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Bäume im Winter erkennen

Der feine Unterschied

Manche Bäume sind in der kalten Jahreszeit relativ leicht an ihren markanten Stämmen erkennbar - an der typischen Ausformung und Färbung ihrer Borke wie etwa Birke, Buche oder Kirsche.

Andere erleichtern uns die Bestimmung, wenn noch ein paar vertrocknete Blätter an ihren Zweigen haften, wie es etwa bei Buchen, Hainbuchen und Eichen vorkommt – oder übriggebliebene, von Reif überzogene Samenstände wie hier die der Linde.

Auch das Gesamtbild, der Habitus und die Wuchsform offenbaren einiges und nicht zuletzt die Zweige und Knospen. Im Zweifelsfall lohnt sich auch die Suche am Boden nach Blatt- und Samenresten vom vergangenen Jahr. - Wenn sie sich gehäuft unter dem Baum finden und nicht von weither angeweht kamen, können sie Klarheit schaffen.

Typische Stammbilder - Borke & Co.

Die Rotbuche wurde zum Baum des Jahres 2022 gekürt. Sie ist gut erkennbar an der hellgrauen, dünnen Rinde am glatten Stamm, der viele Meter unverzweigt nach oben wächst, wenn die Bäume im Forst dicht gepflanzt wurden und um Licht konkurrierend in die Höhe streben. Stehen sie einzeln, verzweigen sie sich auch schon mal weiter unten und werden im Alter breit ausladend. Die glatte graue Hülle aber bleibt die gleiche.

Der typische weiße, wie Satin schimmernde, hautartige Überzug vieler Birkenarten dagegen löst sich teilweise ab, platzt horizontal auf und legt die darunterliegende Korkschicht in Form dunkler Lentizellen (Korkporen) frei, die sich horizontal vergrößern können. Auch die Kirschen (und andere Arten der Gattung Prunus) haben eine auffällig glatt glänzende, dunkle Oberfläche mit einem typischen Muster aus Lentizellen quer zum Stamm bzw. dickeren Ästen. Werden sie älter, reißt sie allerdings auch mehr und mehr auf.

Stammbilder von Buche, Birke und Kirsche

Die Hainbuche hat auch eine relativ glatte Rinde, ihr Stamm ist aber vom Querschnitt her weniger rund als bei der Rotbuche, sondern wellig und dellig. Oft verzweigt sie sich schon weit unten oder bildet mehrere Stämme:

Die Borke von Linde und Eiche ist im Vergleich viel dicker und schuppig-längsrissig, die der Kastanie schuppig:

Stammbilder von Linde, Eiche und Kastanie

Besonders einprägsam ist das Army-Muster der Platane, die Walnuss wiederum hat auch eine eher glatte graue Borke – wie ein Elefantenfuß. Flechten auf der Rinde stellen übrigens kein Problem für den Baum dar und sind grundsätzlich ein Zeichen für gute Luftqualität:

Platane links, Walnuss rechts

Gesamthabitus und Wuchsform

Rotbuche (links) und Eichen (rechts)

Die beiden Eichen rechts lassen sich nicht nur durch ihre schuppig-rissige, dicke Borke von der Rotbuche (linkes Foto) unterscheiden, sondern auch durch die schlängelnde Wuchsform ihrer Äste. Auch bei solitären Prachtexemplaren (Die Stieleiche wächst mehr in die Breite als die Traubeneiche) winden und biegen sich die Äste sichtlich bis in die feinen Verästelungen.

Solitäre Eiche

Dasselbe könnte man auch von der Linde behaupten, wenn man sich das folgende Bild ansieht. Sie schlängelt sich aber nicht so kleinteilig in jede Richtung, sondern wächst zunächst etwas geradliniger und mit der Zeit bogig überhängend. Wird sie als Kopflinde zurückgestutzt, formen die nachwachsenden Äste eine eiförmige Krone.

Linden im Winter

Zweige und Knospen

Ob nun länglich, zugespitzt, rundlich, ei- oder entenschnabelförmig, flach anliegend oder abstehend, rot, braun, grün oder schwarz, schuppig, behaart, glatt, rauh oder klebrig - Knospen können sich von Größe, Form, Farbe und Oberflächenbeschaffenheit her stark unterscheiden und dadurch Aufschluss geben über die Baumart.  Auch wie sie am Zweig angeordnet sind, kann bei der Bestimmung helfen und nicht zuletzt die Zweige selbst, ihre Farbe und Beschaffenheit, Korkleisten, Warzen, Dornen und andere Eigenheiten und sogar ihr Ansatzwinkel...

Zweige des Feldahorns (in einer Hecke) mit gegenständigen Knospen an den vorjährigen sowie typischen Korkleisten an etwas älteren Zweigen

Bei den jüngsten Zweigen des Bergahorns (oben) ist klar erkennbar, dass die bereits angelegten rundlichen, kleinen Knospen und damit auch die Seitentriebe einander genau gegenüberstehen, also gegenständig und nicht versetzt am Zweig angeordnet sind wie beim Buchenzweig mit seinen spitzen Knospen im Foto weiter unten. Gegenständige Knospen besitzen bei unseren heimischen Gehölzen nur die Vertreter der Gattungen Ahorn (Acer), Hartriegel (Cornus), Esche (Fraxinus), Geißblatt (Lonicera) und Schneeball (Viburnum).

Buchenzweige mit wechselständigen Knospen

Kastanienknospen sind auffällig groß, rötlich und klebrig, Eschenknospen heben sich schwarz von den grauen Trieben ab, Walnussknospen grau von den dunkleren jungen Zweigen. Die Winterlinde hat kurz-eiförmige Knospen, die Buche länglich-dünne und zugespitzte.

Zweige mit Knospen von Kastanie, Esche, Walnuss, Winterlinde und Buche

Da die Fülle groß ist, empfehle ich für alle, die mehr wissen möchten, das Buch Gehölzbestimmung im Winter oder etwas handlicher den Taschenatlas Knospen und Zweige von Bernd Schulz aus dem Ulmer Verlag bzw. von Jean-Denis Godet: Bäume und Sträucher. Einheimische und eingeführte Baum- und Straucharten, GODET Pflanzenführer, Natur Buch VERLAG. Bewaffnet mit solchen Unterlagen gibt’s dann nur mehr eines: hinaus in Garten und Landschaft, in die Kälte oder in den Schnee, Augen auf und bestimmen, vielleicht auch fotografieren oder einzelne Zweiglein mitnehmen für den unmittelbaren Vergleich…

Die Verfasserin vor einem Stamm des Bergahorns und einem hineingeschummelten Weidentrieb

Und zum Schluss noch ein Rätsel: Welcher Baum könnte der folgende sein? – Achtung: die Rindenfarbe ist hier nicht ganz typisch, der Stamm aber relativ glatt, gerade gewachsen und wohlgerundet, die Knospen an den Zweigen weiter oben sind wechselständig und spitz. Das kommt uns doch bekannt vor…

Fotos: Leithner, Natur im Garten, Hans, pixabay

 

Die Lösung ist natürlich: Die Rotbuche.

Viel Vergnügen beim Bestimmen!

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