Sommergäste, auf die man gerne verzichtet
Von Gelsen und Motten
Gelsen gehören für viele Menschen zu den größten Störenfrieden der warmen Jahreszeit. Denn sind sie nicht nur lästig, sondern auch aus ökologischer und gesundheitlicher Sicht relevant. Etwa 50 Arten tummeln sich in Österreich. Ihre Verbreitung wird seit 2011 von der AGES überwacht, um das Auftreten invasiver Arten und die mögliche Übertragung von Krankheitserregern wie dem West-Nil-Virus, das hierzulande bereits mehrfach nachgewiesen wurde zu kontrollieren.
Besonders die Gemeine Stechmücke spielt dabei eine Rolle, während sich mit der Klimaerwärmung auch die Asiatische Tigermücke und die mit ihr verbundenen potentiellen Risiken zunehmend ausbreiten. (www.ages.at/mensch/krankheit/infos-zu-gelsen-und-krankheiten)
Gelsen blieben aufgrund ihrer Größe oft wohl unbemerkt, fallen uns aber durch ihre Gesänge und Mundwerkszeuge auf. Nur die Weibchen stechen, um Blut für ihre Eiproduktion zu gewinnen. Gelsen sind vor allem bei warmem, windstillem Wetter aktiv, die unbeliebte Annäherung dauert dabei oft nur wenige Sekunden. Entgegen der Mythenbildung sind nicht süße Speisen oder ein hoher Blutzucker ausschlaggebend für ihre Vorlieben, sondern individuelle Körpergerüche. Kohlendioxid, bestimmte Fettsäuren im Schweiß und über die Haut abgegebene Fettabbauprodukte wirken besonders anziehend auf die kleinen „Schwirrer“.
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Neben technischen Hilfsmitteln wie Ventilatoren oder Fliegengittern bieten ein paar wenige Pflanzen eine naturnahe Möglichkeit, Stechmücken fernzuhalten. Viele Kräuter und Zierpflanzen verströmen ätherische Öle, die Gelsen meiden. Lavendel, Rosmarin, Basilikum und verschiedene Minzen sind leicht zu kultivieren und entfalten ihre Wirkung sowohl frisch als auch getrocknet. Zitronig duftende Pflanzen wie Zitronenmelisse, Zitronengras, Zitronenverbene oder Duftpelargonien gelten als besonders effektiv, da sie Inhaltsstoffe wie Citronella enthalten, die auch in kommerziellen Repellents verwendet werden. Einige dieser Pflanzen benötigen allerdings frostfreie Überwinterung.
Katzenminze sticht besonders hervor: Ihr Wirkstoff Nepetalacton wurde in Studien als deutlich wirksamer als der synthetische Stoff DEET beschrieben. Als Beetumrandung oder an Eingängen platziert, gibt sie beim Berühren ihre Duftstoffe ab. Ergänzend zeigen Erfahrungen aus dem Gemüsegarten, dass Pflanzen wie Feuerbohnen, Bohnenkraut und Paradeiser wenig attraktiv für Stechmücken sind. Allgemein gilt: Eine größere Pflanzenvielfalt verbessert nicht nur das Mikroklima, sondern kann auch dazu beitragen, den Aufenthalt im Freien angenehmer zu gestalten.
Wo pflanzliche Methoden nicht ausreichen, können gut geprüfte Repellents auf Eukalyptusbasis zusätzliche Unterstützung bieten. Auch Studentenblumen (Tagetes) und Leberbalsam überzeugen mit Mehrfachnutzen: Sie wirken nicht nur abschreckend auf Insekten, sondern verbessern teilweise sogar die Bodenqualität oder schützen sich selbst vor Fraßschäden durch spezielle Inhaltsstoffe. Der Harfenstrauch, auch als „Mottenkönig“ bekannt, vertreibt mit seinem weihrauchähnlichen Duft Gelsen und Motten gleichermaßen und eignet sich gut für Balkon und Terrasse.
Nicht nur Gelsen, auch Motten können im Alltag lästig werden. Besonders in Kleiderschränken, Kommoden oder Vorratsräumen finden sie ideale Bedingungen. Anstelle chemischer Mottenmittel setzen viele Menschen auf bewährte Pflanzen und Düfte, die Motten meiden – mit dem Vorteil, dass sie unbedenklich für Mensch und Raumklima sind.
Lavendel ist dabei der Klassiker. Getrocknete Blüten, locker in Stoffsäckchen gefüllt und zwischen die Kleidung gelegt, verströmen über Monate hinweg ihren Duft und halten Kleidermotten zuverlässig fern. Wichtig ist, den Lavendel regelmäßig leicht zu „aktivieren“, etwa durch sanftes Zerreiben, damit sich die ätherischen Öle erneut entfalten können. Auch Lavendelöl, sparsam auf Holzklötzchen oder Papier getropft, eignet sich gut für Schränke und Laden.
Zedernholz – etwa in Form von Ringen, Kugeln oder Spänen – wirkt ebenfalls mottenabwehrend, da es kontinuierlich Duftstoffe absondert. Auch hier gilt: Durch leichtes Anschleifen lässt sich die Wirkung auffrischen.
Ebenfalls gut geeignet ist das sogenannte „Colakraut“ (Artemisia abrotanum), auch Eberraute genannt. Als „Garde der Robe“ wirkt sein intensiver, leicht zitronig-harziger Geruch stark abschreckend auf Motten. Frische oder getrocknete Zweige lassen sich einfach in den Kleiderschrank legen. Traditionell wurde die Eberraute nicht nur gegen Motten, sondern auch gegen Fliegen und anderes Ungeziefer eingesetzt.
In der Küche finden sich weitere bewährte Pflanzen wie Lorbeer, Rosmarin, Salbei und Thymian. Ihre getrockneten Blätter geben ätherische Öle ab, die Motten meiden, und sorgen zugleich für einen angenehmen, würzigen Duft. Für meine Schwiegermutter sind besonders Lorbeerblätter ein unentbehrlicher Zusatz in jedem Vorratsglas mit Bröseln.
Auch Duftpelargonien oder Harfenstrauch (Plectranthus), die bereits auf Balkon und Terrasse gegen Gelsen eingesetzt werden, können in getrockneter Form im Innenraum Verwendung finden. Ihr kräftiger Duft vertreibt nicht nur Motten, sondern wirkt auch allgemein gegen andere Insekten. Unabhängig vom gewählten Mittel ist Sauberkeit entscheidend: Motten werden vor allem von Woll-, Seiden- oder Pelztextilien angezogen, die Hautschuppen oder Gerüche enthalten. Regelmäßiges Lüften, Ausbürsten und Waschen der Kleidung sowie dicht schließende Aufbewahrung sind die beste Ergänzung zu pflanzlichen Mottenmitteln. So lassen sich Schränke auf natürliche Weise schützen – ganz ohne chemische Keule.
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Fotos: „Natur im Garten“, Beneš-Oeller, Leithner, Brocks, Haiden