hat samtig schwarzgrüne Blätter, die kaum Licht reflektieren und dadurch wahre Lichtmagneten sind. Ihre Blattunterseiten und bei manchen Pflanzen auch die chlorophyllfreien Blattnerven sind rot, um Rotlicht in chlorophyllhaltige Zellschichten zu reflektieren. Die samtige Blattoberfläche streut das einfallende Licht.

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