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Bärlauch ernten

ohne Reue

Bärlauch wird leider immer wieder mit Giftpflanzen verwechselt. Eigentlich sollte das nicht passieren können. Denn Bärlauch ist recht gut von allen anderen Pflanzen unterscheidbar. Auch haben die meisten Verwechsler etwas andere Standortsansprüche. Aber leider nicht ganz anders – manchmal kommen die Arten gemeinsam vor. Und darin liegt wohl das Hauptproblem: Die Pflanzen werden meist nicht verwechselt, sondern rutschen bei der Ernte von Massenbeständen einfach mal mit rein. Daher sollte man die begehrten Blätter lieber einzeln ernten. Der Geruch ist ein schlechtes Merkmal. Hat man Bärlauch gepflückt, riecht alles, was man danach pflückt, auch nach Bärlauch.

 

Bärlauch

 

Beim Bärlauch wächst meist nur ein Blatt aus jeder Zwiebel. Es ist deutlich gestielt. Die Zwiebeln stehen aber in Horsten zusammen. Von Natur aus wächst Bärlauch in Auwäldern mit frühsommerlichen Überschwemmungen. Ausnahmen gibt es etwa im Flyschwienerwald, denn Flysch hält Wasser sehr gut und so kommt es zu vernässten Stellen, an denen Auwaldpflanzen auch mitten im Edellaubwald, etwa im Buchen- oder im Eichen-Hainbuchen-Wald große Bestände bilden können. Nach Schlägerungen oder nach Dammbauten an Flüssen können sich Bärlauchpflanzen noch viele Jahrzehnte halten. Jungpflanzen kommen allerdings kaum mehr auf. Der Bestand lichtet aus.

 

Maiglöckchen

 

Das Maiglöckchen hat unterirdisch weit umherstreifende Rhizome. Es kommt zu keiner Horstbildung. Jeder Trieb hat zwei voll entwickelte Laubblätter. Die Blattstiele sind kaum sichtbar, da sie von einem Scheinstamm eingehüllt sind. Der Scheinstamm besteht aus Niederblättern, also nicht voll entwickelten Blättern, die eine Art Köcher bilden. Maiglöckchen ertragen keine regelmäßigen Überschwemmungen. Sie kommen in Edellaubwäldern vor. Im Flysch dringen sie aber randlich durchaus in vernässte Stellen vor. Sobald ein Auwald durch einen Damm von seiner Lebensader getrennt ist, können sich Maiglöckchen auch dort rasch ausbreiten.

 

Herbstzeitlose

 

Die tödlichste Verwechslerin des Bärlauchs ist die Herbstzeitlose. Herbstzeitlosen bilden Knollen, die von trockenen Blattresten eingehüllt sind und daher wie Zwiebeln aussehen (Zwiebelknollen). Die Knollen sind Einzelgänger, jedoch wachsen aus jeder Knolle mehrere Blätter. Die Blätter haben keine Blattstiele, sind bis in die Erde abgeflacht. Sie bilden eine mehr oder weniger trichterförmige Rosette. Herbstzeitlosen bevorzugen wechselfeuchte Wiesen, kommen aber auch mit zeitweise nassen oder mit zeitweise trockenen Standorten zurecht. Aber sie lieben Sonne. Im jungen Stangenwald oder an Waldrändern können sie jedoch auch wachsen und dort auch Bärlauch und Maiglöckchen treffen.

 

Aronstab

 

Außer bei Sämlingen kaum verwechselbar, aber auch in Auwäldern vorkommend, kann Aronstab versehentlich mitgepflückt werden. Der Schmerz, verursacht durch tausende Oxalatkristallnadeln, die sich durch die Schleimhäute bohren, hält üblicherweise davon ab eine gefährliche Dosis zu konsumieren. Schneeglöckchen sind weitere mit Bärlauch vergesellschaftete Giftpflanzen, schlüpfen aber aufgrund der Blattform auch bei wenig schonender Ernte im Normalfall durch die Finger und landen so nicht auf dem Teller.

 

Übersammeln?

 

Am passenden Standort ist es kaum möglich, einen Bestand zu gefährden. Bärlauch samt in Massen aus und hat eine enorm hohe Keimrate. Wenn sich aber das Wasserregime ändert, vertrocknen die kleinen, oberflächennahen Zwiebeln der Sämlinge im Sommer. Was den Bärlauch gefährdet, ist auch dann nicht die Ernte, sondern der Damm. Es kommt zu keiner Naturverjüngung und der Bestand lichtet über die Jahrzehnte aus. Mit Ernte vielleicht ein bisschen schneller, aber das Ende ist sowieso festgeschrieben.

 

Bärlauch im Garten

 

Bärlauch kann natürlich auch im Garten kultiviert werden. In gut wasserhaltenden Lehmböden oder bei sommerlicher Wässerung kann er sogar wuchern. Haben es die Zwiebeln im Sommer zu trocken, so wird sich der Bestand nicht vergrößern. Bei großer Trockenheit können sogar die Zwiebeln großer Pflanzen im eingezogenen Zustand vertrocknen. Will man aussäen, so sollte man frisches Saatgut gleich nach der Ernte aussäen. Die Keimung erfolgt zwar erst im kommenden Winter, dafür ist die Keimrate nahe 100 %. Gelagertes Saatgut, das im Herbst gesät wird, hat eine weitaus geringere Keimrate. Im Frühjahr gesät keimt es, wenn überhaupt, erst im nächsten Winter.

 

Kulinarische Blätterschmankerl - Feine Bärlauchbutter

 

Hackt 15 Bärlauchblätter fein und vermengt sie gut mit 250 Gramm weicher Butter und einem Teelöffel feinem Natursalz. Ihr könnt die würzige Butter gleich als Brotaufstrich verwenden oder in Silikon Eiswürfelbehälter füllen und im Sommer zu Gegrilltem genießen.

 

Kulinarisches Blütenschmankerl - Bärlauchkapern

 

Füllt 100 Gramm Bärlauchknospen mit Stiel in sterile Einmachgläser. Kocht 250 Milliliter Weißweinessig, einen Teelöffel feines Natursalz und einen Teelöffel Feinkristallzucker in einem Topf kurz auf, damit sich Salz und Zucker auflösen. Stellt die Einmachgläser auf ein feuchtes Geschirrtuch, damit sie nicht springen und gießt den noch heißen Sud über die Knospen. Voll gefüllt und kühl und dunkel gelagert, halten die “falschen Kapern” bis zu einem Jahr.

 

 

 

Fotos: Brocks, Pixabay

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