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Bewässern auf Balkon

und Terrasse

 

Wasser fließt bekanntlich nicht bergauf, und sommerliche Hitze und Wind wirken sich auf ausgesetzten süd- bis westexponierten Balkonen oder Terrassen besonders stark aus. Aufgrund von Lichtreflektionen, der Wärmespeicherung in den umgebenden Baumaterialien bzw. Windkanälen und Wirbeln steht die Bewässerung auf Balkonen und Terrassen, insbesondere Dachterrassen vor Herausforderungen. Bereits die Pflanzenwahl sollte deshalb den extremen Bedingungen dieser Standorte angepasst sein.

 

 

Oft kommen für kleinflächige Tröge und Beete in luftiger Höhe Tropfbewässerungen zum Einsatz, die bei geringer Dimensionierung mit weniger Druck auskommen können als großflächige Beregnungssysteme. Das ist gut so, überhaupt in höheren Stockwerken. Herkömmliche Hauswasseranschlüsse weisen im Erdgeschoss meist einen Druck von etwa 3,5 bar auf. Auf jedem Höhenmeter, den das Wasser nach oben gelangt, gehen 0,1 bar Druck verloren - ebenso pro Winkel, Verbindungsstück und pro 80 Laufmetern Wasserrohr bzw. Schlauch durch Reibungsverluste. Wenn das Wasser eine eingebaute Ventilbox bzw. einen Bewässerungscomputer passiert, können gar etwa 0,3 bar auf der Strecke bleiben. Für Wasserrohre bieten deren Hersteller Tabellen zum Nachschlagen der Druckverluste an. Im Sinne der Umwelt sind PP-, HDP- und PE-Rohre dem PVC vorzuziehen, das gesundheitsschädliche Weichmacher enthält.

 

Gießen ohne Wasseranschluss

 

Ohne Wasseranschluss am Balkon könnte man einen größeren Wasserbehälter installieren und daraus eine Tröpfchenbewässerung speisen. Das hat nebenbei den Vorteil, dass das Gießwasser vortemperiert und nicht eiskalt zu den Pflanzen gelangt. Steht ein Fallrohr zur Verfügung, kann Regenwasser über eine Fallrohrklappe mit Überlaufschutz gesammelt werden, ansonsten muss regelmäßig mit dem Schlauch vom nächstliegenden Hahn nachgefüllt werden. Es gibt bereits Behälter in verschiedensten Formen, sogar mit integriertem Pflanzgefäß und Hahn. Um eine Gelsenzucht zu vermeiden, sollte man Regentonnen immer mit Deckeln versehen. Stehen sie sonnenexponiert, ist helles Material zu bevorzugen, jedenfalls keine schwarzen Behälter und Deckel.

 

 

Befindet sich der Behälterboden über dem Erdniveau der Töpfe, kann ohne Pumpe gearbeitet werden – z.B. über Tonkegel mit Ansaugschläuchen. Diese sollten am Ansaugende mit einem Filter versehen und am Boden des Behälters befestigt sein, um nicht aufzuschwimmen.

Für den Einsatz einer Pumpe braucht es einen Stromanschluss oder aber Solartechnik. Dabei betreibt ein Solarpaneel mit integriertem Akku eine Pumpe, die im Trog schwimmt und mit einem Wasserstandssensor verbunden ist, der bei zu wenig Wasser einen schrillen Ton erzeugt. Da die Akkus nur eine Lebensdauer von 1 bis 2 Jahren haben, empfehlen die Hersteller, vor dem Urlaub sicherheitshalber einen neuen Akku einzusetzen.

Für die Tröpfchenbewässerung werden unterschiedlichste Bauteile angeboten wie Tropfschläuche, oberirdische oder versenkte Tropfer, Kleinflächensprühdüsen direkt auf der Erde, Streifendüsen oder auf verschiedene Stufen einzeln regulierbare Reihentropfer

 

Kleine Lösungen für die Überbrückung

 

Auf Nordbalkonen ohne Wasseranschluss oder –behälter können Minibewässerungen für Einzeltöpfe die Pflanzen zumindest übers Wochenende retten wie etwa

·         Tonkegel oder Tropfsysteme mit Flaschen oder lustigen Behältern zum Aufsetzen

·         Als einfache schnelle Lösung, kann man in den Deckel einer Kunststoffflasche kleine Löcher bohren und die gefüllte Flasche mit dem Deckel nach unten in die Erde stecken

·         Unglasierte Tongefäße oder mit Löchern versehene recycelte Behälter können eingegraben werden als Tiefen- oder Wurzelbewässerung:  

Die Olla (ausgesprochen `Oja´), eine vergrabene dickbauchige Tonvase, die regelmäßig mit Wasser gefüllt wird, ist ein uraltes System aus heißen Wüstengegenden. Es gibt Ollas fertig zu kaufen für Gemüse- oder Hochbeete. Man kann aber auch zwei Tontöpfe mit der Öffnung zueinander mit Fliesenkleber oder Silikon zusammenkleben. Der untere Topf sollte kein Abzugsloch haben oder es wird ebenfalls zugeklebt, über das obere Loch wird gegossen. Die Gießöffnung sollte abgedeckt werden, um Gelsen nicht zu fördern.

Die gute Basis

 

Voraussetzung für das gute Gedeihen der Pflanzen unter den extremen Bedingungen auf Balkon und Terrasse ist ein Mindestmaß an Wurzelraum mit genügend Wasserrückhalt, damit nicht täglich gegossen werden braucht. Im Rahmen von Dachbegrünungen wird für Sträucher eine Substratstärke von etwa 50 cm empfohlen, für Gemüse mindestens 30 cm, für Kräuter mindestens 15 bis 20 cm. Für den genügsamen Mauerpfeffer, der Wasser in seinen sukkulenten Blättern speichert, reichen 7 cm Tiefe. Diese Angaben sind durchaus auf Töpfe übertragbar, die dann ebenso breit wie hoch ausfallen sollten. Sind sie porös, etwa aus unglasiertem Ton, und dadurch auch seitlich der Verdunstung ausgesetzt, kann man ruhig noch mal zwanzig Prozent draufschlagen.

Eine Kletterpflanze, die höher hinauswachsen soll, bekommt übrigens idealer Weise 1 m3 Wurzelraum zur Verfügung. Für Bäume auf (Tiefgaragen-)Dächern werden gar 1,5 m Substratstärke empfohlen, zugegeben eine illusorische Vorgabe für einen normalen Balkon.

Natürlich muss auch die Statik des Balkons oder der Terrasse berücksichtigt werden bei der Auswahl der Behälter. Dafür geht man vom Gesamtgewicht im wassergesättigten Zustand aus.

 

 

 

Kluge Gefäße und kleine Gruppen

 

Pflanzgefäße am Balkon benötigen zumindest einen Ablauf und einen Untersetzer. Befüllt werden die Töpfe zuunterst mit durchlässigem Material wie Blähton als Drän- und Speicherschicht, die etwa bis auf Höhe der Oberkante des Untersetzers reicht. Darüber kommt ein Vlies, um zu verhindern, dass Feinerde bis zum Boden rieselt, dort zusammenpappt und quasi einen Stöpsel formt oder sich unschön auf dem Terrassenboden verteilt. Smarte Gefäße bieten einen Wasserspeicher für die Anstaubewässerung. Balkonkistchen mit Wasserreservoir und Wasseranzeige werden von unten gegossen, sobald sich die Pflanzen tief verwurzelt haben. Alternativ kann ein Wasserspeichervlies z.B. aus Wolle, ganz unten im Blumenkistchen als Rückhalt dienen.

 

 

Bei besonders intelligenten Gefäßen für mehrjährige Bepflanzungen kann man sogar zwischen Sommer- und Winterauslässen wechseln. Erstere befinden sich seitlich etwas höher oben am Gefäßrand, um ein Wasserreservoir zu schaffen, zweitere möglichst weit unten, sodass im Winter keinerlei stehendes Wasser verbleibt. Je nach Bedarf werden die oberen oder unteren Auslässe verschlossen. Letztlich durchstoßen die Pflanzen nämlich auf der Suche nach Feuchtigkeit das Vlies und durchwurzeln auch die Dränschicht.

Das Substrat sollte luftig und durchlässig sein, aber Wasser auch gut halten und natürlich nicht zu schwer sein. Dachgartensubstrate und Trogerden bieten alle diese Vorzüge und haben einen hohen mineralischen Anteil aus Blähtonbruch, Perlit, Bims und ähnlichem – im Extensivdachgartensubstrat noch mehr als im Intensivsubstrat. Für Gemüsehochbeete darf es etwas humusreicher sein. Hochbeetmischungen arbeiten manchmal mit Stroh als leichtem Füllmaterial. Schafwollpellets dienen nicht nur als Dünger, sondern auch als Wasserspeicher. Im Frühjahr sollte jährlich mit organischem Langzeitdünger nachgedüngt werden.

 

 

Hier geht' zu den Gütesiegelprodukten oder zum "Natur im Garten" Shop. Hier finden Sie eine kleine Auswahl an geeigneten Trog-, Hochbeet- und Blumenerden, organischen Düngern und anderen Hilfsmitteln.

 

 

Dem Gießwasser kann organischer Flüssigdünger oder Komposttee zur Bodenbelebung beigemischt werden. Das ist für die Gießkannenbewässerung eine gute Option, kann aber bei automatisierten Gießvorrichtungen mit dünnen Schläuchen, Verbindungen und Düsen, zu schnellerer Verstopfung führen. Ohnehin sind Micro-Drip und –Tropfsysteme etwas störungsanfällig. Es empfiehlt sich, sie in der gießfreien Winterzeit in Essig einzulegen oder mit leichtem Druck durchzuspülen und so für die nächste Saison zu hegen und zu pflegen.

Sehr zu empfehlen ist es, Pflanzen mit ähnlichen Ansprüchen wie etwa mediterrane Kräuter in einem größeren Topf zu kombinieren, statt auf mehrere kleine aufzuteilen. Durch das Arrangieren der Töpfe in Gruppen hält die Feuchtigkeit noch länger durch die gegenseitige Beschattung und Kühlung.

Die Auswahl an Materialien und Formen ist groß. Kunststoffbehälter sind leicht, zum Beispiel umfunktionierte bunte Pferdefuttertröge, Metall erhitzt sich sehr schnell und sollte deshalb doppelwandig sein oder eine Isolierschicht im Inneren erhalten, damit die zarten Wurzeln sich nicht die „Zehen versengen“.

 

Automatisch gesteuerte Bewässerung

 

Da Bodenfeuchtemesser nur in gewachsenen Böden klaglos funktionieren, kommt man für Balkone und Terrassen nicht umhin, zu überlegen, wie oft und wieviel gegossen werden soll und anschließend den Bewässerungscomputer dementsprechend einzustellen.

So selten wie möglich, dafür aber tief durchdringend ist ja grundsätzlich die Devise.

Regensensoren können anzeigen, ob ein Bewässerungsdurchgang auch einmal entfallen darf. Sie müssen so angebracht sein, dass der Regen frei und ungehindert dazu kommt.

Moderne Bewässerungscomputer mit integriertem WI-FI / WLAN kommen ohne Regensensor aus, weil sie über das Internet mit Wetterdaten gespeist werden.

Falls im März und Oktober überhaupt gegossen werden soll, reicht sicher einmal pro Woche, im April, Mai und September wäre zweimal pro Woche günstig, im Juni, Juli und August etwa dreimal pro Woche, jeweils zeitig am Morgen, ausgenommen natürlich es hat geregnet und vorausgesetzt die Pflanzen haben ausreichend große Pflanzgefäße.

 

Für die Berechnung des Wasserbedarfs gibt es Näherungsverfahren, die beispielsweise den Wasserbedarf der Pflanzen, die Pflanzdichte und das Mikroklima und oft auch die Bodenart berücksichtigen und auf dem lokalen Referenzwert für die Verdunstung, ET0, basieren.  ET0 entspricht dabei dem Verdunstungswert einer 12 cm hohen Rasenfläche an einem bestimmten Ort und kann beim lokalen Wetterdienst für die einzelnen Monate abgefragt werden. Während dieser Referenzwert für Wien im gesamten Jänner etwa 18 mm beträgt, so sind es im gesamten Monat Juli beispielsweise 150 mm Rasenverdunstung. Aus den Berechnungen ergibt sich der Wasserbedarf für die einzelnen Monate, der für eine wasserhungrige Kletterpflanze, die 1 m2 Fläche bzw. 1m3 Volumen zur Verfügung hat, im gesamten Monat Juli beispielsweise von etwa 80 l Wasser auf einer schattig-geschützten Nordseite bis über 200 l an exponierten Stellen variieren kann. Bei drei Bewässerungsdurchgängen pro Woche erhielte unsere Kletterpflanze nach meiner Berechnung somit im Juli auf einer schattig-geschützten Nordseite etwa 6 l Wasser und an sonnen- und windexponierten Stellen etwa 16 l Wasser pro Gießdurchgang.

 

Für die Dauer der Bewässerung vor allem größerer Dachterrassen ist die Durchflussmenge und damit die verfügbare Wassermenge in einem bestimmten Zeitraum maßgeblich. Die verfügbare Wassermenge in m3/h bestimmt man entweder mit einem Durchflußmesser oder mittels Näherungsmethode. Dafür befüllt man einen Eimer mit Wasser, multipliziert dann den Inhalt des Eimers in l mal 3,6 und dividiert durch die benötigte Zeit zum Befüllen in Sekunden.

 

Wasser sparen leicht gemacht

 

Der Gießaufwand kann merklich reduziert werden durch die Aufbringung von bis zu mehrere cm dicken Mulchschichten wie etwa Stroh-, Hanf- oder Flachshäcksel, Holzfasern, Rasenschnitt, Mulchmatten aus Kokos und anderen Materialien oder aber Kies, Schotter oder ähnliches. In der Früh gegossen, verdunstet weniger Wasser.

Oberflächliches Hacken der Erde kann ebenfalls die Verdunstung reduzieren, weil entsprechende Aufstiegskanäle in der Erde durchbrochen werden.

In unserer Broschüre über das Gärtnern auf Balkon und Terrasse finden sich weitere praktische Tipps zur Gestaltung und Pflege auf Balkon und Terrasse:

 

 

 

Fotos: Leithner, Kropf, Benes-Oeller

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