Kräuternachwuchs

Ganz einfach selbst gezogen

Kräuter anzubauen ist viel unkomplizierter, als viele denken. Mit ein wenig Grundwissen und dem richtigen Equipment gedeihen Basilikum, Rosmarin und andere Kräuter fast von selbst. Bei manchen Sorten genügt sogar eine einzige Pflanze pro Haushalt, etwa bei Liebstöckel, Lorbeer oder Rosmarin. Eine Aussaat lohnt sich hier selten, auch weil diese Kräuter sehr langsam wachsen. Besser ist es, kräftige Jungpflanzen in guter Qualität zu kaufen und dabei auf gesunden Wuchs, stabile Triebe sowie schädlings- und schimmelfreie Blätter zu achten. Am besten wählt man Bio-Pflanzen und fragt im Fachhandel in der Nähe gezielt nach unbehandelter Ware.

Zwei Wege führen zum Kräuterglück, denn die aromatischen Pflanzen lassen sich auf zwei Arten vermehren: über Samen oder über Pflanzenteile. Besonders schnell und unkompliziert funktioniert das Vermehren über Stecklinge. Von Frühling bis Spätsommer schneidet man dazu 5–10 cm lange, noch nicht völlig verholzte Triebspitzen von Kräutern wie Estragon, Lavendel, Salbei, Rosmarin, Thymian oder Zitronenverbene ab. Nach dem Entfernen der unteren Blätter steckt man die Triebe in feuchte, nährstoffarme Anzuchterde und deckt sie mit Folie oder einer abgeschnittenen PET-Flasche ab – so entsteht ein einfaches Mini-Gewächshaus.

Meine Kollegin Anna überwintert ihr Strauchbasilikum in einem kühlen, hellen Wohnraum und schneidet es im Frühjahr stark zurück. Die dabei gewonnenen Stecklinge kommen erst in ein Gefäß mit Wasser und dann erst vorsichtig in die Erde, ohne die Wurzeln abzubrechen. Der Erfolg gibt ihr recht…

Daneben ist auch das Teilen ganzer Pflanzen eine gute Möglichkeit, den eigenen Kräuterbestand zu vergrößern. Im frostfreien Frühling oder Herbst werden Pflanzen wie Liebstöckel, Oregano, Schnittlauch oder Zitronengras ausgegraben, der Wurzelballen wird geteilt und anschließend wieder neu eingepflanzt.

Viele nicht verholzende Kräuter lassen sich außerdem bestens aus Samen ziehen, was besonders praktisch ist, wenn man viele Pflanzen benötigt. Idealerweise nutzt man Bio-Saatgut und achtet auf das Haltbarkeitsdatum. Für die Aussaat verwendet man hochwertige, feine und lockere Anzuchterde, die ja immer magerer ist. Das Gefäß – am besten plastikfrei - wird mit Erde gefüllt, leicht angedrückt und glattgestrichen. Die Samen kommen darauf und werden – falls notwendig – hauchdünn mit Erde bedeckt. Basilikum, Bohnenkraut und Majoran sind Lichtkeimer und dürfen deshalb nicht mit Erde abgedeckt werden.

Während der Keimzeit ist entscheidend, dass eine gleichmäßige Feuchtigkeit vorherrscht, der künstliche Regen aber auch nicht in zu nass ausfällt. Am besten funktioniert das mit einer Sprühflasche, die die Samen nicht wegschwemmt. Warm sollten die Aufzucht stehen, aber nicht in der prallen Sonne.

Sobald die kleinen Pflanzen vier bis sechs Blätter tragen, können sie in eigene Töpfchen von etwa acht Zentimetern Durchmesser umziehen. Mit einem Pikierholz, einem Bleistift oder einem Holzstäbchen lassen sie sich besonders schonend vereinzeln. Auch ältere Topfkräuter freuen sich regelmäßig über etwas frische Erde und größere Gefäße. Wenn ein Topf vollständig durchwurzelt ist, wird es Zeit für einen Wechsel – idealerweise im Frühling und am besten mit hochwertiger, torffreier Erde.

Wer Kräuter ins Beet pflanzen möchte, sollte ein Pflanzloch ausheben, das doppelt so groß ist wie der Wurzelballen. Die Pflanze wird auf gleicher Ebene wie zuvor in die Erde eingebettet, nicht eingeschüttet, leicht angedrückt und gründlich angegossen – und schon können die Kräuter loslegen.

Damit Trauermücken fallen dadurch auf, dass sie sich bevorzugt an feuchten Gebieten wie Mund und Augen aufhalten und deshalb schon deshalb lästig werden. Die Sicht bleibt das leicht versperrt und auch die Larven, die im Boden an den Wurzeln knabbern. Damit sie gar nicht erst zum Problem werden, lohnt sich ein Blick auf die Erde bereits beim Kauf. Außerdem sie möglichst trocken gehalten und erst gegossen werden, wenn die Oberfläche abgetrocknet ist. Eine regelmäßig aufgelockerte obere Erdschicht hilft ebenfalls. Falls doch Mücken auftauchen, helfen eine dünne Sandschicht auf der Erde, das Absaugen der adulten Mücken mit dem Staubsauger, Gelbtafeln oder das Ausbringen von Nematoden (Steinernema feltiae) über das Gießwasser.
Ich wünsche einen guten Start in ein aromatisches Gartenjahr.

Fotos: „Natur im Garten“, Beneš-Oeller, Leithner, Brocks, Haiden, Kolbinger, AdobeStock

Margit Beneš-Oeller

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